Potensic Atom 2 im Test: Ist das endlich die ultimative DJI-Alternative?

Starkes Bild, Tracking-Funktionen, fairer Preis – ist die Potensic Atom 2 eine echte Alternative zu DJI-Drohnen?

Atom 2 im Flug

Wer heute in die Welt der Kameradrohnen einsteigt, kommt an einem Namen kaum vorbei: DJI. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Mit der Atom 2 schickt Potensic eine kompakte Drohne ins Rennen, die vor allem eines verspricht: Viel Technik für wenig Geld. Aber kann der “Herausforderer” wirklich mit den Platzhirschen von DJI mithalten? Wir haben uns auf der CES 2026 in Las Vegas die Potensic Atom 2 ( ab ca. 330 Euro) genau angeschaut und prüfen jetzt in einem ausführlichen Test, ob sie das Zeug zum neuen Liebling für budgetbewusste Drohnen-Fans hat.

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Design und Setup: Nichts für den schnellen Quickshot

Die Potensic Atom 2 ist mit unter 249 Gramm ein echtes Fliegengewicht und damit ideal für den Rucksack. Doch wer glaubt, er könne sie wie eine DJI Neo oder die Konkurrenz von HoverAir einfach aus der Hand starten lassen, wird enttäuscht. Die Atom 2 ist eine eher „klassische“ Drohne. Das bedeutet: Drohne ausklappen, Fernsteuerung startklar machen, Smartphone einklemmen, App-Verbindung herstellen. Dieser Prozess kostet Zeit. In Situationen, in denen man nur kurz einen Gipfelmoment oder eine vorbeiziehende Wolkenstimmung einfangen will, ist das etwas träge. Wer Flexibilität und Spontaneität sucht, wird das Hantieren mit Kabeln und Controllern im Vergleich zu modernen Selfie-Drohnen als Einschränkung empfinden.

Atom 2 auf Pad
Nix mit Handstart oder Gestenkontrolle: Die Atom 2 startet klassisch vom Boden.
© OutdoorMonster

Videoqualität: „Ready to Share“ mit Grenzen

Bei Tageslicht liefert die Atom 2 für eine günstige Drohne beeindruckende Ergebnisse. Die 4K HDR-Videos mit bis zu 30 fps bestechen durch kräftige Farben und klare Details. Potensic hat die interne Bildverarbeitung stark auf einen „fertigen“ Look getrimmt: Sättigung und Kontrast sind hoch, was die Aufnahmen direkt bereit für Social Media macht.

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Ein Firmware-Update (Version 1.1.4/2.5.8) behebt zudem einen der größten Kritikpunkte: Die früher oft zu aggressive interne Bildverarbeitung lässt sich nun besser den eigenen Vorstellungen anpassen. Konkret können Piloten Sättigung und Schärfe nun manuell reduzieren, was auf Wunsch deutlich natürlichere Ergebnisse liefert. Auch die neue Spot-Belichtung hilft enorm dabei, in kontrastreichen Outdoor-Szenen die Kontrolle über das Bild zu behalten. Dabei misst die Atom 2 das Licht gezielt in einem kleinen Bildbereich, etwa auf einem hellen Himmel oder einem dunklen Vordergrund. So verhindert man Über- oder Unterbelichtung und behält auch bei starken Helligkeitsunterschieden die Kontrolle über das Motiv.

Atom 2 Foto
Die Fotoqualität der Potensic Atom 2 ist für einen Budget‑Mini‑Copter ebenfalls ordentlich.
© OutdoorMonster

Für Profis gibt es dennoch einen Haken. Mit einer Bitrate von 80 Mbit/s liegt die Atom 2 deutlich hinter Modellen wie der DJI Flip (bis zu 150 Mbit/s) zurück. In komplexen Szenen – etwa wenn man über einen detailreichen Wald fliegt – fehlen die feinen Datenreserven für die Nachbearbeitung. Zeitlupen sind ferner bis zu 5-fach möglich, allerdings nur in Full-HD-Auflösung.

Wenn das Licht geht: Der AI-Nachtmodus

Potensic wirbt ferner mit einem speziellen AI-Nachtmodus. In der Praxis zeigt sich hier jedoch die physikalische Grenze des kleinen 1/3-Zoll-Sensors der Atom 2. Zwar wird das Rauschen softwareseitig ein wenig reduziert, doch das Bild verliert an Schärfe und neigt zu Fehlbelichtungen. Im direkten Vergleich zu einer DJI Flip oder der X1 Promax zieht die Atom 2 in der Dämmerung definitiv den Kürzeren.

Atom 2 Nachtmodus
Der AI‑Night‑Video hebt Schatten sichtbar an, die Qualität wirkt aber weich und rauschig.
© OutdoorMonster

Flugverhalten: Schnelle, aber ohne Hinderniserkennung

In puncto Flugleistung ist die Atom 2 eine kleine Rakete. Im Sportmodus beschleunigt sie auf beachtliche 58,7 km/h. Auch bei Wind liegt sie erstaunlich stabil in der Luft. Die Steuerung reagiert außerdem direkt und präzise – macht Laune. Aber Achtung: Die Atom 2 verfügt nur an der Unterseite über Hindernissensoren und entsprechend über kein automatisches Ausweich- oder Bremssystem. Im Test unterschätzten wir einmal den Bremsweg, und die Drohne landete unsanft in einem Busch. Zwar blieb sie dank der soliden Verarbeitung unbeschädigt, aber es verdeutlicht: Man ist hier zu 100 % selbst verantwortlich. Fast alle DJI Drohnen sind in diesem Punkt besser aufgestellt.


Atom 2 Fernbedienung
Die Fernbedienung hinterlässt qualitativ einen sehr guten Eindruck, ist aber verhältnismäßig groß. © OutdoorMonster

Atom 2: Tracking mit Hindernissen

Ebenfalls nicht so gut haben uns die Tracking-Features gefallen, konkret der die Verfolgungsfunktion („Follow Me“). Die Idee ist, auf dem Display ein Motiv auszuwählen, dem dann die Atom 2 automatisch folgt. Das funktioniert im Prinzip gut, es gibt aber zwei große Einschränkungen.

  1. Eingeschränkter Winkel: Der Kamerawinkel im Follow-Modus ist auf -75° bis -25° festgeschrieben.
  2. Positionierung: Die Drohne kann das Motiv nur von oben / hinten verfolgen. Aufnahmen von der Seite oder von vorne sind nicht möglich.

Das bedeutet: Im freien Gelände funktioniert das Tracking ordentlich. Sobald man aber zum Beispiel im Wald unterwegs ist, ist das System kaum zu gebrauchen. Da die Drohne recht hoch fliegen muss, um den Winkel zu halten, verliert sie im dichten Blätterdach schnell das Ziel oder kollidiert mit Ästen, da sie eben nicht seitlich ausweichen kann. Drohnen wie die DJI Neo 2 zeigen eindrucksvoll, wie das gut das inzwischen funktionieren kann.

RTH-Dilemma: Ein Stress-Check bei Nacht

Ein kritischer Moment in unserem Test war zudem der Einsatz der Return to Home (RTH) Funktion während eines Nachtflugs. Nachdem wir den AI-Nachtmodus getestet hatten, sollte die Drohne automatisch zum Startpunkt zurückkehren. Sie stieg auf die korrekte Sicherheitshöhe – doch dann verloren wir sie auf einem aus den Augen. Noch viel schlimmer: Trotz GPS-Verbindung leitete die Atom 2 den Rückflug nicht ein – und das über Wasser. In der Dunkelheit wurde dies schnell zur Stresssituation:

  • Der Akku neigte sich immer mehr dem Ende zu.
  • Die Position auf der Karte war ungenau.
  • Sichtbarkeit: Die Atom 2 hat nur auf der Rückseite eine LED. Fliegt sie auf einen zu, ist sie am Nachthimmel praktisch unsichtbar.

Nur durch Nerven aus Stahl und einer Landung auf einer beleuchteten Straße konnten wir die Drohne retten. Solche Erlebnisse zeigen, dass man den Automatikfunktionen bei nicht immer blind vertrauen darf.

Atom 2: Zubehör und Preis-Leistung

Hier spielt die Potensic ihren größten Trumpf aus. Das Standardpaket für rund 330 Euro ist fair, aber die Fly More Combo für ca. 450 Euro ist der bessere Deal. Mit drei Akkus kommt man auf eine theoretische Flugzeit von 96 Minuten. In der Praxis sind es eher 80 Minuten, was für einen ausgiebigen Flugtag dennoch ausreichend sein sollte. Die Tasche und die Ladestation sind hochwertig verarbeitet und unterstreichen den soliden Gesamteindruck der Hardware.

Der „Elefant im Raum“ ist allerdings die DJI Neo 2, die wir aufgrund ihres genialen Handstarts, der ansprechenden Videoqualität und des enormen Spaßfaktors inzwischen als Referenz für Freizeitdrohnen betrachten. Und das Teil gibt es bereits ab 239 Euro! Dennoch behält die Potensic Atom 2 aus unserer Sicht eine Daseinsberechtigung als ernsthafteres Werkzeug für klassische Landschaftsaufnahmen: Während die Neo 2 eher die „Action-Cam der Lüfte“ für schnelle Reels und Selfies ist, liefert die Atom 2 mit ihrem echten, mechanischen 3-Achsen-Gimbal eine filmische Ruhe im Bild, die das 2-Achsen-System der Neo trotz digitaler Stabilisierung nie ganz erreicht.

Zudem spielt die Potensic im rauen Outdoor-Einsatz ihre bessere Windstabilität und die höhere Reichweite aus, was sie im alpinen Gelände zum verlässlicheren Partner macht. Wer also nicht nur spontane Action-Clips, sondern butterweiche, klassische Panoramaflüge über Bergkämme sucht, findet in der Atom 2 das passendere Arbeitstier, auch wenn die Neo 2 in Sachen Spontaneität und KI-Funktionen zweifellos die Nase vorn hat.

Atom 2 im Flug
Die Potensic Atom 2 kommt mit Wind bis etwa Stärke 5 (ca. 10,7 m/s bzw. rund 38 km/h) gut zurecht und bleibt dabei stabil steuerbar. © OutdoorMonster

Preislich positioniert sich die Potensic Atom 2 damit als interessante Alternative zwischen den Einsteiger-Modellen von DJI. Während die preislich ähnliche DJI Mini 4K (ca. 299 €) bei 30 FPS limitiert ist und kein Tracking bietet, punktet die Atom 2 bereits mit 4K60 und intelligenten Folgemodi. Selbst im Vergleich zur teureren DJI Mini 3 hat die Potensic bei der Bildrate die Nase vorn. Man bekommt hier also Hardware-Features, für die man beim Marktführer meist erst in die 500-Euro-Klasse (wie zur Mini 4 Pro) aufsteigen müsste. Wer auf das Prestige und die letzte Nuance Software-Perfektion von DJI verzichten kann, erhält mit der Atom 2 ein Paket, das technisch deutlich über seiner Preisklasse spielt.

Fazit: Für wen ist die Potensic Atom 2 geeignet?

Die Potensic Atom 2 ist eine Drohne der Gegensätze. Hardwareseitig bietet sie für rund 330 Euro (bzw. 450 Euro im Fly More Combo) ein Paket an, das bei DJI deutlich teurer wäre. Wer ruhige, filmische Landschaftsaufnahmen mit einem echten 3-Achsen-Gimbal sucht und ein begrenztes Budget hat, bekommt hier ein grundsolides Arbeitstier, das dank aktueller Firmware-Updates auch bei der Bildkontrolle überzeugt. Allerdings ist sie keine „Sorglos-Drohne“. Das fehlende Ausweichsystem, das relativ komplizierte Handling und das eingeschränkte Tracking sind Negativpunkte, die man auf dem Zettel haben sollte.

  • Finger weg, wenn du eine Drohne suchst, die dich autonom durch den Wald verfolgt, oder wenn du absolute Verlässlichkeit bei den Sicherheitsfeatures (RTH) erwartest.
  • Kaufen, wenn du klassische Landschaftsfotografie betreibst, gerne manuell fliegst und maximale Hardware-Specs für wenig Geld suchst.

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