Nachdem ich bereits in den News über das FossiBot F113 berichtet hatte, ist das „Monster“ jetzt endlich auf dem Tisch gelandet. Und „gelandet“ ist der richtige Ausdruck – beim Auspacken bestand kurz Sorge um die Tischplatte.
FossiBot verspricht mit dem F113 nicht weniger als die ultimative Nachtsicht für aktuell nur 359,99 Euro. Dazu kommen ein 20.000-mAh-Akku und ein Gewicht von knapp 700 Gramm. Die Frage liegt auf der Hand: Kann ein Smartphone, das eher an einen Ziegelstein erinnert, im Outdoor-Alltag wirklich bestehen – oder zieht es am Ende nur die Hose runter?
Ich habe den „Backstein“ mehrere Tage lang im Alltag, beim Basteln am Van, auf kurzen Nacht-Ausflügen und Wanderungen im Schnee ausgiebig getestet.
Design & Verarbeitung: Der „Backstein“-Faktor
Machen wir uns nichts vor: Das F113 ist riesig. Mit rund 690 Gramm und einer Dicke von über 3 Zentimetern (ca. 32 mm) spielt es in einer ganz eigenen Liga. In der Hand fühlt sich das Gerät extrem wertig, aber eben auch massiv an. Die gummierte Rückseite und verstärkte Ecken schreien förmlich „Lass mich fallen!“.

Die Haptik passt zum Einsatzzweck: Nichts knarzt, nichts wirkt hohl. Metallakzente, sichtbare Schrauben und das markante Kameramodul auf der Rückseite unterstreichen den Werkzeug-Charakter. Auf der Front schützt Gorilla Glass das Display, dazu kommt ein Rahmen, der leicht übersteht und Stürze abfedert.
Outdoor-relevant sind vor allem zwei Details:
- Seitlicher Anschluss für eine Handschlaufe (Lanyard), mit der sich das F113 wie eine kleine Laterne tragen lässt
- Großzügige Tasten mit klar definiertem Druckpunkt, die sich auch mit leichten Handschuhen noch ordentlich bedienen lassen
Mein Eindruck nach ein paar Tagen: In eine Cargo-Hosentasche passt das F113 gerade so hinein, eine normale Jeans ist physisch überfordert. Das Gerät gehört an die Jacke, an den Rucksack oder in die Beintasche – dann fühlt sich das Format stimmiger an.
Die Schutzklassen IP68/IP69K und MIL-STD-810H nehmen schließlich jeden Zweifel am Einsatzzweck: Dieses Smartphone will in Matsch, Regen und Staub, nicht ins Hipster-Café im feinen Hamburger Eppendorf.
Das Highlight: Die Nachtsicht-Kamera
Der eigentlich Grund, warum das F113 so interessant ist, sitzt auf der Rückseite: eine 64-Megapixel-Infrarot-Nachtsichtkamera mit Autofokus, flankiert von kräftigen IR-Strahlern. Die meisten Rugged-Phones mit IR-Funktion sehen auf 5 bis 10 Meter halbwegs sinnvoll, darüber wird es schnell zu matschigen Graustufen.
Fossibot verspricht bis zu 50 Meter Reichweite – und übertreibt dabei erstaunlich wenig.
Im Praxistest bei kompletter Dunkelheit zeigt sich:
- Auf einem unbeleuchteten Stellplatz werden Fahrzeuge, Zäune und Personen klar sichtbar, lange bevor eine normale Taschenlampe diese überhaupt erreicht
- Auf Feld- und Waldwegen tauchen Tiere plötzlich dort im Bild auf, wo das Auge nur Schwarz sieht
- Auf großen Hofgeländen lassen sich Strukturen und Bewegungen deutlich besser einordnen

Die Bilder sind monochrom, aber sehr kontrastreich. Statt pixeligem Rauschen gibt es gut erkennbare Konturen. Wer bereits mit Wildkameras oder Überwachungstechnik gearbeitet hat, erkennt den Stil sofort – nur steckt hier alles in einem Smartphone.
Für Jäger-Umfeld, Camper, Security-Jobs oder Lost-Place-Explorer ist das F113 damit weniger Spielzeug, eher ernstzunehmendes Werkzeug.
Display: Licht und Schatten
Auf der Vorderseite arbeitet ein 6,78 Zoll großes IPS-Panel mit FHD+-Auflösung und 120-Hz-Bildwiederholrate. Das klingt nach klassischer Mittelklasse, macht im Alltag aber viel richtig:
- Karten in Navi-Apps haben reichlich Platz
- Satellitenbilder und Topos lassen sich gut erkennen
- Scrollen durch Menüs und Feeds wirkt dank 120 Hz angenehm flüssig

Die Schwachstelle ist die Helligkeit. Mit angegebenen 480 Nits ist das Display bei bewölktem Himmel, im Wald und im Van völlig in Ordnung. Auf einem hellen Gipfel oder am Strand mit direkter Sonneneinstrahlung wird es dagegen grenzwertig – dann hilft nur Schatten mit der Hand oder das Drehen des Displays weg von der Sonne.
Positiv: Durch das robuste Glas und die breiteren Ränder verzeiht das F113 deutlich mehr Misshandlungen als typische 6,7-Zoll-Smartphones. Kratzer und Stürze nimmt das Panel relativ gelassen hin.
Akku: Ein Kraftwerk für die Hosentasche
20.000 mAh – das entspricht grob vier bis fünf „normalen“ Smartphone-Akkus. FossiBot packt diese Kapazität in einen fest verbauten Block, der mit 33 Watt geladen werden kann und 18 Watt Reverse-Charging via OTG unterstützt.
Im Alltag fühlt sich das so an:
- Im Standby scheint sich der Akkustand kaum zu bewegen. Selbst nach zwei intensiven Testtagen hat das F113 noch mehr Power als ein vollgeladenes iPhone 17 Pro Max.
- GPS-Tracking, Kamera, Messenger, Musik und gelegentliche Hotspot-Nutzung bringen das F113 über ein ganzes Wochenende, ohne dass eine Steckdose nötig ist
- Andere Geräte – Stirnlampen, Actioncams, Powerbanks, ein zweites Smartphone – können unterwegs problemlos am F113 hängend „mitgefüttert“ werden

Die Kehrseite ist erwartbar: 20.000 mAh lassen sich nicht mal eben in einer Stunde vollpumpen. Von 0 auf 100 Prozent dauert es trotz 33-Watt-Fast-Charging mehrere Stunden. Praktikabel ist das klassische Schema: tagsüber leer spielen, abends anschließen, über Nacht volllaufen lassen.
Wer längere Zeit autark steht oder mehrtägige Touren ohne große Strominfrastruktur plant, bekommt mit dem F113 einen fast schon unfairen Vorteil. Akkusorgen waren selten so weit weg wie hier.
Performance & System: Mittelklasse mit kühlem Kopf
Unter der Haube arbeitet der MediaTek Dimensity 7050 mit acht Kernen und 5G-Modem. In Kombination mit 12 GB RAM (per virtuellem RAM auf bis zu 36 GB erweiterbar) und 256 GB Speicher, der via microSD aufgestockt werden kann, wirkt das auf dem Papier solide – aber nicht spektakulär.
Unsere eigenen Messungen bestätigen das:
- Geekbench 6: 971 Single-Core / 2591 Multi-Core
- 3DMark Wild Life Extreme: 666 Punkte, rund 4 fps im Schnitt
- 3DMark Wild Life Extreme Stress Test: 672 vs. 667 Punkte, 99,3 % Stabilität
Zum Vergleich die Werte aus dem Testlabor von OutdoorMonster.de:
- Xiaomi 14T Pro: 2109 Single-Core / 6926 Multi-Core, 4812 WL Extreme / 3367 WL Extreme Stress Test
- Samsung Galaxy S24 Ultra: 2229 Single-Core / 6795 Multi-Core, 4203 WL Extreme / 4322 WL Extreme Stress Test
Damit liegt das FossiBot F113 CPU-seitig bei grob einem Drittel der Multi-Core-Leistung aktueller Flaggschiffe, im Single-Core bei rund der Hälfte. Grafisch ist der Abstand noch größer: Ein Galaxy S24 Ultra oder Xiaomi 14T Pro liefert im 3DMark etwa das Sechs- bis Siebenfache des F113.
Übersetzt in den Alltag heißt das:
- Navigation, Messenger, Browser, Kamera und Tools laufen absolut flüssig
- einfachere Spiele sind kein Problem
- grafisch anspruchsvolle Titel laufen nur in reduzierten Einstellungen angenehm
- High-End-Gaming war offensichtlich nie das Ziel dieses Geräts
Spannend ist vor allem die Stabilität: Während dünne Glas-Phones im Stress-Test teils deutlich drosseln, bleibt das F113 mit 99,3 Prozent praktisch auf identischem Niveau. Das massive Gehäuse wirkt wie ein großer Kühlkörper, der die Dauerlast wegsteckt, ohne heiß zu werden.
Softwareseitig läuft Android 15 mit einem relativ aufgeräumten Interface. Ein paar Übersetzungsfehler in Menüs fallen auf, stören aber kaum. Positiv: Es gibt keine übertriebene Bloatware-Lawine, sondern eher ein sachliches System mit ein paar Outdoor-Extras wie Barometer, Kompass und Tool-Sammlungen.
Kamera im Alltag: solide Bilder, starke Spezialistin
Neben der Nachtsichtkamera bietet das F113 eine 50-Megapixel-Hauptkamera, eine 5-Megapixel-Makrolinse und eine 32-Megapixel-Selfie-Kamera.
Bei Tageslicht liefert die Hauptkamera:
- ordentlich scharfe Bilder mit kräftigen Farben
- genug Dynamikumfang für typische Outdoor-Szenen
- solide Qualität für Social Media, Doku-Fotos und Touren-Tagebuch
Die Makrolinse ist ein nettes Extra für Detailaufnahmen von Ausrüstung, Pflanzen oder technischen Teilen, aber kein Highlight. Die Selfie-Kamera macht ihre Sache gut, vor allem bei Video-Calls aus dem Van oder vom Stellplatz.
Im Direktvergleich mit Top-Smartphones fehlt es ein wenig an Feinschliff: HDR-Algorithmen und Portrait-Modi sind einfacher gestrickt, Zoom-Flexibilität ist begrenzt. Für ambitionierte Fotoprojekte bleibt die Systemkamera dennoch das bessere Werkzeug.
Sobald es wirklich dunkel wird, verschiebt sich die Situation: Dann übernimmt die 64-MP-Nachtsichtkamera die Hauptrolle – und das F113 lässt viele teure Glas-Phones mit „Night Mode“ ziemlich alt aussehen.
Outdoor-Features: Taschenlampe, Lautsprecher, Handschlaufe
Dass das FossiBot F113 nicht nur schwer, sondern tatsächlich für draußen gedacht ist, zeigen die zusätzlichen Funktionen.
Die Taschenlampe ist keine Alibi-LED, sondern eine 1,5-Watt-Leuchte mit fokussiertem Spot. Laut Hersteller sind bis zu 50 Meter Reichweite drin – subjektiv wirkt das durchaus realistisch. Für den Weg zum Sanitärhaus, die Panne am Straßenrand oder das Checken des Umfelds im Wald reicht die Helligkeit locker. Eine hochwertige Stirnlampe ersetzt das nicht, als immer verfügbare Reserve ist die Lampe allerdings Gold wert.

Der Lautsprecher bringt laut Datenblatt bis zu 110 dB auf die Skala. In der Praxis heißt das: Podcasts auf der Baustelle, Musik am Stellplatz und kurze Durchsagen sind problemlos möglich, ohne gleich eine separate Bluetooth-Box aufbauen zu müssen.
Das farbige „Breathing Light“ auf der Rückseite hat ebenfalls mehr Nutzwert als erwartet. Es signalisiert Anrufe, Nachrichten, Ladezustand und kann zur Musik blinken. Im dunklen Zelt oder Van wird das Gerät dadurch deutlich leichter wiedergefunden – und nebenbei entsteht ein kleiner Ambientelicht-Effekt.
Dazu kommen Handschuhmodus, Barometer und die schon erwähnte Handschlaufe. Zusammengenommen ergibt sich ein Gerät, das sich eher wie ein digitales Multitool anfühlt als wie ein klassisches Smartphone.

Stärken und Schwächen im Überblick
Stärken
- echte Infrarot-Nachtsicht mit spürbar mehr Reichweite als bei typischen Rugged-Phones
- riesiger 20.000-mAh-Akku mit Reverse-Charging, ideal für lange, autarke Einsätze
- extrem robustes Gehäuse mit IP68/IP69K und MIL-STD-810H
- 50-Meter-Taschenlampe, lauter Lautsprecher, Handschlaufe – praktische Outdoor-Extras
- sehr stabile Performance unter Dauerlast, kein spürbares Throttling
Schwächen
- Gewicht und Dicke machen das F113 im Alltag sperrig
- Displayhelligkeit bei praller Sonne nur Mittelmaß
- Kamera am Tag solide, aber weit weg von High-End-Flaggschiffen
- kein Wireless Charging, kein Kopfhöreranschluss
- Gaming-Leistung deutlich unter aktuellem Top-Niveau

Fazit: Für wen lohnt sich das Gewicht?
Das FossiBot F113 ist kein Smartphone für alle. Wer lediglich ein „ein bisschen robustes“ Handy für Baustelle oder Camping sucht, ist mit leichteren Geräten besser bedient. Größe und Gewicht sind hier kompromisslos – und im Büroalltag oder in der Innenstadthektik eher Last als Lust.
Spannend wird das F113 überall dort, wo drei Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen:
- echte Nachtsicht auf Distanz
- lange Laufzeit fernab von Steckdosen
- hohe Robustheit im groben Alltag

Für Nachtarbeiter, Security-Personal, Lost-Place-Fans, Wildcamper, Vanlifer und alle, die viel im Dunkeln draußen unterwegs sind, ist das FossiBot F113 dagegen ein faszinierendes Werkzeug. Nachtsichtgerät, Powerbank, Taschenlampe und Smartphone verschmelzen hier zu einem einzigen, sehr massiven Gerät.
Unterm Strich bleibt der Eindruck eines Nischen-Giganten, der genau das liefert, was er verspricht – vorausgesetzt, die Arme sind stark genug und das Setup ist auf ein halbes Kilo Technik in der Jackentasche ausgelegt.


