Ich baue seit über 50 Jahren mit Klemmbausteinen. Angefangen hat alles in den 70ern gemeinsam mit meinen Eltern, später habe ich mit meinem Sohn gebaut – und auch heute greife ich als Erwachsener immer wieder zu einem größeren Set.
Entsprechend skeptisch war ich, als ich zum ersten Mal ein Set von Lumibricks auf dem Tisch vom #MonsterBulli hatte. Mein erster Gedanke war ziemlich simpel:
Warum sollte jemand versuchen, LEGO zu kopieren?
Doch genau diese Skepsis machte den Test am Ende umso spannender. Während viele Klemmbaustein-Hersteller versuchen, möglichst nah am LEGO-System zu bleiben, verfolgt LUMIBRICKS einen etwas anderen Ansatz. Der Hersteller hat sich darauf spezialisiert, Beleuchtung direkt in die Struktur von Klemmbaustein-Modellen zu integrieren.
Wer ist eigentlich LUMIBRICKS?
Was zunächst wie ein einfaches Zusatzfeature klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein erstaunlich durchdachtes technisches Konzept. Anders als bei klassischen Beleuchtungssets, bei denen LEDs nachträglich in ein fertiges Modell eingebaut werden, ist die Lichttechnik bei LUMIBRICKS von Anfang an Teil der Konstruktion. Kabel, Lichtmodule und Verbindungselemente werden bereits während des Bauprozesses in die Struktur integriert, sodass sie später weitgehend unsichtbar bleiben. Speziell entwickelte Bausteine führen die Leitungen durch das Innere der Modelle und sorgen dafür, dass Elektronik und Architektur praktisch miteinander verschmelzen.
Das Ergebnis sind Gebäude und Szenen, die nicht nur tagsüber als Modell funktionieren, sondern sich bei Dunkelheit in atmosphärisch beleuchtete Miniaturwelten verwandeln – mit Fenstern, Lichtleisten und Details, die erst im eingeschalteten Zustand ihre volle Wirkung entfalten.

LUMIBRICKS nutzt dieses System vor allem für stark atmosphärische Themenwelten. Serien wie Cyberpunk Neoncity, Steampunk World oder Middle Ages sind dabei bewusst als kleine erzählerische Universen konzipiert, in denen einzelne Gebäude und Szenen Teil einer größeren Welt werden. Der Fokus liegt dabei weniger auf digitaler Interaktivität oder Apps, sondern vielmehr auf analoger Immersion – also auf dem Bauprozess selbst und der Atmosphäre, die das fertige Modell erzeugt.
Gerade für Reisen, Campingabende oder Regentage im Urlaub können solche Bauprojekte deshalb überraschend gut funktionieren: als gemeinsames Projekt für Eltern und Kinder – oder einfach als konzentrierte Offline-Beschäftigung fernab von Bildschirmen.
Mit der Floating Train Station aus der Cyberpunk-Reihe bringt LUMIBRICKS genau dieses Konzept auf den Tisch. Genauer gesagt auf den Tisch vom #MonsterBulli.
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Ein erster Eindruck – und eine gehörige Portion Skepsis
Wie gesagt, bin ich seit über 50 Jahren im LEGO-Game und auch heute greife ich als Erwachsener immer wieder zu einem größeren Set. Einmal im Jahr ist fast immer etwas dabei, häufig aus der Technic-Reihe oder ein Modell, das mich einfach neugierig macht.
Gerade deshalb war meine Haltung gegenüber LUMIBRICKS zunächst eher zurückhaltend – um es freundlich auszudrücken. Mein erster Gedanke war tatsächlich ziemlich simpel: Warum sollte jemand versuchen, LEGO nachzubauen? Und wenn schon, warum sollte ich mich dann ausgerechnet für diese Variante entscheiden, wenn das Original seit Jahrzehnten hervorragend funktioniert?

Dieses Gefühl verschwand auch in den ersten Stunden des Bauens nicht sofort. Das Set wirkt auf den ersten Blick vertraut – die Form der Steine, die Logik des Bauens, vieles erinnert stark an das System, das man über Jahre hinweg gelernt hat. Gleichzeitig merkt man jedoch relativ schnell, dass es eben nicht ganz dasselbe ist: Einige Elemente fühlen sich anders an, manche Verbindungen funktionieren anders, und hin und wieder denkt man beim Bauen noch: „Okay, das ist jetzt schon ein bisschen ungewohnt.“
Doch genau an diesem Punkt begann sich mein Eindruck langsam zu verändern.
Denn je weiter der Bauprozess voranschritt, desto deutlicher wurde, dass hinter diesem Set weit mehr steckt als nur eine einfache Kopie eines bekannten Systems. Stattdessen wird relativ schnell klar, wie viel Entwicklungsarbeit und wie viele eigene Ideen tatsächlich in der Konstruktion dieses Modells stecken.

Und genau an diesem Punkt kippte meine anfängliche Skepsis überraschend schnell in echte Neugier.
Viele Teile, die man als LEGO-Fan noch nie gesehen hat
Je weiter der Bauprozess voranschreitet, desto deutlicher wird, dass LUMIBRICKS nicht einfach versucht, ein bestehendes System zu kopieren, sondern tatsächlich eigene Wege geht. Das zeigt sich besonders bei den Bauteilen selbst.
Viele der Steine wirken auf den ersten Blick vertraut, doch immer wieder tauchen Elemente auf, die man selbst als langjähriger LEGO-Bauer so noch nie gesehen hat. Besonders aufgefallen sind mir beispielsweise silberne Bausteine, die ich tatsächlich mehrfach in der Hand gedreht habe – einfach weil sie so ungewöhnlich wirken und man sie aus der klassischen Klemmbausteinwelt kaum kennt.

Aber nicht nur die Teile selbst sind interessant, sondern auch die Art, wie sie eingesetzt werden. Während bei vielen klassischen Sets die Konstruktion fast immer strikt rechtwinklig verläuft, erlaubt LUMIBRICKS deutlich mehr Freiheit. Hier wird auch einmal schräg gebaut, um die Ecke, oder mit Konstruktionen gearbeitet, die zunächst erstaunlich locker wirken.
Gerade das führt beim Bauen immer wieder zu kleinen Überraschungsmomenten. Manchmal sitzt ein Bauteil zunächst scheinbar lose im Modell und man fragt sich unwillkürlich, ob das wirklich so gedacht ist. Erst mehrere Bauschritte später wird klar, wie die Konstruktion tatsächlich funktioniert – und plötzlich ergibt alles Sinn.
Solche Momente zeigen sehr deutlich, wie viel konstruktive Detailarbeit in diesem Set steckt. Man merkt förmlich, dass hier Entwickler am Werk waren, die nicht nur ein Modell entwerfen wollten, sondern tatsächlich ein neues Bausystem ausreizen.

Anspruchsvoll – und definitiv kein Kinderspielzeug
Auf der Verpackung steht 16+, und nach dem Bau würde ich sagen: Diese Einschätzung ist durchaus realistisch – vielleicht sogar eher die untere Grenze.
Denn während viele klassische Sets relativ entspannt gebaut werden können, verlangt dieses Modell deutlich mehr Konzentration. Das liegt vor allem daran, dass hier nicht nur Bausteine zusammengesetzt werden, sondern gleichzeitig auch Elektrik in die Konstruktion integriert wird.
Kabel müssen sauber verlegt werden, kleine Halterungen fixieren die Leitungen, Kontakte müssen präzise eingesetzt werden – und genau hier kommt auch die beiliegende Pinzette ins Spiel. Was zunächst wie ein kleines Extra wirkt, entpuppt sich beim Bau schnell als äußerst praktisches Werkzeug, ohne das manche Arbeitsschritte deutlich schwieriger wären.

Insgesamt habe ich rund vier Tage an diesem Set gebaut.
Das war allerdings kein entspanntes Nebenbei-Bauen auf dem Sofa, sondern eher ein konzentrierter Prozess. Lesebrille auf, Anleitung studieren, Schritt für Schritt arbeiten – und immer wieder kontrollieren, ob Kabel und Bauteile wirklich genau dort sitzen, wo sie hingehören.
Vom Anspruch her erinnert das teilweise an LEGO Technic, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Hier geht es nicht nur um Mechanik, sondern zusätzlich auch um Elektrik. Und genau das macht den Bauprozess noch einmal deutlich komplexer.
Das große Finale: Hoffentlich funktionieren die Kabel
Besonders spannend wird es gegen Ende des Bauprozesses.
Hier wird ein großer runder Spiegel vor der Station montiert, Kabel müssen sauber geführt werden und mehrere Bauteile greifen in einer komplexen Konstruktion ineinander. Gerade in diesem Abschnitt habe ich mich mehrfach dabei ertappt, wie ich kurz innegehalten habe und dachte: Hoffentlich funktioniert das später alles so, wie es soll.
Denn während des gesamten Bauprozesses schwingt immer ein kleiner Gedanke mit: Wenn irgendwo ein Kabel falsch sitzt, könnte am Ende die Beleuchtung nicht funktionieren.
Und genau deshalb wird der Moment der Wahrheit am Ende fast ein kleines Ritual.
Batterien einsetzen.
USB-Kabel anschließen.
Noch einmal kurz prüfen, ob alles richtig verbunden ist.
Und dann – der entscheidende Moment – den Schalter betätigen.
Wenn das Modell plötzlich zum Leben erwacht
Was dann passiert, ist tatsächlich einer der schönsten Momente des gesamten Bauprozesses.
Die Beleuchtung funktioniert sofort – und der Effekt ist beeindruckend.
Plötzlich beginnen Neonschilder zu leuchten, einige davon sogar mit leichtem Flackern, genau so, wie man es aus Cyberpunk-Filmen kennt. Lichtleisten ziehen sich durch das Modell und erinnern an Neonröhren, während einzelne Fenster und Details der Station langsam aus der Dunkelheit hervortreten.
In diesem Moment verwandelt sich das zuvor noch „nur gebaute“ Modell in eine kleine Szene, die fast wirkt wie eine Filmkulisse aus einem Science-Fiction-Universum.
Und je länger man hinschaut, desto mehr Details entdeckt man.
Wände lassen sich herausnehmen, einzelne Module können herausgezogen werden – sogar eine kleine Toilette ist als eigenes Element integriert, das sich aus dem Gebäude herausziehen lässt. Dadurch kann man das Modell nicht nur von außen betrachten, sondern auch immer wieder neue Perspektiven entdecken.
Gerade diese Mischung aus Display-Modell und spielerischen Details macht den besonderen Reiz dieses Sets aus.
Hochwertige Details statt Aufkleber
Ein weiteres Detail, das mir während des Bauens besonders positiv aufgefallen ist, betrifft die Gestaltung der Bauteile selbst.
Anders als bei vielen klassischen Sets verzichtet LUMIBRICKS weitgehend auf Aufkleber. Stattdessen sind die meisten grafischen Elemente direkt auf die Steine gedruckt.

Das sorgt nicht nur für eine hochwertigere Optik, sondern löst auch ein Problem, das viele Klemmbaustein-Fans kennen: schief aufgeklebte Sticker oder Aufkleber, die sich mit der Zeit lösen.
Gerade bei einem Modell, das stark von seiner Atmosphäre lebt, ist das ein großer Vorteil. Die gedruckten Elemente wirken deutlich sauberer und fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein.
Fazit: Ein Set, das meine Erwartungen komplett gedreht hat
Ich bin mit einer gehörigen Portion Skepsis an dieses Set herangegangen. Nach mehr als fünf Jahrzehnten mit LEGO im Hintergrund war meine Erwartungshaltung ehrlich gesagt nicht besonders hoch – zu vertraut schien mir das System, zu schnell war der Gedanke im Kopf, hier würde einfach nur etwas Bekanntes kopiert.
Doch während des Bauprozesses hat sich dieser Eindruck Schritt für Schritt verändert.
Je weiter das Modell wuchs, desto deutlicher wurde, dass LUMIBRICKS tatsächlich einen eigenen Ansatz verfolgt. Die Konstruktion steckt voller ungewöhnlicher Ideen, die Bautechniken sind kreativer, als man es zunächst erwarten würde, und die Integration der Beleuchtung sorgt dafür, dass das fertige Modell eine Atmosphäre bekommt, die man so aus klassischen Klemmbausteinsets kaum kennt.

Hinzu kommt eine erstaunlich lange Bauzeit, viele ungewöhnliche Bauteile und eine sehr hochwertige Umsetzung mit gedruckten Elementen statt Aufklebern. All das sorgt dafür, dass der Bauprozess nicht nur anspruchsvoll, sondern auch überraschend erfüllend ist.
Am Ende steht ein Modell, das nicht nur im Regal gut aussieht, sondern besonders dann beeindruckt, wenn das Licht eingeschaltet wird und die kleine Cyberpunk-Szene tatsächlich zum Leben erwacht.
Unterm Strich bekommt man hier sehr viel Modell für sein Geld – und vor allem ein Bau-Erlebnis, das sich deutlich von dem unterscheidet, was man aus der klassischen Klemmbausteinwelt gewohnt ist.

Für mich persönlich hat dieses Set deshalb einen Kauftippp und eine klare Bewertung verdient: 5 von 5 Steinen.






