Soundcore Sleep A30 im Test: Erst im Bett zeigt sich der Clou

Tagsüber zählen bei In-Ears Klang und Bedienung. Nachts nicht. Die Soundcore A30 beweisen, warum Technik im Bett andere Regeln braucht.


Besser schlafen mit Technik im Ohr? Klingt erstmal paradox. Doch wer schon mal im Zelt lag, während nebenan die Campingnachbarn feiern oder der Wind an der Zeltplane zerrt, weiß: Manchmal braucht’s mehr als Ohropax. Die Soundcore Sleep A30 von Anker versprechen genau das. Ob das Konzept aufgeht, zeigt der Test.

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Meine Schlaf-Story: Von Fesselspielen und Labersyndrom

Schlafprobleme im klassischen Sinne hatte ich nie. Denn schon in Schule und Uni zeigte sich, dass referierende Menschen auf mich eine einschläfernde Wirkung haben. Bis heute höre ich deshalb gerne ruhige Podcasts aus den Bereichen Fußball, Fitness oder Technik, um einzuschlafen. Mit der Kopfhörer-Situation war ich dabei jedoch nie wirklich zufrieden. Bisher griff ich entweder zu unbequemen In-Ears wie den AirPods 2 oder zu flachen, gepolsterten On-Ear-Kopfhörern wie den Panasonic RP-HT030E-S.

Beide Lösungen haben aber klare Nachteile. In-Ears wie meine AirPods Pro drücken nach einiger Zeit, sind generell unbequem und fallen oft aus dem Ohr.  Flache On-Ears mit Kablen fesseln mich dagegen beim Schlafen, decken Umgebungsgeräusche nur unzureichend ab und scheitern früher oder später immer wieder an Kabelbrüchen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die entscheidende Frage: Können die Soundcore Sleep A30 mit aktiver Geräuschunterdrückung diese Probleme tatsächlich lösen?

Design und Ladeetui: konsequent auf den Schlaf ausgelegt

Schon das Ladeetui zeigt, dass Anker die Sleep A30 explizit aufs Schlafthema ausgelegt hat. Statt eines Klappdeckels kommt ein Schiebemechanismus zum Einsatz, der sich nahezu geräuschlos öffnen und schließen lässt. Die Stöpsel werden ferner magnetisch im Case gehalten und beim Öffnen des Etuis durch integrierte LEDs dezent beleuchtet. Selbst bei völliger Dunkelheit lassen sie sich dadurch sicher entnehmen. Die Kehrseite: Für die Hosentasche ist das Ladecase definitiv zu groß.

Die LED im Case sind bei Dunkelheit ein Pluspunkt. @ OutdoorMonster

Die Ohrhörer selbst fallen durch ihre sehr flache Bauform auf, so dass sie im Vergleich zu klassischen Bluetooth-In-Ears sie deutlich weniger aus dem Ohr hervorstehen. Möglich macht das eine konstruktive Besonderheit: Ein Teil der Technik für die aktive Geräuschunterdrückung sitzt im Ladeetui und nicht direkt in den Stöpseln. Das bedeutet, die Sleep A30 sollten sich stets in der Nähe des Etuis befinden. Für den Einsatz im Bett stellt das jedoch kein praktisches Hindernis dar.

Sleep A30: Top Tragekomfort auch für Seitenschläfer

Soundcore bewirbt die Sleep A30 ausdrücklich als geeignet für Seitenschläfer. Dieses Versprechen lösen die Stöpsel im Test überzeugend ein. Selbst bei mehreren Nächten hintereinander entstand bei mir auf jeden Fall kein unangenehmer Druck im Ohr. Ganz im Gegenteil: Ich hatte im Bett noch nie so bequeme Ohrhörer an. Voraussetzung ist allerdings eine sorgfältige Anpassung. Im Lieferumfang befinden sich aus diesem Grund Silikonflügel in drei Größen, Silikonaufsätze in vier Größen sowie Memory-Foam-Aufsätze in drei Varianten.

Den Sleep A30 liegt eine stattliche Auswahl an verschiedenen Aufsätzen bei. @ OutdoorMonster

Dazu muss man wissen: Silikon ist langlebig, hygienisch und druckfrei, dichtet aber Umgebungsgeräusche weniger stark ab. Memory-Foam bietet dagegen bessere Schalldämmung und Halt, muss man aber aufgrund von Verschleiß ab und an ersetzen. Zudem empfinden sie einige Menschen als unbequem. Einen automatischen Passformtest bietet die leider App nicht, sodass ich mehrere Nächte brauchte, um die ideale Kombination zu finden.

Das hat sich aber anscheinend gelohnt: Mit den Sleep A30 im Ohr spuckte meine Garmin Fenix 8 einen der höchsten Schlafscores aus, die ich je hatte. Vor allem der Punkt „Wach/Unruhe“ fiel mit den Sleep A30 erstaunlich „gut“ aus. Der steht sonst oft bei „schlecht“, da ich des nachts sonst öfter von schreienden Katzen, bettelnden Hunden oder unvorsichtigen Teenagern aus dem Schlaf gerissen werde.

Nicht schlecht: Nach der ersten Nacht mit den Sleep 30 attestierte mir meine Garmin Fenix 8 einen erstklassigen SleepScore. @ OutdoorMonster

Sleep A30: Vergleich zu klassischen In-Ears

Im direkten Vergleich zu klassischen In-Ear-Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung zeigen sich weitere konzeptionelle Unterschiede. Zum Beispiel den AirPods Pro, die ich sonst nutze. Die AirPods Pro sind für den Alltag, für Reisen und für den mobilen Einsatz zweifellos die bessere Wahl. Ihre aktive Geräuschunterdrückung arbeitet breitbandig und reduziert monotone Geräusche wie Motorenlärm im Flugzeug sehr effektiv. Zudem harmonisieren sie im Alltag perfekt mit meinem iPhone.

Erstaunlich, wie viel größer die AirPods Pro im Vergleich zu den Sleep A30 ausfallen. @ OutdoorMonster

Die Sleep A30 verfolgen einen anderen Ansatz. Ihre aktive Geräuschunterdrückung ist gezielt auf typische Schlafumgebungen abgestimmt. Leise und gleichmäßige Geräusche wie Rascheln, Ventilatoren oder entfernte Umgebungsgeräusche dämpfen sie eher als typische Alltagsgeräusche. Schnarchgeräusche zwar ebenfalls gedämpft, verschwinden aber leider nicht vollständig.

Klangqualität: zweckmäßig für den Schlaf

Die Klangqualität der Sleep A30 ist ebenfalls klar auf den nächtlichen Einsatz ausgelegt und unterscheidet sich damit deutlich von klassischen Premium-In-Ears. Zusammengefasst liefern die Soundcore Sleep A30 eine gute, eher bassbetonte Allround-Klangqualität. Stimmen wirken warm und präsent, die Wiedergabe bleibt auch bei niedrigen Lautstärken angenehm und verständlich. Gerade Podcasts, Hörbücher oder ruhige Musik profitieren davon, weil Sprache nicht dünn oder schrill klingt.

Im direkten Vergleich bieten meine AirPods Pro 2 eine neutralere, detailreichere Klangabstimmung mit einer offeneren Bühne und feinerer Auflösung. Sie wirken insgesamt klanglich hochwertiger, im Speziellen bei der Musikwiedergabe. Die Sleep A30 setzen dagegen bewusst andere Schwerpunkte. Ihre etwas kompaktere Bühne und die stärkere Bassbetonung wirken in ruhigen Nächten durchaus angenehm und unaufdringlich. Positiv fällt zudem die automatische Abschaltung der Wiedergabe auf, sobald die Stöpsel erkennen, dass der Nutzer eingeschlafen ist. Das spart Akku und verhindert, dass Inhalte die ganze Nacht weiterlaufen.

Sleep A30: App, Akku und Alltagstauglichkeit

Die Soundcore-App ergänzt die Hardware sinnvoll. Sie erlaubt das Einrichten von bis zu fünf Weckzeiten direkt in den Stöpseln. Der Weckton ertönt ausschließlich im Ohr und stört keine weiteren Personen. Die Auswahl an Wecktönen ist allerdings mit deren vier sehr übersichtlich.

Über die Soundcore-App lassen sich etwa entspannende Klänge abspielen und Wecker stellen. @ OutdoorMonster

Im lokalen Modus erreichen die Sleep A30 ferner eine Akkulaufzeit von rund neun Stunden. Das Ladeetui ermöglicht bis zu fünf vollständige Nachladungen, sodass bei regelmäßiger Nutzung eine wöchentliche Ladung ausreicht. Im Bluetooth-Betrieb reduziert sich die Laufzeit auf etwa sechs Stunden. Da sich die A30 auf Wunsch nach de Einschlafen automatisch abschalten, sollte das aber selbst für Langschläfer kein Thema sein. In meinem Fall hatte ich morgens meist noch 30 bis 40 Prozent Akku übrig. Ebenfalls gut: Bei leerem Akku schalten sich die Stöpsel geräuschlos ab und vermeiden so ein abruptes Wecken.

Sleep A30: Was mir nicht gefällt

Ganz ohne Kritik kommen die Soundcore Sleep A30 allerdings nicht aus. Die Bedienung ist zwar flexibel und erlaubt auch einen Betrieb ohne Smartphone. Sie wirkt im Vergleich zu klassischen Premium-In-Ears wie den AirPods Pro jedoch zuweilen fummelig. Vor allem die Touch-Steuerung reagiert nicht so gut, wie ich es von meinen AirPods Pro gewohnt bin. Das liegt aber wohl an einer bewussten Designentscheidung: Denn die Sleep A30 nutzen einen Beschleunigungssensor, um versehentliche Eingaben im Schlaf zu vermeiden, etwa durch Kontakt mit dem Kopfkissen. In der Praxis bedeutet das, dass Gesten deutlich kräftiger ausgeführt werden müssen. Ein leichtes Antippen oder Streichen reicht daher nicht aus.

Wenn ich mit den Soundcore A30 einschlafe, dann nach einiger Zeit wieder aufwache, und dann weiter Podcasts hören will, nervt eine weitere Sache ganz gewaltig: Zwar steht zwar laut iPhone die Bluetooth-Verbindung, tatsächlich kommt der Sound dann aber aus dem Smartphone. Ich muss dann die A30 aus dem Ohr fummeln, in die Ladeschale legen und dann wieder ins Ohr einsetzen, um weiterhören zu können. Der Grund liegt vermutlich in der automatischen Abschaltung, die die Stöpsel von der Ladeschale, die Ladeschale aber nicht vom Smartphone trennt.

Die Touch-Bedienung funktioniert nicht immer wie gewünscht. @ OutdoorMonster

Ebenfalls schlecht gelöst: Registriert man anhand der sinkenden Lautstärke, dass die Abschaltautomatik greift, gibt es anscheinend keine Möglichkeit, diesen Vorgang zu stoppen. Bei mir hat zumindest weder wildes Kopfschütteln noch Tippen auf die Stöpsel geholfen. Dann muss man die A30 wieder ins Case legen und herausholen, um weiterhören zu können. 

Hinzu kommt, dass Gesten- und Sprachsteuerung komplett fehlt. Funktionen wie das Umschalten von Modi oder die Lautstärkeregelung per Sprachbefehl, wie sie etwa bei den AirPods Pro möglich sind, bieten die Sleep A30 nicht. Wer diese Komfortfunktionen gewohnt ist, muss sich umstellen.

Fazit Soundcore Sleep A30:

Keine Frage: Klassische In-Ears wie die AirPods Pro sind in puncto Klangqualität und Bedienkomfort klar im Vorteil. Sie bieten die neutralere Abstimmung, die größere Detailtiefe und die intuitivere Steuerung. Für den Alltag, für Reisen und für bewusstes Musikhören sind sie daher definitiv die bessere Wahl.

Die Soundcore Sleep A30 verfolgen jedoch ein völlig anderes Ziel. Sie sind kein Allround-Kopfhörer, sondern ein spezialisiertes Werkzeug für ein sehr konkretes Einsatzgebiet: Schlaf. Und genau hier punkten sie. Der hohe Tragekomfort, die flache Bauform für Seitenschläfer, die schlafspezifischen Funktionen und die gezielte Geräuschreduktion sind im Bett unschätzbare Pluspunkte (auch wenn es noch einige Kinderkrankheiten gibt).

Und ja, günstig sind die Sleep A30 mit einer UVP von 250 Euro (aktuell aber reduziert bei Amazon auf 179 Euro) leider nicht. Der Preis relativiert sich aber. Denn am Ende des Tages sind es genau diese Kopfhörer, die ich inzwischen am häufigsten trage – Nacht für Nacht. Und letztlich ist guter Schlaf doch unbezahlbar, oder?


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