Nachts im Gebirge, das Camp liegt im Dunkeln. Nur im Vorzelt glimmt ein rotes Licht, jemand notiert Koordinaten auf einer Karte, markiert anschließend mit einem grünen Laser den geplanten Weg auf dem Fels gegenüber und kontrolliert danach mit weißem Licht noch schnell die Heringe am Zelt. Kein Koffer voller Gadgets, kein klobiges Equipment – nur ein Stift.
Genau dieses Gefühl möchte der Olight O’Pen 3 vermitteln. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein gewöhnlicher Metallkugelschreiber, wie er auch in der Innentasche eines Sakkos von James Bond stecken könnte. Beim zweiten Hinsehen entpuppt er sich als kleines Multitool: Weißes Licht am Clip, rotes Licht inklusive SOS-Modus, eine dezent leuchtende LED direkt an der Stiftspitze und ein grüner Laserpointer der Klasse 1.
Spannend ist vor allem die Frage: Eignet sich der O’Pen 3 nicht nur fürs Büro und den Konferenzraum, sondern auch als ernstzunehmendes Werkzeug für Camping, Vanlife und Touren?
Was der Olight O’Pen 3 eigentlich ist
Der O’Pen 3 kombiniert vier Funktionen in einem Gehäuse:
- Kugelschreiber mit auswechselbarer Mine
- Weißes Clip-Licht für Inspektionen und allgemeine Beleuchtung
- Rotes Clip-Licht mit zwei Helligkeitsstufen und SOS-Modus
- Kleine LED an der Stiftspitze zum Schreiben im Dunkeln
- Grüner Laserpointer (Klasse 1) für Präsentationen und Markierungen
Die maximal angegebene Helligkeit des weißen Clip-Lichts liegt bei 120 Lumen – genug, um einen Arbeitsbereich, das Vorzelt oder den Innenraum eines Fahrzeugs sauber auszuleuchten. Das rote Licht ist deutlich schwächer, dafür angenehmer für Augen und Mitreisende. Die Spitzen-LED arbeitet mit sehr niedriger Leistung, leuchtet dabei aber genau den Bereich aus, in dem der Stift über das Papier gleitet.
Mit dieser Kombination zielt Olight nicht auf die Rolle einer Hauptlampe am Körper, sondern auf ein EDC-Tool für alle, die ohnehin immer einen Stift dabeihaben – nur eben mit deutlich mehr Funktionalität.

Design und Verarbeitung
Aluminiumgehäuse mit „Meteoritenregen“
Das Gehäuse besteht aus Aluminium und wirkt stabil und sauber verarbeitet. Charakteristisch ist die von „Meteorschauern“ inspirierte Struktur: kleine, eingearbeitete Vertiefungen und Linien, die nicht nur optisch auffallen, sondern vor allem für Grip sorgen.
Im Vergleich zu glatten Metallstiften liegt der O’Pen 3 damit sicherer in der Hand – gerade wenn die Finger kalt, leicht feucht oder vom Tag im Freien etwas müde sind. Auf rutschigen Untergründen wie einer Regenjacke rollt der Stift durch die Struktur weniger schnell weg, was im Camper oder im Vorzelt durchaus relevant werden kann.

Ausbalancierte Form
Olight betont das ausbalancierte Gewicht und die sanfte Verjüngung zum Stiftende hin. Im Alltag bedeutet das: Der Stift liegt nicht „kopflastig“ in der Hand, obwohl im oberen Bereich Technik und Akku stecken. Wer viel schreibt – Reisejournal, Logbuch, Kladden für Tourenplanung – merkt schnell, ob ein Stift anstrengend wird oder nicht.
Beim Schreiben zeigen sich zwei Dinge positiv:
- Der O’Pen 3 fühlt sich eher wie ein hochwertiger Metallfüller an als wie ein Gadget.
- Die Struktur sorgt dafür, dass der Stift nicht nach und nach aus der Hand nach unten rutscht, wie es bei glatten Metallkulis oft passiert.
Der Clip – mehr als nur Befestigung
Der Clip ist gefedert ausgeführt und damit nicht nur Zierde, sondern ein zentrales Bedienelement und Tragepunkt:
- Transport: Der Stift lässt sich sicher an Hemdtasche, Notizbuch, Rucksackgurten oder Organizer-Taschen befestigen.
- Lichtposition: Mit angeclipptem Stift kann das weiße oder rote Clip-Licht wie eine kleine Brust- oder Schulterlampe genutzt werden, ideal beim Sortieren von Ausrüstung oder beim Kochen im Vorzelt.
- Federmechanismus: Der gefederte Clip erleichtert das schnelle An- und Abstecken, ohne Stoff zu beschädigen oder Material zu überdehnen.
Gerade beim Camping, wo Kleidung und Taschen nicht unbedingt auf Metallclips vorbereitet sind, macht sich ein funktionierender Federmechanismus bemerkbar. Der O’Pen 3 sitzt fest genug, um auch beim Rennen zum Brötchenwagen nicht verlorenzugehen.
Die vier Lichtquellen in der Praxis
Weißes Clip-Licht – der Arbeitsmodus
Das weiße Clip-Licht ist der kräftigste Lichtmodus des O’Pen 3. Mit bis zu 120 Lumen leuchtet es:
- den Kocher oder die Spülschüssel aus
- das Armaturenbrett oder den Motorraum im Van
- Baupläne, Platinen oder Reparaturstellen
- den Weg vor uns, wenn ich mit Wilma Gassi gehe.
Die Lichtquelle sitzt seitlich im Clip, somit strahlt das Licht aus der oberen Stifthälfte heraus. Bei angeclipptem Stift ergibt das eine sehr praktische Arbeitsposition – ähnlich einer kleinen Stirnlampe, nur eben an der Kleidung oder am Notizbuch statt am Kopf.
Für den Camping-Alltag ist wichtig: 120 Lumen sind mehr als genug, um auf engem Raum alles zu sehen. Gleichzeitig gibt es niedrigere Stufen, die beim Lesen oder Suchen im Zelt deutlich angenehmer sind und die Akkulaufzeit schonen.

Rotes Clip-Licht – Nachtsicht und SOS
Das rote Licht am Clip ist zweistufig ausgeführt. Es dient vor allem dazu, die Nachtsicht zu erhalten und gleichzeitig genügend Licht zum Orientieren zu bieten. Typische Einsätze:
- im Zelt nach einer Uhr, Brille oder Stirnlampe suchen
- nachts eine Karte prüfen, ohne Mitreisende aus dem Schlaf zu reißen
- kurze Wege rund ums Zelt oder im Van gehen, ohne sich selbst zu blenden
Zusätzlich gibt es einen SOS-Modus im roten Licht. Das ist kein Ersatz für professionelle Notsignale, aber eine sinnvolle Option im Straßenverkehr, bei einer Panne in der Dunkelheit oder auf einem unübersichtlichen Campingplatz. Das auffällige rote Blinken bleibt besser im Gedächtnis als ein schwaches, weißes Dauerlicht.
Licht an der Stiftspitze – Schreiben im Dunkeln
Die LED an der Stiftspitze ist eine kleine, aber sehr durchdachte Ergänzung. Sie leuchtet mit sehr niedriger Helligkeit die unmittelbare Umgebung der Mine aus.
Damit wird das klassische Problem gelöst, nachts im Zelt, im Schlafsack oder auf der Rückbank eines Autos Notizen machen zu wollen: Entweder ist es zu dunkel, oder eine Stirnlampe blendet sofort. Mit dem Spitzenlicht bleiben:
- Augen entspannt
- die Umgebung dunkel
- das Geschriebene trotzdem gut lesbar
Gerade für Touren- oder Reisetagebücher, Checklisten für die Abreise oder schnelle Notizen aus der Nachtschicht ist das extrem praktisch.

Grüner Laserpointer – Präsentation und Markierung
Der grüne Laserpointer der Klasse 1 ist für Präsentationen gedacht, eignet sich aber auch für Outdoor-Einsätze, bei denen etwas auf Distanz gezeigt oder markiert werden soll:
- Wegverlauf an einer Felswand oder Karte zeigen
- Details auf einer Infotafel für Mitreisende hervorheben
- im Seminarraum oder im Vereinsheim eine Folie am Beamer erklären
Durch die Einstufung in Klasse 1 bleibt die Leistung innerhalb eines regulierten Rahmens. Trotzdem gelten klare Grundregeln: Laser niemals in Augen richten, nicht auf Fahrzeuge oder Flugzeuge zeigen und Kinder damit nicht unbeaufsichtigt spielen lassen. Im Camping-Alltag ist das vor allem eine Frage der Disziplin – der Punkt ist verlockend, aber eben kein Spielzeug.

Bedienung: Intuitiv statt Menülabyrinth
Die Bedienlogik des O’Pen 3 ist bewusst simpel gehalten. Im Wesentlichen gibt es zwei Elemente:
- einen Schiebeschalter, der festlegt, welche Funktion aktiv sein soll (Laser, Clip-Licht, Spitzenlicht)
- einen Taster, mit dem die gewählte Lichtquelle ein- und ausgeschaltet und durch die Helligkeitsstufen geschaltet wird
Das hat zwei Vorteile:
- Die Funktionen lassen sich auch im Dunkeln ertasten, ohne auf kleine Symbole achten zu müssen.
- Die Gefahr, versehentlich den Laser zu aktivieren, sinkt, weil vorher bewusst der entsprechende Modus gewählt werden muss.
Im Alltag zeigt sich: Nach kurzer Eingewöhnung greift die Hand automatisch zur richtigen Stellung. Wer den Stift immer auf die gleiche Art in der Tasche verstaut, braucht den Blick auf den Stift kaum noch.
Akku und Laden unterwegs
Im Inneren des O’Pen 3 steckt ein wiederaufladbarer Akku, geladen wird über USB-C. Der Clou: Der Ladeanschluss ist im Gehäuse versteckt. Zum Laden wird der Stift leicht auseinandergeschoben, dann kommt der USB-C-Port zum Vorschein.

Für Camping und Reisen ist das angenehm praktisch:
- Es wird kein Spezialladegerät benötigt, ein normales USB-C-Kabel reicht.
- Laden funktioniert an Powerbank, Auto, Laptop oder Solarpanel.
- Im Alltag ist der Port vor Staub, Dreck und Feuchtigkeit geschützt.
Die komplette Ladezeit liegt im Test bei knapp unter einer Stunde. Damit lässt sich der Stift gut nebenbei „vollmachen“ – etwa während des Kaffee-Kochens am Morgen oder beim Arbeiten am Laptop im Camper.

Wichtig ist die Einordnung: Der Akku ist auf das Stiftformat zugeschnitten. Der O’Pen 3 ist nicht dafür gedacht, über viele Stunden als einzige Lichtquelle im Camp zu dienen, sondern als flexibles Zusatzwerkzeug.
O’Pen 3 im Campingalltag – typische Szenarien
Im Van oder Wohnmobil
Im #MonsterBulli macht sich der Stift schnell unentbehrlich:
- Clip-Licht als flexible Innenraumbeleuchtung, wenn nur eine Ecke ausgeleuchtet werden soll
- Spitzenlicht und Kugelschreiber für Fahrtenbuch, Notizen und Checklisten
- Laser und Weißlicht für spontane Lagebesprechungen mit Karten oder Bauplänen
Der Stift passt ins Handschuhfach, in die Türablage oder an die Sonnenblende. Für alle, die zwischen „mobiles Büro“ und Freizeit pendeln, entsteht eine spannende Mischung aus Bürowerkzeug und Campinghelfer.
Im Zelt und Biwak
Im Zelt punktet der O’Pen 3 vor allem mit Rotlicht und Spitzenlicht:
- Rotlicht zum Orientieren in der Apsis, ohne den gesamten Schlafbereich zu erhellen
- Spitzenlicht, um Tagebuch zu schreiben, Routen zu notieren oder den Wetterbericht vom Vortag zu übertragen
- Weißlicht für die schnelle Zeltinspektion oder zum Kontrollieren der Heringe
Als Hauptlampe für Nachtwanderungen reicht das Leistungsprofil dagegen nicht aus – hier braucht es weiterhin Stirnlampe oder Taschenlampe mit deutlich mehr Power und Ausdauer.
Im Berufsalltag und auf Schulungen
Wer beruflich Präsentationen hält, Schulungen gibt oder Baustellen betreut, findet im O’Pen 3 eine kaum auffällige Kombination aus:
- hochwertigem Schreibgerät
- Arbeitslicht für Detailkontrollen
- Laserpointer für Skizzen am Plan, auf Folien oder an Objekten
Gerade dieser Spagat zwischen Konferenzraum und Campingplatz macht den Reiz des Stifts aus: Ein Tool, das im Meeting ebenso zu Hause ist wie am Campingtisch.
Grenzen und Kompromisse
Allein schon das Format zeigt: Der O’Pen 3 ist ein Kompromiss.
- Lichtleistung: 120 Lumen wirken in der Nähe sehr brauchbar, können aber eine richtige Taschen- oder Stirnlampe nicht ersetzen, wenn es über längere Zeit richtig hell sein soll.
- Akkukapazität: Der kleine Akku ist schnell wieder voll, aber bei dauerhafter Nutzung der hellen Stufe auch entsprechend schnell leer.
- Preis: Multifunktion in hochwertigem Gehäuse hat ihren Preis – im Vergleich zu einfachen Penlights oder Standardkulis liegt der O’Pen 3 deutlich höher.
Dafür erspart er einem drei separate Geräte: Stift, kleine Inspektionslampe und Laserpointer. Wer genau diese Kombination ohnehin nutzt, profitiert deutlich stärker als jemand, der nur „irgendein kleines Licht“ im Handschuhfach liegen haben möchte.
Fazit: Für wen lohnt sich der Olight O’Pen 3?
Der Olight O’Pen 3 ist kein klassisches Campinglicht, sondern ein EDC-Tool für eine recht spezielle Zielgruppe:
Spannend ist er für alle, die:
- regelmäßig schreiben, protokollieren oder dokumentieren
- Wert auf ein hochwertiges Schreibgerät legen
- eine kleine, flexible Lichtquelle immer griffbereit haben möchten
- hin und wieder einen Laserpointer nutzen, sei es in Besprechungen, Schulungen oder bei Lagebesprechungen draußen
Weniger passend ist er für alle, die:
- vor allem maximale Lichtleistung pro Euro suchen
- auf längeren Touren nur das Nötigste tragen und redundante Lichtquellen vermeiden
- lieber robuste, einfache Stirnlampen und Taschenlampen nutzen, die klar als solche erkennbar sind
Unterm Strich ist der O’Pen 3 ein Stift, den James Bond vermutlich mit einem knappen Nicken akzeptieren würde: elegant, unauffällig und voller Funktionen, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. Wer genau so etwas im Alltag und auf Tour sucht, bekommt ein interessantes Werkzeug. Wer dagegen eine reine Campinglampe plant, sollte weiterhin auf eine klassische Stirnlampe setzen – und den O’Pen 3 eher als komfortable Ergänzung betrachten.
