Drei Monate sind in der Tech-Welt eine Ewigkeit. Nach einem Vierteljahr mit der Antigravity A1 hat sich mein Eindruck weiter gefestigt: Das Konzept fasziniert weiterhin, aber die praktischen Schwächen bleiben allgegenwärtig. Es ist und bleibt eine Hassliebe. Hier ist mein schonungsloses Fazit nach drei Monaten Flugpraxis.
A1: Zwischen Medienhype und Realität
Die Antigravity A1 wurde zum Marktstart von vielen Medien geradezu euphorisch gefeiert. Unser erster Test fiel dagegen deutlich zurückhaltender aus. Nicht, weil das Konzept nicht beeindruckt hätte, sondern weil sich viele Schwächen im praktischen Einsatz zeigten. Nach drei Monaten Nutzung lässt sich diese Diskrepanz nun einordnen. Ich kenne inzwischen jede Macke, jeden Softwarefehler, aber auch diese Momente, in denen die A1 Dinge möglich macht, die keine andere Drohne kann. Und ich bleibe dabei: Trotz zahlreicher Updates bleibt sie kein perfektes Werkzeug, sondern ein massiver Kompromiss. Dennoch hole ich, obwohl eine DJI Mavic 4 Pro und mehrere weitere Drohnen parat liegen, zum Fliegen inzwischen fast immer zuerst die Antigravity A1 aus dem Schrank.

Trotz Schwächen: Darum ist die Antigravity A1 einzigartig
Denn trotz diverser Kritikpunkte gibt es einen Grund, warum ich immer wieder zur Antigravity A1 greife. Er liegt weniger in technischen Daten als im eigentlichen Flugerlebnis.
Das immersive Erlebnis
Die Goggles sind der Hauptgrund, warum ich die A1 einfach unschlagbar finde. Das Wie-ein-Vogel-Gefühl ist derzeit einmalig auf dem Markt, zumindest bis in Kürze die DJI Avata 360 erscheint. Das Head-Tracking reagiert dabei so präzise, dass man schnell vergisst, eine Drohne zu steuern. Man ist gedanklich einfach dort oben. Was mich dabei überrascht hat: Diese Immersion nutzt sich nicht ab. Im Gegenteil, je länger ich mit der A1 fliege, desto stärker prägt sie mein Fluggefühl. Diese immersive Erfahrung erzeugt fast so etwas wie eine Sucht – schwer zu erklären.

@ OutdoorMonster
Die One-Take-Garantie
Da die Antigravity A1 permanent eine vollständige 360-Grad-Kugel aufzeichnet, hat sich meine Art zu fliegen über die Zeit spürbar verändert. Diese Ruhe war nicht sofort da, sondern etwas, das ich erst nach und nach immer mehr zu schätzen gelernt habe. Ich muss nicht mehr permanent überlegen, ob der Bildausschnitt passt, ob die Kamera richtig ausgerichtet ist oder ob ich gerade den entscheidenden Moment verpasse. Diese Entscheidungen haben sich inzwischen vollständig in die Nachbearbeitung verlagert. Beim Fliegen selbst bleibt für mich vor allem eines: das Erlebnis.
Software und Arbeitsablauf
Gerade bei der Software habe ich über die Monate die größten Fortschritte festgestellt. Die Anzigravity-App wirkt heute deutlich reifer und arbeitet beim Export stabil und flüssig. Abstürze und störende Fehlermeldungen, die mich zu Beginn regelmäßig ausgebremst haben, treten inzwischen kaum noch auf. Auch meine anfängliche Kritik gegenüber der automatischen KI-Bearbeitung hat sich relativiert. Zu Beginn kamen dabei oft kaum brauchbare Ergebnisse heraus. Inzwischen liefern die Clips nach ein paar Anpassungen überraschend spektakuläre Resultate, die sich oft direkt verwenden lassen. Auch die Zahl der Presets ist gewachsen und vor allem sinnvoller geworden. Das Experimentieren mit ihnen gehört inzwischen fest zu meinem Workflow und zeigt sehr gut, welches kreative Potenzial in dem 360-Grad-Konzept steckt.
Ein kleines, aber feines Highlight habe ich auch erst nach einer Weile entdeckt: den USB-SD-Karten-Adapter für das Smartphone (nur im Infinity Bundle enthalten). Daten lassen sich so direkt über die Speicherkarte der A1 in der Antigravity-App bearbeiten, statt sie langsam per WLAN zu übertragen. Das spart Zeit und macht den gesamten Arbeitsablauf deutlich effizienter. Übrigens: mit der DJI Fly-App funktioniert so ein USB-SD-Karten-Stick leider nicht.

Gewöhnung an die Steuerung
Der Motion-Controller der A1 mit seinen vielen Tasten lässt sich nach wie vor nicht intuitiv bedienen. Immer noch erwische ich mich dabei, wie ich ab und zu die Goggles beiseite schiebe und nachschaue, wo sich eine bestimmte Taste befindet. Trotzdem habe ich mich inzwischen an die besondere Steuerung gewöhnt, und es funktioniert immer besser. Vor allem ein Trick, auf den mich der Antigravity-Support aufmerksam gemacht hat, ist für mich ein Gamechanger: Wenn man das Scrollrad drückt, kalibriert sich das Menü neu in der Mitte. Das hatte mich mehr als einmal zur Verzweiflung gebracht, wenn das Menü auf einmal an einer völlig unbrauchbaren Position erschien.
Der Preis-Check 2026
Mit den aktuellen 15 Prozent Rabatt rückt die Drohne erstmals in einen Bereich, den man als fair bezeichnen kann. Los geht’s jetzt etwa mit dem Standard-Bundle für 1.189 Euro. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, warum Antigravity so kurz nach dem Marktstart bereits Preisnachlässe gewährt. Liegt`s daran, dass sich die wahrscheinlich günstigere DJI Avata 360 bereits im Anflug befindet?
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Das ist schlecht an der A1: Wo der Kompromiss wehtut
So sehr mich das Fliegen mit der A1 fesselt, bei der Nachbearbeitung folgt regelmäßig die Ernüchterung. Denn bei der Bildqualität zeigt sich, wie hoch der Preis für das 360-Grad-Konzept ist.
Bildqualität und die Zoom-Falle
Die Bildqualität der A1 bleibt für mich der Elefant im Raum. Nach drei Monaten wundert es mich ehrlich gesagt immer wieder, warum dieser Punkt in vielen anderen Tests kaum eine Rolle spielt. Vor allem massive Lensflares und andere optische Bildfehler treten bereits bei leichtem Gegenlicht auf (siehe Video unten). Je nach Sonnenstand ziehen sich störende Reflexionen, milchige Kontraste und Artefakte durch das gesamte Bild. Das wirkt nicht wie ein Randproblem, sondern wie eine grundsätzliche Schwäche des optischen Systems, und lässt sich weder in der App noch in der Nachbearbeitung zuverlässig korrigieren.
Auch bei optimalen Lichtverhältnissen bleiben die Aufnahmen der Antigravity A1 hinter meinen Erwartungen zurück. Sie wirken ordentlich, aber keineswegs überragend. Da sich die nominelle 8K-Auflösung auf die komplette 360-Grad-Kugel verteilt, bricht die Detailzeichnung beim Hineinzoomen außerdem sehr schnell ein. Hinzu kommt, dass ein LOG-Profil für professionelles Farbgrading vollständig fehlt. Gerade in dieser Preisklasse ist das ein klarer Nachteil und schränkt die Nachbearbeitung unnötig ein.
Werkzeugkasten statt Taschenmesser
Die A1 eignet sich für mich weiterhin nicht für spontane Kurzflüge. Während eine DJI Neo 2 tatsächlich wie ein Taschenmesser funktioniert und schnell einsatzbereit ist, bleibt die Antigravity A1 etwas sperrig. Der Dreiklang aus Goggles, Drohne und Controller macht den Aufbau auf jeden Fall deutlich komplexer als bei klassischen Drohnen. Auch nach drei Monaten habe ich mich an diese Abfolge noch nicht vollständig gewöhnt. Jeder Flug erfordert ein wenig Vorbereitung und Aufmerksamkeit.
Technische Zickereien
Bei den technischen Eigenheiten hat sich im Vergleich zu den ersten Wochen zwar einiges verbessert, ganz verschwunden sind sie aber nicht. Die wiederkehrenden Warnmeldungen zu angeblichen magnetischen Störungen tauchen weiterhin nahezu überall auf und reißen mich regelmäßig aus dem Flugerlebnis. Auch bei der Reichweite hat sich mein Eindruck über die Zeit nicht verbessert. Im direkten Vergleich zu Modellen wie der Mavic 4 Pro fühlt sich der verfügbare Aktionsradius ziemlich eingeschränkt an. Technisch mag die Verbindung inzwischen stabiler sein, subjektiv fliege ich aber vorsichtiger, breche früher ab und habe die Distanz stets im Hinterkopf. Diese mentale Bremse passt schlecht zu dem eigentlich freien, immersiven Fluggefühl, das die A1 sonst vermittelt.
Antigravity A1: Fazit nach drei Monaten
Die Antigravity A1 ist für mich nach drei Monaten vor allem eines: eine Erlebnis-Maschine, keine Produktions-Maschine. In diesem Zeitraum hat Antigravity viele Schwächen spürbar verbessert, sowohl bei der Software als auch im Arbeitsablauf. Perfekt ist die Drohne aber weiterhin nicht. Wer das Fliegen selbst liebt und die kreative Freiheit von 360 Grad zu schätzen weiß, wird die A1 trotz ihrer Kompromisse lieben. Wer hingegen maximale Bildqualität erwartet, fährt mit klassischen Drohnen deutlich besser.
