Jedes Mal, wenn DJI ein neues Modell ankündigt, steigt die Spannung in der Drohnen-Community. Denn es ist bekannt, dass hier nicht einfach nur eine Drohne auf den Markt kommt, sondern ein Stück Hightech, das die Art und Weise, wie die Welt von oben gesehen und festgehalten wird, neu definieren könnte. Und als sich die Gerüchte um die Mavic 4 Pro verdichteten und schließlich die offizielle Vorstellung erfolgte, war die Neugier groß.
Kann sie die Latte, die DJI selbst mit früheren Modellen so hoch gelegt hat, noch übertreffen? Besonders für die Arbeit im Bereich der Natur- und Abenteuerfotografie, wo jede Sekunde, jedes Detail und jede Perspektive zählt, scheint die Mavic 4 Pro auf dem Papier die perfekte Ergänzung zu sein. Die Frage, ob sie wirklich der neue König der Lüfte für alle ist, die das Maximum aus ihren Aufnahmen herausholen wollen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, will ich in diesem Test klären.

Getestet: Die Fly More Combo
Für den Test wurde die DJI Mavic 4 Pro Fly More Combo genutzt, und diese Zusammenstellung ist für jeden, der länger und flexibler fliegen möchte, absolut empfehlenswert. In diesem Paket sind inklusive:
- Die Drohne selbst, die Mavic 4 Pro.
- Drei Intelligent Flight Batteries.
- Ein Ladehub.
- Eine große Tasche.
- Der Controller DJI RC 2.
Das Paket kostet im DJI-Store bei Amazon sportliche 2.700 Euro. Wichtig zu beachten: Der neue RC Pro 2 mit hellem, drehbarem Display ist in diesem Paket nicht enthalten. Dieser hat aufgrund des helleren, drehbaren Displays vor allem bei grellem Sonnenlicht oder beim Filmen im Hochformat Vorteile. Dennoch reicht der RC 2 für die meisten Einsätze völlig aus, insbesondere wenn man auf Reisen möglichst leicht und kompakt unterwegs sein möchte.

© Outdoormonster
Ein Kamerasystem, das seinesgleichen sucht
Das Herzstück der Mavic 4 Pro ist zweifellos ihr beeindruckendes Kamerasystem. Die Mavic 4 Pro verfügt nicht nur über eine starke Hauptkamera, sondern gleich drei Objektive. Dieses Dreier-Setup ist in der Praxis ein echter Gewinn. Man kann am selben Standort eine Szene weit, mittel und nah filmen – ohne die Drohne neu zu positionieren. Gerade bei Naturaufnahmen in schwierigem Gelände spart das nicht nur Zeit, sondern sorgt für professionelle Schnittbilder mit einheitlichem Licht und spannenden Perspektivwechseln. An Bord sind:
- Hauptkamera: Ausgestattet mit einem brandneuen 100-Megapixel Micro Four Thirds Hasselblad Sensor. Die Ergebnisse sprechen für sich: 6K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde bieten eine Klarheit und Detailtreue, die man bisher nur von deutlich teureren Systemen kannte. Besonders beeindruckend ist der Dynamikbereich von 16 Blendenstufen. Dies ermöglicht es Outdoor-Filmern, selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen – sei es gleißendes Sonnenlicht über einem Bergsee oder tiefe Schatten in einem Waldstück – unglaubliche Details in den Lichtern und Schatten festzuhalten, ohne dass etwas über- oder unterbelichtet wirkt. Die variable Blende von F2 bis F11 ist dabei ein absoluter Game Changer. Die Videoqualität ist schlichtweg überragend, selbst bei wenig Licht.
- Mittleres Tele (ca. 50 mm KB): Dieses Objektiv ist ideal für Porträts und Halbdistanzaufnahmen. Es erlaubt das Einfangen von Details, ohne zu nah an das Motiv heranfliegen zu müssen, was besonders in Naturschutzgebieten oder bei Tieraufnahmen entscheidend ist.
- Teleobjektiv (ca. 100 mm KB): Ein besonderes Highlight. Mit 50-Megapixeln, 13 Blendenstufen Dynamikbereich und der Möglichkeit, 4K 60fps und sogar 4K 100fps für atemberaubende Zeitlupen aufzunehmen, eröffnet es eine völlig neue Welt der Bildgestaltung. Die Möglichkeit, Hintergründe zu komprimieren und entfernte Objekte so nah heranzuholen, als stünde man direkt daneben, ist für die Arbeit im Outdoor-Bereich unbezahlbar. Ein Minuspunkt: Automatisches Tracking unterstützt das Teleobjektiv leider nicht.
Mavic 4 Pro: Videoqualität auf Profi-Niveau
Die Unterstützung von DLOG, DLOG M, HLG und Normalprofilen, alle in 10-Bit, über alle drei Objektive hinweg, ist für die Postproduktion entscheidend. Dies bietet volle Kontrolle über die Farbkorrektur. Die 100-Megapixel-Fotos sind schlichtweg unglaublich detailreich. Und die Option, auf 25-Megapixel für schnellere Serienaufnahmen umzuschalten, ist ein praktisches Detail.
Die meisten Aufnahmen habe ich im D-Log M-Modus mit 60 fps gefilmt. Eine gute Wahl, um sie später weich zu stabilisieren oder präzise zu graden. Auch bei Schatten, wechselndem Licht oder direkter Sonne überzeugten die Ergebnisse mit viel Zeichnung und Farbtiefe. Die Mavic 4 Pro ist hier noch einmal eine Stufe besser als die ohnehin sehr guten DJI-Drohnen Flip und Air 3s. Sie bietet die höchste Auflösung, den größten Dynamikumfang, die beste Low-Light-Performance und professionelle Codecs. Das Ergebnis sind eine sehr hohe Schärfe, exzellente Farben und eine enorme Flexibilität in der Nachbearbeitung. Die 6K-Auflösung und die fortschrittlichen HDR-Algorithmen sorgen in nahezu jeder Umgebung und Situation für professionelle Ergebnisse – selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen.

Vor allem die Low-Light-Performance ist auf Profi-Niveau und noch einmal sichtbar besser als bei kleineren Modellen. Zum Vergleich: Die DJI Flip ist eine sehr gute, ultraleichte Social-Media-Drohne mit starker 4K-Qualität, erreicht aber nicht das Niveau der Mavic 4 Pro oder Air 3S. Die Air 3S liegt zwischen beiden: Sie ist besser als die Flip, aber klar unter der Mavic 4 Pro.
Social media: Vorteil Infinity Gimbal
Der neue Infinity Gimbal ist zudem ein nettes Gimmick. Die volle 360-Grad-Drehung des Objektivs (siehe Video oben) ermöglicht nicht nur spektakuläre Roll-Aufnahmen, sondern bietet auch eine kreative Freiheit. Das Beste daran ist jedoch die Unterstützung für echte vertikale Aufnahmen. So können 6K 60fps Videos im Hochformat aufgenommen werden, sowohl mit dem Hauptobjektiv als auch mit den Teleobjektiven. Dies ist für die Erstellung von Social Media Content ein riesiger Vorteil, da Videos nicht mehr umständlich in der Postproduktion zugeschnitten werden müssen und man von Anfang an im richtigen Format filmen kann.

