Wer viel auf dem Renn- oder Gravelrad unterwegs ist, weiß: Moderne Radartechnologie bringt im Straßenverkehr einen entscheidenden Sicherheitsvorteil, um diskret und ohne großen Zusatzaufwand besser über rückwärtigen Verkehr im Bilde zu sein. Das SR mini ist ein besonders kleines und leichtes Modell. Neben den kompakten Maßen bietet es iGPSport mit einer UVP von 99,90 Euro zudem deutlich günstiger als den Platzhirschen Garmin Varia an. Wir haben getestet, ob es obendrein auch gut funktioniert.
iGPSport SR mini vs. Garmin Varia vs. Bryton Gardia R300
Mit einem Gewicht von lediglich rund 50 Gramm ist das iGPSport SR mini das leichteste Radar-Rücklicht am Markt. Es ist auf jeden Fall leichter als das Garmin Varia RTL515 (71 g) oder das Bryton Gardia R300 (66 g). Auch bei der Gehäusegröße ist das SR30 mini deutlich kompakter und wirkt am Rad weniger aufdringlich.

In Bezug auf die Radarreichweite liegen alle drei Modelle mit rund 140 Metern auf vergleichbarem Niveau. Auch bei der Anzahl der Lichtmodi bietet das iGPSport-Modell mit acht Optionen ähnlich viel Flexibilität wie seine Mitbewerber. Zusätzlich lässt sich das Rücklicht auch ausschließlich im Radarmodus betreiben. Das ist ideal, wenn man etwa ein separates Rücklicht verwenden will.
SR mini: Lieferumfang mit Tücken
Ein Nachteil aus unserer Sicht allerdings: Anstelle der üblichen Halterung für die Sattelstütze liegt dem SR mini lediglich eine Halterung für die Sattelschiene bei. Das klingt nicht nur unpraktisch, das ist es auch. Man muss nicht nur herumschrauben und sich womöglich über einen unpassenden Sattel ärgern. Auch für Besitzer von Werkzeugsatteltaschen ist diese Lösung nicht ideal. Dazu kommt: Der Montagefuß der SR mini ist nicht mit der Garmin-typischen Vierteldrehhalterung kompatibel, er ist um 90 Grad verdreht. Wir konnten für den Test aber zum Glück auf die Halterung des Bryton Gardia R300 zurückgreifen, die gut funktionierte.

SR mini: Radarleistung überzeugt
Erfreulicherweise punktet das SR mini in der Hauptdisziplin: Beim Leuchten und vor allem beim Melden überholenden Autos. Besonders die Erkennung mehrerer Fahrzeuge gleichzeitig funktioniert erstaunlich gut. Gerade in Kurven, wenn mehrere Autos nebeneinander statt hintereinander fahren, erkennt das Gerät die Fahrzeuge zuverlässig und zeigt diese wahlweise auf gekoppelten Fahrradcomputern oder in der iGPSport-App an. Fehlalarme sind bei diesem Modell ferner erfreulich selten und auf einem ähnlich hohen Niveau wie beim Garmin Varia. Während mehrerer Touren kam es bei mir lediglich zu ein oder zwei Fehlalarmen. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber Konkurrenzprodukten wie dem Bryton Gardia R300, das ein wenig unzuverlässiger arbeitet.

Die Lichtleistung des iGPSport SR30 mini ist ferner mehr als ausreichend, um im Straßenverkehr gut sichtbar zu sein. Am besten zu sehen ist man mit dem “Day Flash”-Modus, der durch intensive Blinkimpulse auch bei Tageslicht gut wahrgenommen wird. Für Fahrten bei Dämmerung oder Nacht bietet sich der “Night Flash”- oder Dauerlichtmodus (“Steady”) an. Zusätzlich gibt es einen Peloton-Modus der durch reduzierte Helligkeit ideal für Gruppenfahrten ist, um andere nicht zu blenden.
Lichtmodi und App-Funktionen: sinnvoll, aber nicht perfekt
Das SR mini merkt sich erfreulicherweise den zuletzt verwendeten Lichtmodus, auf Wunsch inklusive Blinkverhalten während des Überholvorgangs. Diese Funktion ist allerdings standardmäßig deaktiviert und muss erst über die zugehörige App aktiviert werden. Positiv ist hingegen, dass sich die Lichtmodi auch über den Fahrradcomputer steuern lassen, sofern dieser kompatibel ist. Insgesamt stehen acht verschiedene Modi zur Auswahl, darunter auch „Custom”, wodurch sich Parameter wie Helligkeit sowie Flashdauer und -Intervall selbst einstellen lassen. Ebenfalls gut: Das SR mini fungiert auch als Bremslicht. Konkret leuchtet es bei plötzlichen Bremsungen hell auf und warnt so Mitfahrer und andere Verkehrsteilnehmer.

Akkulaufzeit SR mini: besser als angegeben, aber…
iGPSport verspricht im hellsten Modus „Day Flash“ eine Akkulaufzeit von rund 7 Stunden. Im Test übertraf das Gerät diesen Wert sogar mit einer Laufzeit von knapp über acht Stunden. Das ist zwar erfreulich, allerdings ist die Akkuleistung im Vergleich zu anderen Radarlichtern dennoch nur durchschnittlich. Bei der maximalen Akkulaufzeit schneidet das Garmin Varia im Tag-Blinkmodus mit rund 15 Stunden besser ab. Auch das Bryton Gardia R300 steht mit rund 8 bis 12 Stunden (Radar + Licht) besser dar. Das bedeutet in der Praxis: Wer regelmäßig unterwegs ist, muss öfter laden oder einen der akkufreundlicheren Modi wie „Comet Flash“ wählen. Dann sind bis zu 11 Stunden drin. Immerhin ist beim SR mini USB-C an Bord und kein veralteter Micro-USB-Anschluss wie beim Garmin Varia.
Kein StVZO-Zulassung: ein echtes Problem?
Übrigens: Wie viele Radar-Rücklichter auf dem Markt besitzt auch das iGPSport SR mini keine Zulassung nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Das bedeutet: Im öffentlichen Straßenverkehr in Deutschland darf es offiziell nicht als alleinige Rückleuchte eingesetzt werden. Grund dafür sind die Blinkmodi und die entsprechend fehlende Kennzeichnung nach §22a StVZO. Für den reinen sportlichen Einsatz oder Trainingsfahrten außerhalb des Stadtgebiets stellt das in der Regel kein Problem dar. Wer jedoch regelmäßig im Stadtverkehr oder auf dem Weg zur Arbeit unterwegs ist (wo ein Radar allerdings wenig Sinn macht), sollte sich dieser rechtlichen Grauzone bewusst sein. Wer sich an die Regeln halten will, nutzt das SR30 mini am besten als Zusatzleuchte mit Radar.

Viele Nutzer umgehen das Problem, indem sie den Rückstrahler oder das Licht dauerhaft in einem der „Steady“-Modi betreiben, also als durchgehend leuchtendes Rücklicht ohne Blinkfunktion, ähnlich wie bei einer StVZO-konformen Leuchte. In der Praxis wird das von den meisten Verkehrsteilnehmern kaum zu unterscheiden sein, und bislang sind Fälle bekanntgewordener Bußgelder die Ausnahme. Unterm Strich ist das fehlende Prüfzeichen für viele sportliche Fahrer sicher kein Ausschlusskriterium. Tatsächlich überwiegen in der Praxis die Vorteile in Sachen Sichtbarkeit sogar. Ein größeres “Problem” ist vielmehr, das viele deutsche Shops den SR mini nicht im Sortiment führen.
Fazit: Leicht, günstig und erstaunlich treffsicher
Das iGPSport SR mini überzeugt vor allem durch sein geringes Gewicht, den verhältnismäßig niedrigen Preis und die insgesamt zuverlässige Radarleistung. Die Fehlalarmquote ist erfreulich niedrig und auf ähnlichem Niveau wie beim Garmin Varia. Auch die Mehrfahrzeugerkennung funktioniert zuverlässig.
Weniger erfreulich: Die Sattelhalterung im Lieferumfang ist unpraktisch, eine Sattelstützenhalterung fehlt vollständig. Zudem bleibt die Akkulaufzeit trotz Übererfüllung der Herstellerangabe im Vergleich zum Wettbewerb eher unterdurchschnittlich. Persönlich fahre ich allerdings selten länger als 8 Stunden Fahrrad und kann damit sehr gut leben. Tatsächlich hat die SR Mini mein Garmin Varia aufgrund des kompakteren Formats von meiner Sattelstütze verdrängt.