Der Medion HX-1 Plus sitzt genau zwischen Pure und Pro – mit Feed-Forward-ANC, klassischem Design, großem Akku und derselben fantastischen Bedienung wie beim Pure. Klanglich spielt er auf einem ähnlichen Niveau, zeigt aber mit einem Equalizer-Preset ein völlig neues Gesicht. Wir haben den HX-1 Plus ausführlich im Alltag, Outdoor und auf Spaziergängen getestet.
Unboxing & erster Eindruck: Deja-vu – im positiven Sinne
Wer den HX-1 Pure bereits ausgepackt hat, wird beim HX-1 Plus ein klares Deja-vu erleben. Medion setzt bei der gesamten HX-1-Serie auf das gleiche, überraschend hochwertige Verpackungskonzept – und das funktioniert auch beim Mittelklassemodell ausgesprochen gut.
Wieder öffnet sich eine große, schwer wirkende Box wie ein Geschenk, wieder liegt oben ein sauber bedrucktes Zwischenblatt, darunter ein voluminöses Hardcase, das eher in einer deutlich höheren Preisklasse zu Hause wäre. Für einen Kopfhörer um die 75 Euro ist diese Präsentation alles andere als selbstverständlich.
Auch beim Zubehör fährt Medion die gleiche, üppige Linie wie beim Pure:
zwei zusätzliche Ohrpolster-Sets, ein stoffummanteltes USB-C-Ladekabel sowie ein ebenso ummanteltes Klinkenkabel – beide mit Papierbindern statt Plastik. Dass ein Hersteller in dieser Preisklasse gleich Ersatzpolster mitliefert, ist weiterhin eine Besonderheit.

Optisch unterscheidet sich der HX-1 Plus durch die Farben Deep Black und Monochrome Grey vom Olive-Look des Pure, das grundsätzliche Design- und Qualitätsgefühl ist aber identisch: Der Kopfhörer wirkt sauber verarbeitet, robust und deutlich wertiger, als es der Preis vermuten lässt. Nur unter den abgenommenen Polstern zeigt sich – wie schon beim Pure – eine etwas einfachere Innenkonstruktion, die daran erinnert, dass wir hier nicht im 200-Euro-Segment unterwegs sind.
Unterm Strich gilt aber auch hier: Für einen Kopfhörer dieser Preisklasse ist das Unboxing-Erlebnis außergewöhnlich gut.
Einrichtung & App: Schnell verbunden, gleicher App-Bug wie beim Pure
Bei der Einrichtung wiederholt der HX-1 Plus die Stärken des Pure nahezu 1:1. Ein Druck auf das Drehrad, der Kopfhörer geht in den Pairing-Modus und taucht unmittelbar im Bluetooth-Menü des Smartphones auf. In der Medion LIFE+ App wird er ebenso zügig erkannt und lässt sich ohne Umwege einbinden.
Inhaltlich verhält sich die App dabei wie im Pure-Test beschrieben:
Das Modell wird fotorealistisch angezeigt, die Darstellung bleibt aber nicht immer konsistent zur tatsächlich gewählten Farbe. Auch beim HX-1 Plus merkt sich die App die Auswahl nicht dauerhaft und zeigt das Gerät beim erneuten Öffnen nicht immer in der korrekten Variante – ein kleiner, aber reproduzierbarer Schönheitsfehler, den wir schon beim Pure bemängelt haben.
Positiv bleibt der Rest: Die LIFE+ App ist übersichtlich, reagiert schnell und bietet denselben umfangreichen Equalizer mit mehreren Presets plus Custom-Profil. Für ein Modell in dieser Preisklasse ist der gebotene Funktionsumfang weiterhin bemerkenswert. Gleichzeitig bleibt die Oberfläche angenehm schlank: kein überladenes Menü, keine verschachtelten Optionen, sondern ein klarer Fokus auf Kopplung, EQ und Grundeinstellungen.
Kurz gesagt: Setup und App-Nutzung sind beim HX-1 Plus genauso unkompliziert wie beim Pure – inklusive des kleinen, bekannten Farb-Bugs.
Verarbeitung, Komfort & erster Unterschied zum Pure
Beim HX-1 Plus fällt direkt auf, dass er minimal schwerer ist als der Pure. Das Modell bringt 355 Gramm auf die Waage, während der Pure bei 332 Gramm liegt. Dieser Gewichtsunterschied ist auf dem Papier sichtbar, im Alltag jedoch kaum spürbar – der Plus trägt sich weiterhin sehr angenehm.
Optisch und haptisch bleibt Medion der Linie des Pure treu. Verarbeitung, Materialanmutung und die angenehm weichen, dicken Polster sind identisch. Auch beim Plus wirken die Ohrpolster hochwertig, sauber vernäht und bieten denselben hohen Tragekomfort, der uns beim Pure bereits positiv überrascht hat. Der Kopfhörer sitzt stabil und bequem auf dem Kopf, ohne zu drücken oder zu verrutschen.
Der einzige wirklich sofort sichtbare Unterschied
Auf der linken Ohrmuschel befindet sich eine zusätzliche Taste für das ANC, also die aktive Geräuschunterdrückung. Über diese Taste lässt sich nahtlos zwischen ANC ein, ANC aus und Transparenzmodus wechseln. Entsprechend sind auf der Außenseite des Kopfhörers auch zusätzliche Mikrofone sichtbar, die für das Feed-Forward-ANC benötigt werden.
Farbliche Unterschiede gibt es ebenfalls: Während der Pure in Olive Green hervorstechen durfte, kommt der HX-1 Plus in den Farbvarianten Deep Black und Monochrome Grey (unser Testgerät) – ein helles, leicht warmes Grau.
Haptisch fühlt sich der HX-1 Plus genauso angenehm an wie der Pure:
Die Polster sind herrlich weich, die komplette Konstruktion wirkt sauber verarbeitet, und der Kopfhörer vermittelt trotz des Kunststoffanteils ein wertiges, hochwertiges Anfassgefühl.

Klangtest: Auf Pure-Niveau – aber mit einem entscheidenden Trick
Klanglich bewegt sich der HX-1 Plus auf dem gleichen Niveau wie der bereits getestete Pure. Warm, angenehm, ordentlich abgestimmt und für seine Preisklasse erstaunlich sauber. Doch im direkten Vergleich fällt ein Punkt auf, der in beiden Tests eine überraschende Rolle gespielt hat – und der die Klangcharakteristik des Plus regelrecht verändert.
Wie beim Pure haben wir auch hier zunächst in der Standardeinstellung getestet. Und wieder zeigt sich dasselbe Bild: Der Plus klingt out of the box etwas dumpf. Es fehlen die Höhen, die den Klang öffnen und Details herausarbeiten. Das betrifft beide Modelle – und aller Wahrscheinlichkeit nach auch den Pro.
Die spannende Erkenntnis kam erst im Equalizer der LIFE+ App:
Dort gibt es ein Preset namens „Mehr Höhen“. Und sobald man dieses auswählt, passiert etwas Bemerkenswertes: Der HX-1 Plus klingt plötzlich wie ein völlig anderer Kopfhörer. Die komplette Klangbühne wird klarer, offener, luftiger. Die Instrumententrennung profitiert enorm und auch Stimmen bekommen deutlich mehr Präsenz. Aus einem anfänglich eher warm-dumpfen Sound wird ein erfreulich neutrales, sehr ordentliches Klangbild.
OutdoorMonster-Tipp: Im EQ unbedingt „Mehr Höhen“ aktivieren – der Unterschied ist enorm. Als Standardprofil wäre das ein Gewinn für alle drei Modelle.
Die Tracks im Einzelcheck
Teddy Swims – „Bad Dreams“
Wie schon beim Pure liefert auch der Plus eine sehr saubere Darstellung. Selbst im schwierigen Refrain bleibt die Stimme klar, die Instrumente stehen stabil und nichts matscht ineinander. Ein beeindruckendes Ergebnis in dieser Preisklasse.
Chris Isaak – „Wicked Game“
Mit „Mehr Höhen“ klingt der Track richtig gut: Die Gitarre wirkt fein, Isaaks Stimme bekommt Tiefe und der Raum wirkt glaubwürdiger. Ohne Equalizer klingt es deutlich dumpfer – mit EQ dagegen absolut überzeugend.
Neelix – „You“
Bei elektronischen Stücken zeigt sich der Plus solide, kommt aber – wie schon der Pure – nicht an die Räumlichkeit oder Höhenbrillanz eines Sony-Flaggschiffs heran. Der Bass ist kräftig, die Dynamik ordentlich, aber im Detail bleibt es etwas zurückhaltend. Das ist allerdings normal für diese Preisregion.
Eagles – „Hotel California“ (Live)
Hier glänzt der Plus unerwartet. Die feinen Gitarrenläufe, kleinen Räumlichkeitsdetails und Hintergrundeffekte werden erstaunlich sauber dargestellt. Wieder ist die EQ-Einstellung der Schlüssel: Mit „Mehr Höhen“ klingt der Song so, wie man ihn hören möchte – differenziert und klar.
Miley Cyrus – „Flowers“ (Lossless)
Ein Track, der von Klarheit lebt – und genau diese transportiert der HX-1 Plus ordentlich weiter. Stimmen bleiben sauber, die Instrumente liegen klar im Mix, und die Höhen sind nach EQ-Anpassung erfreulich präsent.
Insgesamt:
Für einen Kopfhörer, der 75 Euro kostet, liefert der HX-1 Plus ein sehr gutes, warmes und angenehm klares Klangbild, sobald der Equalizer genutzt wird.
ANC: kaum messbarer Effekt – aber immerhin ohne Klangverlust
Der HX-1 Plus bringt Feed-Forward-ANC mit, und entsprechend gibt es die drei Modi:
- ANC an
- ANC aus
- Transparenzmodus
Das Überraschende: Im Klang macht das ANC keinen Unterschied.
Egal ob ANC aktiviert, deaktiviert oder im Transparenzmodus – der Klang bleibt praktisch identisch. Das ist gut, denn manche günstigen ANC-Systeme verschlechtern den Sound deutlich, indem sie Frequenzen wegdrücken oder Rauschen erzeugen.

Was auffällt:
- Mit ANC an steigt ein leichtes Grundrauschen, wenn keine Musik läuft.
- Im Transparenzmodus ist das Rauschen minimal geringer.
- Mit Musik ist das Rauschen praktisch nicht wahrnehmbar.
- Eine „richtige“ Lärmreduktion wie bei Sony oder Bose findet nicht statt.
Damit ist das ANC beim HX-1 Plus eher ein „Quality-of-Life-Feature“ als ein ernst zu nehmendes Abschottungssystem. Für den Alltag reicht es, im Flugzeug oder im ICE sollte man nicht zu viel erwarten.
Positiv bleibt: Das ANC beeinflusst den Klang nicht negativ – was besser ist, als viele günstige Modelle es hinbekommen.
Bluetooth-Reichweite: stabil wie beim Pure – keine Überraschungen
Bei der Bluetooth-Reichweite verhält sich der HX-1 Plus exakt so wie der Pure. Das überrascht nicht, denn Medion setzt hier auf die gleiche Technik und dieselbe Funkarchitektur. Im Alltag bedeutet das: Die Verbindung ist stabil, unauffällig und bleibt selbst über mehrere Räume hinweg verlässlich bestehen.
Im Freien erreicht der HX-1 Plus rund 25–30 Meter, solange keine massiven Hindernisse dazwischenliegen. In Wohnungen sind 8–12 Meter realistisch – abhängig von Wandstärke und Einrichtung. Rund um den Van oder im Büro bleibt die Verbindung ebenfalls stabil, ohne Aussetzer oder abrupte Abbrüche.
Auch bei häufigen Gerätewechseln oder beim Wechsel zwischen App-Steuerung und Musikplayer gab es keinerlei Verzögerungen oder Sync-Probleme.
Kurz gesagt: Die Bluetooth-Reichweite des HX-1 Plus ist absolut identisch mit der des Pure – stabil, zuverlässig und im Alltag völlig ausreichend.
Bedienung & Alltag: Einfach, vertraut – plus einer Taste mehr
In der Bedienung unterscheidet sich der HX-1 Plus nur minimal vom Pure. Medion setzt erneut auf das bereits beim kleineren Modell überzeugende Konzept: kein Touch, keine wackeligen Gestenflächen, sondern ein klar definiertes, mechanisches Bedienlayout, das im Alltag hervorragend funktioniert.
Das Herzstück ist auch hier das Multifunktions-Drehrad.
Damit lassen sich Lautstärke, Wiedergabe und Titelwechsel genauso intuitiv steuern wie beim Pure. Das Drehrad reagiert präzise, ist blind ertastbar und arbeitet auch mit Handschuhen zuverlässig – ein Vorteil, den viele Touch-Kopfhörer im Outdoor-Bereich nicht bieten.
Der einzige funktionale Unterschied:
Der HX-1 Plus besitzt eine zusätzliche ANC-Taste auf der linken Ohrmuschel.
Damit lassen sich:
- ANC ein,
- ANC aus und
- Transparenzmodus
schnell durchschalten. Funktional ist das simpel, logisch und im Alltag praktisch, auch wenn die ANC-Wirkung selbst eher subtil bleibt.
Wie beim Pure lassen sich grundlegende Funktionen auch per Siri bzw. Sprachassistent steuern. Sprachkommandos werden sauber durchgereicht, und einfache Aktionen wie Titelsteuerung oder Anrufe funktionieren problemlos.

Die Medion LIFE+ App bleibt bewusst schlank:
EQ-Presets, Custom-EQ, Firmware-Update, Akkustand, Tastenbelegung – mehr braucht es in dieser Preisklasse nicht. Eine Vollkonfiguration, wie man sie aus der Sony-App kennt, ist hier nicht vorgesehen und würde das Zielpublikum eher überfordern.
Praktisch: Der Plus bietet – wie der Pure – einen Kopfhörer-Finden-Modus. Ein Feature, das viele teurere Modelle nicht anbieten und das im Alltag überraschend nützlich sein kann.
Insgesamt bleibt die Bedienung angenehm reduzert und leicht verständlich.
Keine Gesten, kein Rätselraten, kein Tutorial – einfach ein Kopfhörer, der sofort funktioniert.


