Es gibt Kameras, die man kauft, weil sie einfach funktionieren. Und es gibt die Mission 1 Pro ILS. Es handelt sich um GoPros Antwort auf die Frage, was passiert, wenn man einer Action-Cam ein Wechselobjektiv-Bajonett verpasst. Wir haben das ungewöhnlichste Modell aus dem neuen Mission-1-Lineup mehrere Wochen ausprobiert. Unser Test zeigt, warum sich der Umstieg auf manuelles Fokussieren lohnen kann, und wo die Grenzen liegen.

GoPro Mission 1 Pro auf einen Blick
- Sensor: 1-Zoll-Quad-Bayer-Sensor
- Auflösung Video: Maximal 8K bei 50 fps
- Auflösung Foto: Maximal 50 MP
- Zeitlupe : 4K bei 200 fps / 1080p bei 400 fps / Burst 1080p bei 800fps
- Schnitt-Modus: 8K Open Gate (4:3-Sensorauslesung)
- Audio: 4 Mikrofone / 32-Bit-Float-Aufnahme
- Akku: ca. 3 Stunden bei 4K
- Gewicht ohne Objektiv: 197 Gramm
- Preis: 699,99 Euro
Kurzfazit
Die Mission 1 Pro ILS ist eine Nischenkamera: kompaktes MFT-Objektivsystem statt Autofokus-Komfort, dafür Bildqualität auf Höhe des Flaggschiffs. Focus Peaking und Focus Assist machen manuelles Fokussieren machbar, HyperSmooth funktioniert mit passenden Objektiven ebenfalls. Nur wetterfest statt wasserdicht, für den harten Outdoor-Alltag also nicht erste Wahl. Wer draußen bewusst Bildqualität über Robustheit stellt, bekommt hier eine der spannendsten Kameras im GoPro-Programm.
Mission 1 Pro ILS: Was steckt drin?
Unter der Haube gibt es keine Überraschung: Sensor und Prozessor sind identisch mit dem Flaggschiff Mission 1 Pro. Es steckt also der 50-Megapixel-1-Zoll-Chip und der neue GP3-Prozessor drin. Das ist ein echtes Plus im Vergleich zur Hero-Reihe: Wer sich für die ILS entscheidet, bekommt dieselbe Bildqualität, denselben Dynamikumfang und dieselbe Lowlight-Leistung wie im neuen Topmodell. Und kombiniert mit einem guten Objektiv gibt‘s tendenziell sogar noch bessere Ergebnisse. Denn der echte Clou liegt vorn am Gehäuse. Statt eines festverbauten Objektivs verbaut GoPro hier ein Micro-Four-Thirds-Bajonett, kompatibel mit dem riesigen MFT-Ökosystem von Panasonic über Laowo bis Sigma. Aus der Mission 1 Pro wird damit ein kleines, modulares System.

Handlich trotz Wechselobjektiv
Der eigentliche Trumpf der ILS zeigt sich aber nicht nur an der Kamera selbst, sondern beim Zubehör: MFT-Objektive fallen deutlich kleiner, leichter und günstiger aus als Vollformat-Optiken. So lässt sich ein kompletter Satz Festbrennweiten packen, ohne dass das Gepäck merklich schwerer wird. Geringe Schärfentiefe und weiche, manuelle Fokuswechsel, sonst Domäne sperriger Systemkameras, passen damit erstmals wirklich in den Rucksack. Dank des kompakten, leichten Aufbaus lässt sich die ILS zudem mit schlankem Rigging an Stellen montieren, an denen weder Spiegelreflex noch klassische Systemkamera je Platz fänden. Beispielswese am Lenker oder am Auto und macht so kinoreife Perspektiven alltagstauglich, für die sonst deutlich mehr Aufwand nötig wäre.
Auch bei der Stabilisierung kann die ILS punkten. Denn auch HyperSmooth ist an Bord, allerdings nur mit passenden Objektiven. GoPro hat die Funktion für fünf spezielle Fisheye-Optiken profiliert und unterstützt sie darüber hinaus mit allen rechtwinkligen MFT-Objektiven zwischen 6 und 500 Millimetern, garantierte Performance gibt es bis 50 Millimeter Brennweite. Sowohl das Laowa 7,5mm als auch das TTArtisan 25mm aus unserem Test fallen in diesen Bereich, HyperSmooth funktioniert also auch hier.
Mission 1 Pro ILS: Nachteile
Ganz ohne Nachteile gibt es das kompakte Format aber nicht. Ein Blitz ist Mangelware. Und auch einen Autofokus sucht man vergeblich. Wer also schnell ohne manuelles Nachschärfen draufhält, wird keine guten Ergebnisse produzieren. Ganz ohne Unterstützung lässt GoPro einen beim manuellen Fokussieren aber nicht: Focus Peaking markiert scharfe Bildbereiche farbig. Und Focus Assist zoomt das Bild optional vor der Aufnahme bis zu achtfach heran. Wer noch präziser arbeiten will, kann zusätzlich die kostenlose Mission-Monitor-App nutzen. Sie spiegelt das Bild samt Zebra-Muster und LUT-Vorschau auf iPhone oder iPad.

Wer sich dagegen bewusst Zeit nimmt, Distanz einschätzt und den Fokusring dreht, bekommt dafür Bilder, die spürbar über dem liegen, was gute Smartphone-Kameras liefern. Der Grund dafür ist pure Physik: Handykameras gleichen ihre winzigen Sensoren mit massiver Bildberechnung aus, mehrere Aufnahmen werden beispielsweise zu einem HDR-Bild verrechnet, scharfgezeichnet und entrauscht. Der große Sensor der ILS braucht davon viel weniger. Das Ergebnis wirkt weniger nachbearbeitet, mit sanfteren Übergängen zwischen Licht und Schatten und einer tatsächlichen optischen Unschärfe, statt einer künstlich errechneten.
Ohne gutes Objektiv nichts wert
Eine Systemkamera ist natürlich immer nur so gut wie das, was vorn draufsitzt. Das gilt auch für die Mission 1 ILS. Schärfe, Verzeichnung, Farbwiedergabe und vor allem die Lowlight-Leistung hängen maßgeblich vom montierten Objektiv ab, der Sensor liefert nur die Grundlage. Für den Test griffen wir zu zwei manuellen Optiken aus dem MFT-Lager: dem Laowa 7,5mm f/2, einem Weitwinkel für Landschaft und Gebäude, und dem TTArtisan 25mm f/2.0 als handliche Alltagsbrennweite. Preislich trennen die beiden Welten: Das TTArtisan kostet gerade mal rund 75 Euro, während das Laowa mit gut 500 Euro mehr als fünfmal so viel kostet. Es bleibt damit aber immer noch deutlich unter dem Preisniveau echter Cinema-Objektive.

Ein gutes Objektiv zahlt sich auch bei der spektakulärsten Funktion der Mission-1-Serie aus, der Zeitlupe mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde in 1080p. Die ILS beherrscht dieselben Bildraten wie die Mission 1 Pro, 8K60, 4K240 und den 960fps-Burst. Denn das steckt im Sensor und Prozessor und hat mit dem Objektiv erstmal nichts zu tun. Entscheidend wird das Glas aber, sobald wenig Licht ins Spiel kommt: Bei 960 Bildern pro Sekunde bleibt pro Frame nur eine winzige Belichtungszeit, die Kamera braucht also viel Licht, um sauber belichtete Zeitlupe zu liefern. Die Mission 1 Pro deckt das mit ihrem fest verbauten Objektiv bei Blende f/2.8 ab, die beiden Testoptiken der ILS sind mit beispielsweise mit f/2 noch etwas lichtstärker und behalten deshalb tendenziell auch bei bedecktem Himmel oder in schattigen Wäldern länger sauberes Zeitlupenmaterial. Ein Vorteil, der sich gerade in der 960fps-Königsdisziplin bemerkbar machen kann.
Wer noch mehr Lichtstärke braucht, findet im MFT-System passende Optionen: Objektive mit f/1.2 oder sogar f/0.95 sind erhältlich. Für 960fps-Zeitlupe bei Dämmerung oder schwierigen Lichtverhältnissen generell, kann das eine sinnvolle, wenn auch kostspielige Aufrüstoption sein.
Nicht für den harten Outdoor-Alltag
Wer die ILS als weitere robuste Action-Cam mit wechselbaren Objektiven einplant, befindet sich allerdings auf dem falschen Dampfer. Anders als die Mission 1 Pro ist sie laut Hersteller nur wetterfest, nicht wasserdicht. Die aufgeschraubten Objektive sind zudem empfindlicher gegenüber Schlägen, Staub und Spritzwasser als das geschlossene Gehäuse von klassischen Action-Cams. Bei der Wanderung im Dauerregen oder am staubigen Trail sollte sie deshalb gut geschützt im Rucksack bleiben.

Fazit Mission 1 Pro ILS
Die Mission 1 Pro ILS besetzt eine Nische, aber eine mit Substanz: Sie packt professionelle Ergebnisse in ein Format, das tatsächlich mit auf Tour passt. Dafür muss man sich allerdings von einigen lieb gewonnenen Automatikfunktionen und dem Verzicht auf Wasserdichtigkeit anfreunden. Für alle, die einfach draufhalten und sich um nichts kümmern wollen, bleiben Kameras mit Automatikfunktionen und hochwertige Handy-Kameras auf jeden Fall die unkompliziertere Wahl.
