Draußen passieren die besten Szenen oft ohne Vorwarnung: die Sonne, die plötzlich durch die Wolken bricht, ein plötzlich auftauchender Regenbogen oder das Wildtier, das dir unvermittelt den Weg kreuzt. Solche Momente lassen sich nicht planen. Genau solche Momente machen den Reiz einer Kamera aus, die du ohne Nachdenken dabeihast und sofort startklar ist. Die neue Insta360 Go Ultra will genau das sein: klein, unkompliziert und jederzeit einsatzbereit – damit du dich auf das Abenteuer konzentrieren kannst und trotzdem Aufnahmen hast, die bleiben. Später sind es genau diese Erinnerungen, die Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, nicht die Frage, ob die Kamera perfekte Kontraste aufweist.

Genau dafür ist die Insta360 Go Ultra gebaut. Sie will nicht die Action-Cam mit den meisten Features sein, sondern die, die du wirklich immer dabei hast. Keine große Ausrüstung, kein Fummeln und per Knopfdruck am Start. Das konnte schon die Insta360 Go 3S gut. Doch die Go Ultra solls noch besser machen: Bessere Videoqualität, längere Akkulaufzeit und neue praktische Funktionen. Aber hält sie, was sie verspricht? Wir haben die Kamera im Outdoor-Einsatz getestet.

Neues Design: Quadrat, praktisch, gut?
Wer schon einmal eine Go 2 oder Go 3S in der Hand hatte, kennt die längliche Form, ähnlich einer kleinen Kapsel. Die Go Ultra sieht jetzt ganz anders aus: quadratisch, flacher, ein bisschen größer. Mit 53 Gramm ist sie schwerer als die Go 3S (39 Gramm), bleibt aber eine absolute Leichtgewicht-Cam. Zum Vergleich: Eine GoPro Hero 13 Black bringt es auf über 150 Gramm. Das neue Design ist absolut ansprechend. Mit dem Magnetclip sitzt die Go Ultra stabiler am T-Shirt, Cappi oder Rucksackgurt. Und: man kann sie einfach auf eine flache Fläche stellen, ohne dass die Linse auf dem Boden liegt. Für schnelle Aufnahmen unterwegs ist das Gold wert.

Neu ist auch die Sicherheitskordel der Go Ultra, falls man die Kamera magnetisch befestigen möchte. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber praktisch. Gerade auf dem MTB will man ja schließlich nicht andauernd denken: „Hoffentlich hält der Magnet“. Einziger Haken: Beim Einfädeln der kleinen Lasche hatten wir echt zu kämpfen, und diverse Mal baumelte das Band vor der Linse herum. Da muss man etwas aufpassen.

Speicher: Endlich mit microSD-Karte
Ein Punkt, der bei der Go 3S immer gestört hat: der feste Speicher. Je nach gewählter Variante ist der Speicher schnell voll, was besonders bei längeren Touren ein echtes Problem darstellt. Endlich gibt es einen microSD-Slot. Das bringt gleich mehrere Vorteile:
- Mehr Flexibilität: Nimm einfach mehrere Karten mit und tausch sie unterwegs.
- Günstiger Speicher: 512 GB Karten gibt’s aktuell richtig günstig.
- Mehr Sicherheit: Stürzt die Kamera ab oder geht kaputt, sind deine Aufnahmen nicht verloren.
Ein Nachteil der Go-Serie bleibt aber: Der Akku ist auch bei der Go Ultra fest verbaut und lässt sich nur von Insta360 austauschen.

Action Pod: Zwei Kameras in einer
Die Docking-Station (Action Pod) bleibt einer der größten Pluspunkte der Go-Serie und so auch der Go Ultra. Man steckt die kleine Cam rein und schon hat man eine Action-Cam mit 2,5-Zoll-Display in der Hand. Nimm man sie raus, dient der Pod als Fernsteuerung. Praktisch, wenn die Kamera am Helm sitzt oder irgendwo am Bike montiert ist. Der Pod ist größer geworden, ja. Aber draußen zählt vor allem, dass der Akku länger hält und das Display gewachsen ist. Zum Vloggen unterwegs ist es praktisch, dass der Bildschirm klappbar ist.

Wichtig: Wasserdicht ist nur die Kamera allein und das bis zu zehn Meter. Der Action Pod ist zwar spritzwassergeschützt, aber ins Wasser solltet Ihr hn nicht mitnehmen. Ein echter Wermutstropfen aber: Für klare Unterwasseraufnahmen brauchst du die Aqua Lens. Ohne wirkt alles unscharf. Mit der Zusatzlinse (ca. 15 Euro) ist das Bild dagegen top. Das passt allerdings nicht so gut ins Konzept einer „möglichst unkomplizierten und immer dabei-Kamera“.
Videoqualität: Besser, aber nicht top
Der neue 1/1,28-Zoll-Sensor ist ein echter Fortschritt, schließlich ist er über doppelt so groß wie beim Vorgänger. Damit sind jetzt 4K-Aufnahmen mit 60 fps möglich. Für schnelle Szenen wie Downhill, Trailrunning oder Paddeln ist das genau richtig. Außerdem gibt es 2,7K mit 120 fps für Zeitlupe. Auch das Sichtfeld ist größer geworden: 156 Grad statt 150. Klingt wenig, macht beim Brust- oder Helmblick aber einen Unterschied. Die Aufnahmen wirken noch immersiver.
Bei Tageslicht liefert die Go Ultra bunte, detailreiche Clips, die sichtbar besser sind als bei der Go 3S. Im direkten Vergleich mit ausgewachsenen Action Cams wie der GoPro Hero 13 oder Insta360 Ace Pro 2 sieht man aber Unterschiede. Die großen Action Cams bieten noch mehr Schärfe und Kontraste, besonders bei Gegenlicht oder schnellen Bewegungen. In der Nacht oder bei wenig Licht ist die Go Ultra ebenfalls besser als die Go 3S und auch als GoPro Hero Black 13. Trotzdem wirkt das Bild teils unruhig (siehe Video unten), während beispielsweise das große Schwestermodell Ace Pro 2 klarer bleibt. Kurz gesagt: Für Aufnahmen am Tag liefert die Ultra starke, wenn auch nicht erstklassige Ergebnisse. Bei Dunkelheit ist die Qualität jedoch sichtbar eingeschränkt.
Fotoqualität: Schnappschüsse statt High-End
Auch bei der Fotoqualität hat die Go Ultra zugelegt: 50 Megapixel statt 12 bei der Go 3S. Bei gutem Licht wirken die Bilder scharf, farbintensiv und lassen sich problemlos zuschneiden. Für ernsthafte Fotografie taugt die Kamera trotzdem nicht. Schwaches Licht lässt die Details verschwimmen, Dynamik und Tiefenschärfe sind begrenzt. Praktisch ist dafür die Möglichkeit, einzelne Frames aus Videos als Foto zu exportieren. Gerade bei spontanen Momenten funktioniert das super.

Go Ultra: Bedienung und Handling
Die Go Ultra bleibt simpel: Knopf drücken, Aufnahme läuft. Wer mehr Kontrolle braucht, nimmt den Pod oder die App. Eine kleine Schwäche ist die Auslöseverzögerung. Startest du die Kamera aus dem Aus-Zustand, dauert es fast vier Sekunden, bis die Aufnahme läuft. Im Standby geht es dagegen deutlich schneller.
Neu ist die Ring-Fernbedienung, die man einfach am Finger tragen kann. Damit startet man Clips, ohne die Cam zu berühren. Auch der Magnetanhänger wurde verbessert und lässt sich jetzt um 15 Grad neigen. Ein echtes Ärgernis aber: Insta360 hat der Ultra ein eigenes Mount-System verpasst. Das heißt: Es sind neue Adapter und Halterungen nötig. Für ein Ökosystem, das eigentlich wachsen sollte, ist das ein Rückschritt.
