Kaum ein Thema beschäftigt Camper so regelmäßig wie die Toilette. Während über Solaranlagen, Lithium-Batterien oder Markisen leidenschaftlich diskutiert wird, bleibt die Entsorgung der Hinterlassenschaften meist ein notwendiges Übel. Spätestens nach einigen Tagen unterwegs führt jedoch kein Weg daran vorbei.

Genau hier setzt die Clesana X1 an. Statt Wasser, Chemie und Fäkalienkassette verschweißt die mobile Toilette jede Nutzung einzeln in einer speziellen Hochbarriere-Folie. Entsorgt werden die Beutel später über den Restmüll.
Das Konzept klingt zunächst ungewöhnlich und sorgt auf Stellplätzen regelmäßig für Diskussionen. Doch funktioniert die Idee auch im Alltag? Wir haben die Clesana X1 über einen Zeitraum von sechs Monaten auf Reisen im Camper genutzt.

Clesana X1 auf einen Blick
System: Mobile Verschweiß-Toilette
Stromversorgung: 12 V, 24 V, 230 V oder Einhell Power-X-Change-Akku
Maße: 344 x 384 x 302 mm (eingefahren)
Sitzhöhe: 407 mm
Maximale Belastung: 150 kg
Preis: ca. 1.095 Euro
Kurzfazit
Die Clesana X1 verfolgt einen völlig anderen Ansatz als klassische Campingtoiletten – und genau dieser Ansatz funktioniert im Alltag überraschend gut. Im sechsmonatigen Langzeittest überzeugten vor allem die geringe Geruchsentwicklung, die einfache Entsorgung und die Unabhängigkeit von Entsorgungsstationen. Der hohe Anschaffungspreis und die laufenden Kosten verhindern eine noch bessere Bewertung. Für Freisteher und Langzeitreisende gehört die Clesana X1 dennoch zu den spannendsten Camping-Innovationen der vergangenen Jahre.
So funktioniert die Clesana X1
Wer zum ersten Mal vor der Clesana steht, braucht einen Moment, um das System zu verstehen. Nach dem Toilettengang wird kein Wasser gespült. Stattdessen schließt der Nutzer den Deckel und startet per Knopfdruck den Verschweißvorgang.
Wenige Sekunden später ist die Hinterlassenschaft luft- und flüssigkeitsdicht verpackt. Um Folie zu sparen, kann die Größe des Beutels in mehreren Stufen (S, M, L) gewählt werden. Dadurch wird immer nur so viel Material verwendet, wie tatsächlich benötigt wird.
Das klingt komplizierter, als es tatsächlich ist. Nach kurzer Eingewöhnung geht der Ablauf schnell in Fleisch und Blut über.
Sechs Monate Praxistest
Viele Campingprodukte hinterlassen beim ersten Eindruck einen guten Eindruck und offenbaren ihre Schwächen erst nach einigen Wochen. Deshalb wollten wir die Clesana nicht nur kurz ausprobieren, sondern über einen längeren Zeitraum nutzen.
Während der sechs Monate arbeitete das System erstaunlich zuverlässig. Die Verschweißtechnik funktionierte im Alltag problemlos, der Teleskopmechanismus zeigte keine Schwächen und auch die Elektronik arbeitete unauffällig.

Komplett fehlerfrei verlief der Test allerdings nicht. Einmal faltete sich ein Stück Toilettenpapier so ungünstig, dass es längs in die Schweißnaht geriet. Dadurch trat später etwas Flüssigkeit aus dem Beutel aus. Glücklicherweise wurde diese vollständig von der Auffangschublade aufgenommen und verursachte keinen weiteren Schaden.
Gerade dieser Vorfall zeigt aber auch, dass die Technik zwar zuverlässig arbeitet, jedoch nicht völlig narrensicher ist.
Die größte Stärke zeigt sich beim Freistehen
Auf Campingplätzen mit modernen Sanitäranlagen verliert die Clesana einen Teil ihres Reizes. Wer dagegen wie wir regelmäßig frei steht oder längere Reisen unternimmt, erkennt schnell die Vorteile des Systems.
Der größte Unterschied zur klassischen Kassettentoilette ist die gewonnene Unabhängigkeit. Es gibt keinen Fäkalientank, der geleert werden muss, keine Suche nach einer Entsorgungsstation und keinen direkten Kontakt mit dem Inhalt einer Kassette.
Gerade auf längeren Touren empfanden wir diesen Komfortgewinn als deutlich spürbar. Während klassische Toiletten irgendwann den nächsten Entsorgungsstopp erzwingen, bleibt die Clesana davon weitgehend unabhängig.

Gerüche? Im Test praktisch kein Thema
Einer der wichtigsten Punkte jeder Campingtoilette ist die Geruchsentwicklung.
Hier hinterließ die Clesana einen sehr guten Eindruck. Selbst bei sommerlichen Temperaturen blieb das System weitgehend unauffällig. Die verschweißten Beutel schließen Gerüche zuverlässig ein, sodass weder im Fahrzeug noch beim Öffnen der Schublade unangenehme Überraschungen auftraten.
Natürlich ersetzt die Clesana keine Zauberei. Irgendwann müssen auch die verschweißten Beutel entsorgt werden. Im Vergleich zu klassischen Trenntoiletten mit Urintank und Streu empfanden wir die Geruchsbelastung jedoch als deutlich geringer.

Stromversorgung unkomplizierter als erwartet
Bei einer elektrischen Toilette stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Energiebedarf. Im Alltag erwies sich dieser Punkt jedoch als weitgehend unproblematisch. Während des Tests nutzten wir die Clesana X1 überwiegend mit Einhell Power-X-Change-Akkus. Zum Laden mussten diese aus dem Gerät entnommen und im mitgelieferten Ladegerät geladen werden.

Zusätzlich betrieben wir die Toilette auf Reisen mehrfach direkt über unsere Powerstation. Der Energiebedarf fiel dabei so gering aus, dass die Stromversorgung während des gesamten Testzeitraums nie zum kritischen Faktor wurde.
Wer bereits Einhell-Akkus besitzt oder ohnehin mit einer Powerstation unterwegs ist, dürfte die Energieversorgung der Toilette schnell vergessen.
Was kostet die Clesana im Betrieb?
Neben dem Kaufpreis spielen auch die laufenden Kosten eine wichtige Rolle. Die Clesana benötigt spezielle Hochbarriere-Folien sowie Absorbergranulat. Nach aktuellen Preisen kosten zwei Folienliner rund 48 Euro und reichen laut Hersteller für bis zu 200 Toilettengänge. Hinzu kommen die Absorber, die mit rund zwölf Euro für etwa 60 Anwendungen kalkuliert werden.
Je nach Nutzung entstehen dadurch Betriebskosten von etwa 25 bis 45 Cent pro Toilettengang. Das klingt zunächst viel, relativiert sich aber teilweise durch den Wegfall von Sanitärchemie und den höheren Komfort. Dennoch sollten potenzielle Käufer die laufenden Kosten bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.
Ganz ohne Nachteile funktioniert das Konzept nicht
Der größte Kritikpunkt bleibt der Anschaffungspreis. Mit rund 1.100 Euro gehört die Clesana X1 zu den teuersten mobilen Toilettenlösungen auf dem Markt.
Hinzu kommen die bereits erwähnten Betriebskosten. Außerdem müssen auf Reisen stets ausreichend Folienliner und Absorber mitgeführt werden. Ohne Verbrauchsmaterial funktioniert das System nicht.
Auch die Nachhaltigkeitsfrage wird nicht jeder Camper gleich bewerten. Zwar verzichtet die Toilette vollständig auf Wasser und Chemie, gleichzeitig entstehen durch die einzelnen Beutel kontinuierlich Abfälle, die gesammelt und entsorgt werden müssen.
Clesana oder Trockentrenntoilette?
Wer sich mit alternativen Toilettensystemen beschäftigt, landet früher oder später bei einer Trockentrenntoilette. Diese trennt Urin und Feststoffe voneinander und kommt ebenfalls ohne Wasser und Chemie aus.

Im direkten Vergleich verfolgen beide Systeme jedoch unterschiedliche Ansätze. Während Trockentrenntoiletten auf einen separaten Urintank und einen Feststoffbehälter mit Einstreu setzen, verschweißt die Clesana jede Nutzung einzeln in einem geruchsdichten Beutel.

Dadurch entfällt bei der Clesana das Entleeren des Urinkanisters ebenso wie der regelmäßige Umgang mit Streu oder Kokosfasern. Gleichzeitig entsteht jedoch zusätzlicher Müll durch die Folienbeutel und laufende Kosten für Verbrauchsmaterial.
Bei der Geruchsentwicklung sehen wir die Clesana im Vorteil. Zwar funktionieren moderne Trockentrenntoiletten grundsätzlich gut, insbesondere der Urintank kann bei sommerlichen Temperaturen jedoch unangenehme Gerüche entwickeln. Dieses Problem tritt bei der Clesana praktisch nicht auf.
Dafür punktet die Trockentrenntoilette bei den laufenden Kosten. Nach der Anschaffung fallen meist nur geringe Ausgaben für Einstreu oder Beutel an. Die Clesana bietet den höheren Komfort, erkauft sich diesen jedoch durch deutlich höhere Betriebskosten.
| Trockentrenntoilette | Clesana |
|---|---|
| günstiger im Betrieb | teurer im Betrieb |
| Urintank entleeren | Urintank optional |
| Streu/Kokosfasern | Absorber/Folie |
| etwas Geruch möglich | nahezu geruchsfrei |
| weniger Müll | mehr Müll |
| keine Elektronik | Elektronik/Akku |
Unser Fazit nach sechs Monaten
Die Clesana X1 ist keine günstige Lösung und sicherlich nicht die richtige Toilette für jeden Camper. Nach sechs Monaten Praxiseinsatz steht für uns jedoch fest: Das Konzept funktioniert. Vor allem Reisende, die häufig frei stehen oder längere Zeit autark unterwegs sind, profitieren von der Unabhängigkeit gegenüber Entsorgungsstationen. Die einfache Handhabung und die geringe Geruchsentwicklung zählen zu den größten Stärken des Systems.
Dem gegenüber stehen ein hoher Anschaffungspreis und laufende Betriebskosten, die man vor dem Kauf zumindest kennen sollte.
Die Clesana X1 ersetzt die klassische Kassettentoilette nicht für jeden Nutzer. Sie zeigt jedoch, dass es inzwischen eine mehr als ernstzunehmende Alternative gibt.
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