Herbst an der Elbe in Hamburg ist ein ehrlicher Härtetest für Camping- und Picknickgrills: feuchte Luft, kühle Temperaturen, dazu gern mal ein Windstoß vom Wasser. Genau dort haben wir den Burnhard Jones aufgebaut und gegrillt. Das Setting passt, weil ein portabler Grill unterwegs zwei Dinge gleichzeitig liefern muss: wenig Packmaß und trotzdem genug Leistung, damit das Grillen nicht zur Geduldsprobe wird. Der Jones will genau das. Im Test zeigt sich: Das Konzept funktioniert, nur bei Deckel und Reinigung verlangt er mehr Geduld, als das Klappdesign zuerst verspricht.

Technische Daten und Einordnung
Der Burnhard Jones ist ein kompakter Klappgrill mit Deckel. Im zusammengelegten Zustand ist er sehr flach, aufgebaut steht er stabil und wirkt insgesamt solide.
Wichtige Eckdaten aus dem Testgerät:
- Gewicht: 7,3 kg (mit Deckel, ohne Kartuschen)
- Grillfläche: 38 x 28 cm
- Preis: 299 Euro
- Betrieb: zwei Schraubkartuschen, zwei längs angeordnete Brenner
- Packmaß: zusammengelegt etwa 8,5 cm dick

Die Grillfläche liegt in einer Größe, die für zwei Personen bequem ist und für drei bis vier Personen noch funktioniert, wenn in Etappen gegrillt wird. Wer regelmäßig für Gruppen grillt, wird es kompakt finden, aber beim Camping zählt am Ende die Flächenleistung pro Liter Stauraum.
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Aufbau: Klappen statt stecken – fast so einfach, wie es klingt
Der große Reiz am Jones ist der Aufbau. Statt viele Bleche zu einem Korpus zusammenzustecken, wird der Grill aufgeklappt. Ein Rahmen stabilisiert die Konstruktion und nimmt gleichzeitig die Fettwanne auf. Gesteckt werden im Wesentlichen Brenner und Flammverteiler. Das geht schnell und ist nach wenigen Durchgängen Routine.
Im Test zeigt sich aber auch eine kleine Schwachstelle: Die Nasen, die den Rahmen in den Schlitzen der Seitenwände fixieren, neigen gelegentlich zum Verbiegen. Dann hakt die Montage, weil der Rahmen nicht mehr ganz sauber einrastet. Das ist nichts, was den Grill unbenutzbar macht, aber es nimmt dem „einmal klappen, fertig“-Gefühl etwas die Leichtigkeit.

Wirklich fummelig wird es beim Deckel: Dessen Scharnierstifte müssen bei jedem Aufbau unter Spannung in die vorgesehenen Löcher gebracht werden. Das klappt, kostet aber jedes Mal Handarbeit und ist unterwegs der Teil, der am ehesten nervt, wenn es schnell gehen soll.
Praktisch gelöst ist die Transporttasche: Sie schützt den Grill, dient beim Aufbau als Unterlage und kann als Rucksack getragen werden. Gerade auf feuchtem Boden am Wasser ist so eine Unterlage nicht nur Komfort, sondern schützt auch vor Dreck in den Gelenken.

Standfestigkeit und Verarbeitung: stabil, mit einem bekannten Knackpunkt
Aufgebaut steht der Jones gut da und macht einen soliden Eindruck. Edelstahl hat im Campingalltag klare Vorteile: Es steckt Feuchtigkeit weg, verzeiht Spritzer und wirkt auch nach mehreren Einsätzen noch ordentlich.
Der erwähnte Knackpunkt sind die Führungsnasen im Rahmen. Wenn die sich verbiegen, wird der Aufbau hakelig. Wer den Grill häufig auf- und abbaut, sollte diese Stelle im Blick behalten und beim Packen nicht unnötig verkanten.
Hitze und Leistung: der Jones kann scharf anbraten
Das Leistungsbild ist das, was am Jones am meisten überzeugt. Die zwei Brenner liefern jeweils 3,2 kW, und die Konstruktion schafft es, diese Energie spürbar am Rost ankommen zu lassen. Im Test waren rund 330 °C am Rost kein Problem. Damit gelingen Burger, Steaks und alles, was ein sauberes Branding und kurze Garzeiten braucht.

Das ist der Moment, in dem der Jones seine Größe vergisst. Grillmuster entstehen zuverlässig, und das Gerät wirkt im Betrieb eher wie ein „normaler“ Gasgrill als wie ein Campingkompromiss.
Die Flammverteiler können dabei so heiß werden, dass sie sichtbar glühen. Das zeigt: Hier ist genug Power da, um nicht nur lauwarm zu brutzeln, sondern wirklich zu grillen.
Zwei Kartuschen: wirkt umständlich, hat aber einen praktischen Effekt
Dass zwei Primus-Kartuschen nötig sind, wirkt zuerst unpraktisch. Im Test ergibt es aber Sinn, weil die Brenner jeweils ordentlich Leistung ziehen. Würde alles aus einer Kartusche versorgt, könnte die Verdampfungsleistung bei Dauerlast zum limitierenden Faktor werden. Mit zwei Kartuschen läuft das System stabil und bringt die Hitze, die der Jones verspricht.

Für den Campingalltag bedeutet das: Kartuschenplanung gehört dazu. Wer längere Grillabende einplant, packt besser Reserve ein. Wer häufig grillt, wird sich irgendwann eine Lösung wünschen, die das Kartuschenhandling reduziert.
Grillen mit Deckel: indirekte Zone ist möglich
Der Deckel macht den Jones deutlich vielseitiger. Durch zwei Brenner lässt sich eine indirekte Zone aufbauen: eine Seite heiß, die andere niedriger, und dann mit Deckel nachgaren. Für dickere Steaks, Hähnchenteile oder empfindlicheres Grillgut ist das ein echter Nutzwert.

Allerdings ist der Deckel nicht nur Vorteil, sondern auch der Teil, der im Handling am meisten Kritik sammelt.
Deckel und Bedienung: heiß, flach, und der „Griff“ ist ein Kompromiss
Der Deckel besteht wie der Rest aus Edelstahl und wird entsprechend heiß. Als Griff ist ein Multi-Tool vorgesehen, das zusätzlich Flaschenöffner und Rostheber sein soll. In der Praxis ist das umständlich: Jedes Mal muss das Tool in den Schlitz des Deckels gesteckt werden. Wer nur kurz nachsehen möchte, ob etwas schon Farbe hat, greift irgendwann reflexartig „mal schnell“ an den Deckel – mit entsprechend unangenehmen Folgen.

Dazu kommt: Das Werkzeug kann aus dem Schlitz rutschen. Wenn der Deckel dann zufällt, wird es unschön. Im Test sprang der Deckel zweimal aus dem hinteren Scharnier. Das ist der Punkt, an dem aus einer cleveren Idee eine echte Alltagsschwäche wird.
Auch die Bauhöhe ist begrenzt. Der Deckel ist flach, und für höhere Bratenstücke ist wenig Platz. Für klassisches Campinggrillen ist das oft egal, aber wer gern mit größeren Cuts arbeitet, stößt schneller an Grenzen.
Zubehör und Fremdzubehör: wenig Pflicht, einiges geht trotzdem
Zum Zeitpunkt des Tests war das Zubehörangebot überschaubar. Das ist für viele kein Dealbreaker, weil der Jones durch die hohe Hitze mit normalem Zubehör gut zurechtkommt, solange es auf die Rostfläche passt.
Im Test funktionierte auch Fremdzubehör wie eine runde Gusseisenplatte problemlos. Das ist praktisch für Fisch, Gemüse oder alles, was auf Roststäben gern klebt. Wer gern mit Plancha oder Guss arbeitet, kann den Jones damit im Alltag deutlich erweitern, ohne auf Spezialteile angewiesen zu sein.
Reinigung: die größte Schwäche des Klappkonzepts
Die Kehrseite am Jones ist die Reinigung. Ja, der Grill lässt sich zerlegen, und theoretisch kann vieles in die Spülmaschine. In der Praxis wirkt das aber wie ein Rückschritt gegenüber dem Klappgedanken, weil das vollständige Zerlegen genau das konterkariert, was den Jones eigentlich so attraktiv macht.
Der Deckel besteht aus einem Stück und ist sperrig. Kanten und Ecken machen das Putzen zudem mühsamer. Zusammengeklappt liegend passt der Jones zwar in die Spülmaschine, nimmt dort aber viel Platz ein. Es geht, ist aber nicht elegant.
Für den Campingalltag bedeutet das: Der Jones eignet sich gut dafür, erst einmal schmutzig eingepackt und später zu Hause gründlich gereinigt zu werden. Die Tasche aus LKW-Plane ist abwaschbar und verzeiht auch Fett und Marinade. Wichtig bleibt nur: Die Fettwanne sollte halbwegs leer sein, sonst kann flüssiges Fett auslaufen.
Alltagstauglichkeit: wo der Jones passt und wo nicht
Der Burnhard Jones passt besonders gut, wenn ein Grill gesucht wird, der im Fahrzeug wenig Platz verbraucht, am Stellplatz aber nicht nach Notlösung schmeckt. Das ist seine klare Stärke: flach verstaut, schnell einsatzbereit, hohe Rosttemperatur.
Weniger gut passt er dort, wo Reinigung unterwegs wichtig ist oder wo mit Deckel sehr häufig gearbeitet wird. Dann wird der Griff- beziehungsweise Tool-Ansatz schnell zum Dauerärgernis. Auch für Touren, bei denen Gewicht eine Hauptrolle spielt, ist der Jones eher zu schwer.
Fazit: starke Hitze, gutes Konzept, aber mit echten Praxis-Kompromissen
Der Burnhard Jones ist ein Kompaktgrill, der mit leistungsstarken Brennern überzeugt und am Rost Temperaturen erreicht, die in dieser Klasse nicht selbstverständlich sind. Das Klappkonzept funktioniert und macht den Grill schnell einsatzbereit. Gleichzeitig fordert der Jones bei Deckelhandling und Reinigung mehr Geduld, als ein ultraportabler Grill im Alltag idealerweise verlangen sollte.
Wer einen flachen, transportfreundlichen Gasgrill sucht und bereit ist, beim Deckel Kompromisse einzugehen und die Reinigung eher zu Hause zu erledigen, bekommt ein Gerät, das beim Grillen selbst sehr viel richtig macht.
Pro
Sehr gute Hitze am Rost, schneller Aufbau, solide Verarbeitung, indirektes Grillen möglich
Contra
Reinigung mühsam, Deckelbedienung mit Tool umständlich und nicht immer sicher, geringe Deckelhöhe
