Geniales Rudergefühl zum halben Preis: Warum dieses Luft-Rudergerät im Test überrascht

Geniales Rudergefühl, top Ergonomie, halber Preis – das Merach R50 Luft-Rudergerät überrascht im Dauertest.

Merach R50

Wenn der Regen mal wieder waagerecht gegen die Scheiben prasselt oder der Winter die Trails unpassierbar macht, müssen selbst die ausdauerndsten Outdoormonster drinnen bleiben. Doch Pause machen ist für echte Abenteurer keine Option. Die Fitness für die nächste Saison will schließlich gepflegt werden, und genau hier kommen Indoor-Cardiogeräte wie das Merach NovaRow R50 ins Spiel.

Was man wissen muss: Auf dem Markt gilt das Concept 2 seit Jahren als der unangefochtene Goldstandard. Fast jeder, der sich mit dem Rudersport befasst, kennt dieses Gerät. Doch Qualität hat ihren Preis, die Standardversion kostet weit über 1.000 Euro. Mit dem Merach R50 schickt sich nun sozusagen ein Klon an, den Markt aufzumischen. Das Versprechen: Eine vergleichbare Leistung zu einem Preis, der um mehr als die Hälfte günstiger ausfällt (zum Testzeitpunkt 474,98 Euro / UVP 879,99 Euro). Ob das Gerät hält, was es verspricht, zeigt unser Testbericht.

Merach NovaRow R50 auf einen Blick

  • System: Luftwiderstands-Rudergerät mit Kettenzug
  • Gewicht: 33,3 kg
  • Stellplatz (aufgebaut): 2420 × 610 × 1020 mm
  • Stromversorgung: 2x AA-Batterien
  • Widerstandsstufen: 10
  • Schwungradgewicht: 3,5 kg
  • Display: LCD mit Hintergrundbeleuchtung
  • Schnittstellen: Bluetooth
  • App-Unterstützung: MERACH App, Kinomap, Zwift, Apple Health, Google Fit
  • Preis: 879,99 Euro

Kurzfazit

Das Merach R50 ist eine echte Preis-Leistungs-Überraschung: Trotz des viel günstigeren Preises schlägt es den Goldstandard Concept 2 beim Sitzkomfort sowie bei den Pedalen deutlich und punktet mit einem erstklassigen, straffen Kettenrücklauf. Wer über das frustrierende Display und den umständlichen Klappmechanismus hinwegsehen kann – und das ohnehin per Smartphone-App ausgleicht –, bekommt hier einen stabilen Schlechtwetter-Anker fürs Home-Gym.

Merach NovaRow R50

Merach NovaRow R50

  • Solide Verarbeitung
  • Guter Sitzkomfort
  • Angenehmes Rudergefühl
  • Preis-Leistungs-Kracher
  • Schwaches Display
  • Platzbedarf
  • Teils ungenaue Daten
Testergebnis: i 2,02 (gut)
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Warum Rudern effektiv, aber technisch herausfordernd ist

Rudern gilt in der Sportwissenschaft als eines der effizientesten Ganzkörper-Workouts. Da neben der Beinstreckung und dem Gesäß auch der gesamte obere und untere Rücken, die Schultern sowie die Arme aktiv an jeder Bewegung beteiligt sind, wird ein Großteil der gesamten Skelettmuskulatur gleichzeitig beansprucht. Das sorgt für einen hohen kalorischen Umsatz und stärkt das Herz-Kreislauf-System in kürzester Zeit.

Die Kehrseite dieser Effizienz ist jedoch der hohe technische Anspruch. Im Gegensatz zum Laufen oder Radfahren, wo die Bewegungsabläufe weitgehend automatisiert ablaufen, erfordert das Rudern eine präzise Koordination. Die Kraftübertragung muss fließend von den Beinen über den Rumpf in die Arme geleitet werden. Stimmt das Timing nicht, leidet nicht nur die Effizienz, sondern es steigt auch das Verletzungsrisiko für den unteren Rücken. Umso wichtiger ist es, dass das Sportgerät diesen komplexen Bewegungsablauf durch einen absolut sauberen, ruckelfreien Lauf unterstützt.

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Der Aufbau: Schneller als gedacht

Zurück zum Merach R50: Ein oft unterschätzter Frustfaktor bei Fitnessgeräten für das Home-Gym ist die Montage. Stundenlanges Sortieren von Schrauben und unübersichtliche Anleitungen können die Vorfreude schnell dämpfen. Beim Merach R50 läuft dieser Prozess dagegen erfreulich unkompliziert ab.

Das Gerät wird gut geschützt geliefert und besteht im Kern aus nur wenigen, bereits vormontierten Basiskomponenten samt passenden Werkzeug. Wie bei modernen Geräten üblich, liegt der Verpackung ein QR-Code bei. Nach dem Scannen erhält man Zugriff auf eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung auf dem Smartphone.

Merach R50 Werkzeug
Der Aufbau erfolgt für ein Fitnessgerät vergleichsweise unkompliziert und schnell. © OutdoorMonster

In unserem Fall dauerte der gesamte Aufbau mit zwei Personen inklusive des Auspackens und des anschließenden Aufräumens der Verpackungsreste eine knappe Stunde. Ein großer Vorteil ist dabei die intuitive Passform der Teile. Es ist nahezu unmöglich, Komponenten versehentlich falsch herum zu montieren – ein Fehler, der bei komplexeren Heimtrainern bei uns schon öfter für Frust gesorgt hat.

Merach R50: Material, Ergonomie und Platzbedarf

Die Stabilität eines Rudergeräts ist entscheidend für das Sicherheitsgefühl während des Trainings. Das Merach R50 setzt hier auf eine massive Konstruktion aus solidem Stahl, was sich auch im Nettogewicht von 33,3 kg widerspiegelt.

Diese massive und stabile Bauweise bringt jedoch einen entscheidenden Nachteil mit sich: das Gerät fordert viel Platz. Mit einem aufgebauten Maß von 2420 × 610 × 1020 mm ist das Merach R50 definitiv nichts für kleine Räume. Und wer hofft, das Platzproblem durch den Klappmechanismus zu lösen, wird in der Praxis enttäuscht. Das Gerät lässt sich zwar theoretisch auf ein Faltmaß von 635 × 835 × 1370 mm hochklappen, dieser Vorgang gestaltet sich jedoch ziemlich umständlich, dass man es im Alltag lieber dauerhaft im aufgebauten Zustand stehenlässt. Vor dem Kauf sollte der Stellplatz also genau ausgemessen und fest eingeplant sein.

Performance, Laufruhe und der Kettenrücklauf

Sobald das Gerät bereitsteht, fällt eine weitere Besonderheit auf: Das Merach R50 benötigt kein externes Netzteil, sondern setzt auf 2 AA-Batterien. Es muss also nicht an eine Steckdose angeschlossen werden, was die Platzierung im Raum flexibler macht.

Viel wichtiger aber: Bei günstigen Fitnessgeräten wird oft an den Lagern und der Schienenkonstruktion gespart. Das R50 überrascht hier jedoch mit einer bemerkenswerten Geschmeidigkeit, die auch nach über 20 Stunden Einsatz noch keine Schwächen gezeigt hat. Der Sitz gleitet angenehm flüssig über die Schiene, und der Zug läuft ohne Verzögerung an.

Merach R50 Lufteinheit
Der Merach R50 sieht nicht nur gut aus sondern macht auch in Sachen Verarbeitung eine gute Figur. © OutdoorMonster

Im Test traten ferner keinerlei Verformungen, Durchbiegungen oder Instabilitäten auf. Das Gerät steht felsenfest auf dem Boden und neigt auch bei maximaler Zugkraft oder schnellen HIIT-Einheiten nicht zum Kippen oder Wackeln. Durch die niedrige Bauweise befindet sich der Schwerpunkt sehr nah am Boden, was zusätzliche Sicherheit vermittelt. Dazu muss man allerdings festhalten, dass sich die wahre Qualität von Fitnessgeräten oft erst nach einem deutlich längeren Zeitpunkt offenbart.

Ein echtes Highlight im Vergleich zum Concept 2 ist ferner der Kettenrücklauf, der sogenannte Chain Recoil. Während beim Concept 2 die Kette beim schnellen Zurückgleiten in der Erholungsphase deutlich wackelt, sieht das beim Merach R50 besser aus. Zwar schwingt auch hier die Kette ein wenig, , was den flüssigen Gesamteindruck im Rhythmus jedoch kaum schmälert.

Systembedingt muss man sich bei einem Luft-Rudergerät allerdings auf eine gewisse Geräuschkulisse einstellen. Das R50 erzeugt durch das Windrad ein deutliches Rauschen. In einer hellhörigen Wohnung kann das zu einem Thema werden. Störend ist der Sound aber nicht, es ist halt das typische Geräusch eines Windrad-Rowers.

Ergonomie: Sitz und Pedale top

Ein entscheidender Punkt bei längeren Trainingseinheiten ist der Komfort. Wer schon einmal eine längere Session auf einem harten, dünn gedämpften Sitz absolviert hat, kennt die typischen Schmerzen im Bereich des Steißbeins. Hier kann das Merach R50 im direkten Vergleich mit dem Concept 2 punkten.

Merach R50 Sitz
Der Sitz bietet selbst bei langen Trainingseinheiten erstklassigen Komfort. © OutdoorMonster

Der Sitz ist hervorragend gepolstert und federt angenehm. Das Körpergewicht verteilt sich gleichmäßig, sodass selbst lange Einheiten bis hin zu Marathon-Distanzen ohne Schmerzen am Gesäß möglich sind. Auch Fußpedale und Riemen überzeugen ergonomisch: Sie bieten mehr Platz als beim Marktführer, und die breiteren Riemen verteilen den Druck großflächig auf dem Mittelfuß, statt unangenehm einzuschneiden. Im Praxistest sitzen die Füße sehr sicher im Pedal. Selbst bei harten Intervallen bleiben sie flach fixiert, ohne dass man in der Vorwärtsbewegung in die Zehenspitzen rutschen muss, um Halt zu finden.

Merach R50: Cockpit-Frust und der Rettungsanker App-Anbindung

Das Cockpit des Rudergeräts ist mit einem hintergrundbeleuchteten LCD-Bildschirm ausgestattet, der theoretisch alle relevanten Metriken wie Distanz, Trainingszeit, Wattzahl, Schlagzahl pro Minute (SPM), Drag-Faktor und die 500-Meter-Splitzeit liefert. In der Praxis entpuppt sich das Display jedoch als absoluter Schwachpunkt. Es ist nicht nur technisch schwach. Vor allem die Bedienung über die Tasten ist derart unintuitiv und unkomfortabel, dass der Frustfaktor schnell steigt, so dass man schnell freiwillig auf die Smartphone-App umsteigt.

Merach R50 Display
Das unintuitiv bedienbare Display sorgt schnell für Frust. © OutdoorMonster

Denn das Merach R50 verfügt über eine Bluetooth-Schnittstelle. Hier stehen verschiedene Optionen zur Verfügung:

  • MERACH App: Die hauseigene App dient als direkte Schnittstelle für die Verbindung, zeichnet die Trainingsdaten auf und bietet Zugriff auf verschiedene Kurse. Als Basis in Ordnung.
  • Kinomap & Zwift: Wer eine bessere Trainingsvisualisierung, virtuelle Strecken oder interaktive Workouts sucht, findet hier die deutlich interessanteren Optionen, muss allerdings in ein Abo investieren.
  • Apple Health & Google Fit: Für die langfristige Dokumentation lassen sich die Daten auch mit den gängigen Gesundheits-Ökosystemen synchronisieren.

Im Test bewährte sich ein praktisches Dual-Screen-Setup: Das Smartphone mit den Trainingsdaten aus der gewählten App liegt neben dem Gerät, während die stabile Halterung des Merach R50 ein iPad aufnimmt. So lassen sich bei langen Ausdauereinheiten entspannt Filme oder Serien streamen, ohne die Leistungswerte auf dem Handy aus dem Blick zu verlieren.

Merach R50 Fuss
Die breiten Pedale und Riemen fixieren den Fuß sehr gut und sorgen selbst bei harten Intervallen für optimalen Halt. © OutdoorMonster

Keine Kopplung mit Smartwatches

Ein spürbarer Wermutstropfen für technikaffine Sportler bleibt jedoch: Das Gerät lässt sich leider nicht direkt mit Smartwatches koppeln. Wer seine Schlagfrequenz, Distanz oder anderen Trainingsdaten direkt auf der Sportuhr am Handgelenk tracken möchte, muss den Umweg (wenn möglich) über die entsprechenden Apps nehmen.

Und: Wer Wert auf absolut exakte Leistungsdaten, die Teilnahme an offiziellen Online-Wettbewerben oder einen direkten, absolut verlässlichen Gerätevergleich legt, sollte beachten, dass der R50 hier Schwächen zeigt. Die Aufzeichnung in der App startet zum Beispiel sofort, noch bevor man überhaupt den ersten Zug getan hat. Die berechneten Split-Zeiten und Wattwerte von Einheit zu Einheit fallen zudem weniger konsistent aus, als bei den kalibrierten, deutlich teureren Profi-Modellen. Für ambitioniertes Heimtraining ist das kein großes Thema, Daten-Puristen könnten sich jedoch daran stören.

Fazit Merach R50

Das Merach R50 erweist sich im Test als echte Überraschung auf dem Markt der Rudergeräte und übertrifft die Erwartungen an ein Budget-Gerät deutlich. Das Gerät überzeugt durch seine hervorragende Laufruhe und gute Stabilität bei harten Intervallen. In puncto Sitzkomfort und Pedalerie läuft es dem Concept 2 sogar den Rang ab. Wer über das schwache Display hinwegsehen kann – und das ohnehin über die App-Anbindung per Smartphone oder Tablet ausgleicht –, bekommt ein mehr als solides Trainingsgerät. Nur wer auf das letzte Quäntchen Datengenauigkeit für professionelle Vergleiche angewiesen ist, muss tiefer in die Tasche greifen. Für alle anderen Outdoormonster, die eine verlässliche, effektive Cardio-Lösung für Schlechtwettertage suchen, gibt es eine klare Kaufempfehlung.


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