Eigentlich klingt die Rechnung ziemlich einfach: Je mehr Arbeit Roboter im Haushalt übernehmen, desto mehr Zeit bleibt fürs Reisen, Campen oder einfach für die angenehmeren Dinge des Lebens. Bei uns kümmern sich inzwischen gleich mehrere Maschinen um Aufgaben, für die früher Staubsauger, Wischmopp oder Fensterabzieher aus dem Schrank geholt werden mussten.
Zwei der aktuell spannendsten Vertreter kommen von ECOVACS. Der DEEBOT X12 OmniCyclone saugt und wischt unsere Böden, während der WINBOT W3 OMNI die Fenster übernimmt. Beide haben wir ausführlich getestet, beide nehmen uns Arbeit ab – allerdings auf erstaunlich unterschiedliche Weise.
Denn nach mehreren Monaten mit Haushaltsrobotern wird deutlich: Automatisierung bedeutet nicht automatisch Zeitersparnis. Manchmal übernimmt ein Roboter tatsächlich eine komplette Aufgabe. Manchmal macht er dagegen nur den anstrengendsten Teil davon. Und dieser Unterschied ist größer, als wir zunächst gedacht hätten.
Beim Saugroboter funktioniert das Prinzip inzwischen fast wie gedacht
Bei einem modernen Saug-Wischroboter ist die Rollenverteilung ziemlich eindeutig. Wir starten den DEEBOT X12 OmniCyclone und können anschließend etwas anderes machen.
Das klingt banal, ist aber der entscheidende Punkt. Der Roboter fährt selbstständig durch die Wohnung, erkennt Räume und Bodenarten und kümmert sich nicht nur um Staub und Krümel. Mit seiner Wischwalze bearbeitet er Hartböden zusätzlich nass. In unserem Test konnte er sogar hartnäckige Flecken gezielt mit Wasser vorbehandeln.

Natürlich funktioniert auch das nicht vollkommen ohne menschliche Hilfe. Frisch- und Schmutzwasser verschwinden nicht auf magische Weise und irgendwann muss auch der gesammelte Staub aus der Station. Trotzdem hat sich das Verhältnis zwischen eigener Arbeit und automatisierter Reinigung deutlich verschoben.
Wir kümmern uns um die Rahmenbedingungen. Der Roboter erledigt den eigentlichen Job. Genau das ist für uns inzwischen die wichtigste Definition eines Haushaltsroboters.
Beim Fensterputzen sieht die Sache anders aus
Beim WINBOT W3 OMNI hatten wir zunächst dieselbe Erwartung. Roboter an die Scheibe, Start drücken und anschließend etwas anderes erledigen. Ganz so funktioniert Fensterputzen allerdings nicht.

Der WINBOT reinigt eine Scheibe selbstständig und nimmt uns dabei tatsächlich den mit Abstand unangenehmsten Teil der Arbeit ab. In unserem Test musste er gegen rund ein halbes Jahr angesammelten Staub, Pollen und getrocknete Regenränder antreten. Gerade im Intensiv- beziehungsweise Tiefenreinigungsmodus wurden die großen Glasflächen wieder richtig sauber.
Danach wartet der Roboter allerdings auf uns. Er kann schließlich nicht selbstständig von der Terrassentür zum Küchenfenster fahren. Wir müssen ihn abnehmen, gegebenenfalls das Pad wechseln und ihn an der nächsten Scheibe wieder ansetzen.
Damit verändert sich die Rechnung.
Der Fensterroboter spart weniger Zeit – aber deutlich mehr Kraft
Das war eine der interessantesten Erkenntnisse unseres WINBOT-Tests. Während der Roboter arbeitet, kann man zwar Mails beantworten, die Küche aufräumen oder andere Dinge erledigen. Komplett verschwinden sollte man aber nicht, denn irgendwann ist die Scheibe fertig und der Roboter möchte umgesetzt werden.
Wer erwartet, den WINBOT morgens einzuschalten und zwei Stunden später in ein komplett geputztes Haus zurückzukommen, erwartet deshalb zu viel.
Trotzdem möchten wir die Arbeit nicht mehr unbedingt selbst machen. Denn beim Fensterputzen geht es nicht ausschließlich um Minuten. Es geht um Eimer, Abzieher, nasse Ärmel, ausgestreckte Arme und bei großen Glasflächen irgendwann auch um Schultern, die ziemlich genau wissen, was sie an diesem Nachmittag geleistet haben.
Genau diese Arbeit übernimmt der WINBOT, er schenkt uns also weniger freie Zeit als der DEEBOT – dafür erspart er uns einen großen Teil der körperlich unangenehmen Arbeit.
Die Waschstation verändert beim WINBOT erstaunlich viel
Interessant ist dabei, dass ausgerechnet die Station des WINBOT W3 OMNI einen Teil des größten bisherigen Nervfaktors bei Fensterrobotern beseitigt.
Bei unserem Test haben wir mit zwei Pads gearbeitet. Sobald eine Scheibe fertig war, kam das verschmutzte Pad in die Station. Dort wird es gewaschen und für den nächsten Einsatz vorbereitet, während das zweite Pad bereits am Roboter sitzt.

Dadurch entsteht ein ziemlich angenehmer Rhythmus: Fenster fertig, Roboter abnehmen, Pad wechseln, nächste Scheibe. Vollautomatisch ist das noch immer nicht. Verglichen mit manuellem Fensterputzen reduziert sich die eigene Arbeit aber auf die Handgriffe zwischen den einzelnen Scheiben.
Und genau hier zeigt sich, dass man Haushaltsroboter vielleicht nicht allein danach beurteilen sollte, wie viele Minuten sie sparen.
Beim DEEBOT zählt dagegen jede Minute, in der wir nicht zu Hause sein müssen
Der DEEBOT X12 OmniCyclone spielt seine Stärke an einer ganz anderen Stelle aus. Wenn er arbeitet, müssen wir nicht danebenstehen.
Wir können schreiben, einkaufen oder unterwegs sein. Die OmniCyclone-Station sammelt den Schmutz und reinigt außerdem die Wischwalze. ECOVACS gibt für den Staubbehälter bis zu 48 Tage ohne manuelles Entleeren an. Wie lange es tatsächlich dauert, hängt natürlich davon ab, wie viel Schmutz bei Euch anfällt.

Für unseren Vergleich ist ohnehin etwas anderes entscheidend: Die Reinigung läuft weiter, ohne dass wir den Roboter von Raum zu Raum tragen müssen.
Das ist echte Zeitersparnis.
Welcher Roboter nimmt uns also mehr Arbeit ab?
Wenn es ausschließlich um freie Zeit geht, ist die Antwort für uns eindeutig: Der DEEBOT X12 OmniCyclone gewinnt.
Ein Saug-Wischroboter kann eine regelmäßig wiederkehrende Haushaltsaufgabe weitgehend übernehmen, während wir etwas vollkommen anderes machen. Genau deshalb verändert ein guter Saugroboter den Alltag stärker als viele andere Smart-Home-Geräte.

Beim WINBOT W3 OMNI fällt unser Urteil etwas differenzierter aus. Er braucht uns weiterhin zwischen den einzelnen Fenstern und ist deshalb kein autonomer Haushaltshelfer im selben Sinne. Dafür übernimmt er eine Arbeit, auf die wir persönlich noch deutlich weniger Lust haben als aufs Staubsaugen.
Das führt zu einer etwas überraschenden Erkenntnis: Der DEEBOT spart uns mehr Zeit. Der WINBOT erspart uns die unangenehmere Arbeit.
Welchen der beiden würden wir zuerst kaufen?
Wer noch keinen Haushaltsroboter besitzt und möglichst viel Zeit zurückgewinnen möchte, sollte aus unserer Sicht zuerst über einen guten Saug-Wischroboter nachdenken. Er arbeitet regelmäßig und die gesparte Zeit summiert sich Woche für Woche.
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Ein Fensterroboter ist dagegen viel stärker von der Wohnsituation abhängig. Bei zwei kleinen Fenstern in einer Stadtwohnung wäre uns der Aufwand zu groß. Wer dagegen ein Haus mit großen Terrassentüren, Wintergarten oder zahlreichen schwer erreichbaren Glasflächen besitzt, bekommt eine vollkommen andere Rechnung.
Genau dort hat uns der WINBOT W3 OMNI im Test gefallen. Nicht, weil wir plötzlich überhaupt nichts mehr tun mussten. Sondern weil wir nach einem kompletten Erdgeschoss eben nicht selbst sämtliche Scheiben geschrubbt hatten.
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Für uns zeigt der Vergleich deshalb auch, wohin Haushaltsrobotik eigentlich gehen muss. Die spannendste Funktion ist nicht die höchste Saugleistung, die cleverste KI oder die aufwendigste Station.
Entscheidend ist am Ende nur eine Frage: Wie viel von einer ungeliebten Arbeit bleibt tatsächlich noch an uns hängen? Beim DEEBOT X12 OmniCyclone ist es inzwischen erstaunlich wenig. Beim WINBOT W3 OMNI ist es noch mehr – aber genau den anstrengendsten Teil erledigt auch er bereits für uns.
Und wenn dadurch am Wochenende etwas mehr Zeit oder zumindest etwas mehr Energie für die nächste Tour übrig bleibt, hat die Technik ihren eigentlichen Zweck erfüllt.
