Selfie Drohnen haben sich zu einem der spannendsten Begleiter für Outdoorfans entwickelt. Sie sind klein, passen in die Jackentasche und filmen dich automatisch beim Laufen, Wandern, Biken oder einfach beim Erkunden neuer Orte. Lange Zeit gab es hier eine klare Rangordnung: Auf der einen Seite die DJI Neo als günstiges Einstiegsmodell (aber mit deutlichen Schwächen) und auf der anderen Seite die Hoverair X1 Promax mit deutliche besserer Videoqualität und fortschrittlicheren Trackingfunktionen. Doch nun hat das Imperium in Form von DJI wieder zurückgeschlagen und mit der Neo 2 seine Selfie-Drohne rundum verbessert. Die spannende Frage: Kann die Hoverair X1 Promax ihren Titel als beste Selfie-Drohne trotzdem verteidigen? Unser Duell zeigt es.
Design und Transport
Obwohl beide Modelle einen stabilen Eindruck im Außeneinsatz hinterlassen, unterscheiden sie sich fundamental im Design. Die DJI Neo 2 setzt auf Leichtigkeit und einen fest integrierten, starren Rotorenschutzring, der insbesondere bei Flügen in dichter Vegetation ein beruhigendes Gefühl von Sicherheit vermittelt. Das dachten wir auch bei X1 Promax, die ebenfalls auf ein geschlossenes Käfig-Design setzt.

Allerdings musste sie schon zweimal zur Reparatur. Ein Crash führte zu einem Rotor-, ein anderer zu einem Gimbal-Schaden. Da haben wir ehrlich gesagt ein wenig das Vertrauen verloren. Die Neo 2 macht einen etwas solideren Eindruck, auch wenn der neue Zwei-Achsen-Gimbal im Vergleich zum starren Vorgänger aus unserer Sicht eine potenzielle Schwachstelle darstellt. Verlässliche Langzeitdaten zur Crash-Resistenz können wir aber natürlich noch nicht bieten.

Trotzdem gefällt uns unterm Strich das Design der X1 Promax besser. Ihr praktischer Faltmechanismus ermöglicht einen unkomplizierten Transport und macht die Drohne so besser für spontane Einsätze.
Punkt für die X1 Promax
Videoqualität: X1 Promax punktet mit 8K
Hier zeigt die HoverAir X1 Promax ihre größte Stärke. Der Sensor ist deutlich größer als bei der Neo 2 und ermöglicht echte 8K-Aufnahmen mit dreißig Bildern pro Sekunde. Das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl. In der Praxis erlaubt dir diese Auflösung, später problemlos auf 4K-Ausschnitte zu zoomen oder einzelne Bereiche des Bildes zu reframen. Du kannst also theoretisch aus einer Aufnahme mehrere Varianten erstellen, ohne dass die Qualität sichtbar leidet. Dazu filmt die Promax in 4K mit bis zu einhundertzwanzig Bildern pro Sekunde. Besonders Bewegungen wie Sprünge, Trails oder schnelle Schritte fängt die Drohne dadurch eindrucksvoll ein.
Die hohe Bitrate von bis zu einhundertsechzig Megabit pro Sekunde sorgt ferner dafür, dass die X1 Promax Details wie Gras, Steinstrukturen oder Wasseroberflächen noch sauberer als die Neo 2 darstellt. Hinzu kommt die Unterstützung von 10-Bit H Log und HLG. Das ist vor allem für Nutzer ein Vorteil, die ihre Aufnahmen in DaVinci Resolve oder Premiere später farblich anpassen möchten, Stichwort Color Grading. Die X1 Promax richtet sich damit eher an Nutzer, die nicht nur eine kleine Selfie-Drohen suchen, sondern auch hohen Wert auf Bildqualität legen.
Die DJI Neo 2 arbeitet dagegen mit einem kleineren Sensor und erreicht 4K mit sechzig Bildern sowie Zeitlupe mit hundert Bildern pro Sekunde. Die Bildqualität bleibt dennoch für den privaten Einsatz überzeugend. Kurzum: Wer bestmögliche Bildqualität, höchste Auflösung und professionelle Nachbearbeitung verlangt, für den ist die X1 Promax die bessere Wahl.
Punkt für die X1 Promax
Akku und Flugzeit: Beide schwach
Je nach Wind und Höhenlage erreichst man mit der Neo 2 etwa zwölf bis dreizehn Minuten Flugzeit. Die X1 Promax liegt sogar noch etwas darunter. Durch den größeren Sensor und die höhere Rechenleistung hält sie meist zwischen zehn und zwölf Minuten durch. Besonders beim Filmen in hoher Bildrate verbraucht die Drohne spürbar mehr Energie. Für kurze Selfie Sequenzen reicht das bei beiden Drohnen locker. Für längere Verfolgungsaufnahmen oder mehrere Takes hintereinander sollte man aber am besten mindestens zwei Ersatzakkus dabeihaben.

Übrigens: Während ein Ersatzakku für die DJI Neo 2 vergleichsweise günstig bei etwa 40 Euro liegt, muss man für den Energiespeicher der X1 Pro Max mit rund 70 Euro deutlich mehr auf den Tisch legen. Unabhängig davon ist die Akkuleistung weder bei der Neo 2 noch bei der X1 Promax berühmt. Daher…
Unentschieden
Selfie Modi und Automatikprogramme
In Bezug auf die Automatikmodi unterscheiden sich die beiden Systeme in ihrer grundlegenden Philosophie. Doch der Reihe nach: Die HoverAir X1 Promax bietet quantitativ die größere Auswahl an vordefinierten Programmen. Mit insgesamt 14 vordefinierten Modi – von denen sich viele in der App und direkt am Gerät (hinsichtlich Höhe, Radius oder Entfernung zum Motiv) anpassen lassen – bietet sie zweifelsohne eine hohe Bandbreite an kreativen Vorgaben.

Ein starkes Feature ist zudem der CoPilot Modus, der es ermöglicht, während eines laufenden Automatikprogramms manuell zu korrigieren. Nutzer können beispielsweise den Orbit etwas enger setzen oder die Verfolgungsdistanz anpassen, ohne den Modus zu verlassen. Dies macht die Aufnahmen dynamischer und bietet eine höhere Kontrolle, ohne dass manuell geflogen werden muss. Für diese manuelle Übersteuerung ist jedoch der optionale Beacon (kostet im Set rund 240 Euro) erforderlich.

Neo 2: Wenn weniger mehr ist
Die DJI Neo 2 verfügt dagegen „nur“ über insgesamt zwölf intelligente Modi. Die Auswahl ist zwar kleiner, aber in der Praxis strukturierter und flexibler in der Anwendung. Bei einem Punkt liegt die Neo 2 sogar klar vorn: Ihr Follow Modus fasst mehrere Einzelmodi der X1 Promax zusammen. Während die X1 Promax jeweils einzelne Varianten (Follow vorne, Follow hinten und Side Track) bietet, verfolgt die Neo 2 das Motiv dynamisch aus acht Richtungen (vorne, hinten, links, rechts und vier diagonale Positionen) in einem einzigen Modus. Dies wirkt in der Nutzung klarer und ermöglicht mehr Flexibilität auf Trails, da der Winkel einfach mit einer Geste oder einem Kameraschwenk gewählt werden kann.
Ein weiterer entscheidender Vorteil der Neo 2 ist die Gestensteuerung, die eine intuitive Form der manuellen Korrektur ermöglicht, ohne dass die Drohne über eine App oder ein separates Gerät gesteuert werden muss. Damit kontert die Neo 2 die Funktion des CoPilot Modus der X1 Promax in der Praxis besser und günstiger. Ergo: Wer schnelle, übersichtliche und flexible Verfolgungen sowie die intuitive freihändige Steuerung benötigt, erzielt mit der DJI Neo 2 aufgrund ihrer überlegenen All-in-One-Tracking-Flexibilität und Gestensteuerung oft das bessere Ergebnis.
Punkt für die DJI Neo 2
Fliegen mit Fernsteuerung: DJIs Kernkompetenz
Die DJI Neo 2 nutzt ein klassisches, bewährtes Steuerkonzept. Durch das Andocken des optionalen DJI O4 OcuSync-Übertragungsmoduls lassen sich fast alle DJI-Fernbedienungen nutzen. So bleiben Verbindung und Latenz stabil, die Drohne reagiert präzise und direkt. Die Höchstgeschwindigkeit der Neo 2 liegt im Sportmodus bei beachtlichen 58 km/h, was sie zu einem äußerst wendigen und leistungsstarken Fluggerät macht, das zudem höher und weiter (bis zu 10 km theoretische Reichweite > realistisch max. 1,5 km) als die X1 Promax fliegt. Ein weiterer entscheidender Mehrwert ist die Kompatibilität mit den DJI FPV Goggles und dem Motion Controller, wodurch sich die Neo 2 ideal für den Einstieg in immersive FPV-Flüge eignet.
Die X1 Promax lässt sich ebenfalls manuell steuern, wahlweise per App oder die auf dem Beacon basierende Fernbedienung. Trotzdem spürt man deutlich, dass das die Entwickler das Gerät primär für automatische Sequenzen entwickelt haben. Die Steuerung funktioniert zwar ordentlich, wirkt aber weniger direkt. Zudem nutzt das Gerät ein WLAN-basiertes System. Die Reichweite mit dem Beacon gibt HoverAir zwar mit bis zu 500 Metern an, sie erreicht jedoch in der Praxis weder die extrem niedrige Latenz noch die überlegene Stabilität des DJI O4-Systems.Dazu kommt: Zwar kann die Drohne in autonomen Verfolgungsmodi kurzfristig bis zu 60 km/h erreichen, die manuelle Höchstgeschwindigkeit ist jedoch aufgrund des Käfig-Designs auf etwa 30 km/h begrenzt. Somit ist die X1 Promax dem DJI-System in Bezug auf Reichweite und Präzision der Steuerung klar unterlegen.
Punkt für die DJI Neo 2
Tracking und Hinderniserkennung: Neo 2 technisch vorne
Spannend: Da sich beide Modelle als Selfie-Drohnen verstehen, dürften bei den meisten Aufnahmen der Nutzer und weniger die Landschaft und Umgebung im Mittelpunkt stehen. Gutes Tracking ist also wichtig und beide Drohnen liefern in diesem Punkt ab. Es gibt aber deutliche Unterschiede.

Von hinten filmend, also folgend, würden wir die X1 Promax einen Tick besser einstufen. Auf unserem Home-Trail mit vielen Büschen und kleinen Zweigen funktioniert sie ohne Fehl und Tadel, während die Neo 2 an dem einen oder anderen Ast hängen blieb. Das Blatt ändert sich allerdings, wenn es ums Filmen von der Seite oder von vorne geht. Die Neo 2 performt hier dank ihrer besseren Hinderniserkennung deutlich besser, während die X1 Promax in bewachsenen Umgebungen kaum zu gebrauchen ist.
Fahrrad: Neo 2 mit mehr Möglichkeiten
Auch beim Fahrradfahren macht die Neo 2 insgesamt eine bessere Figur. Dabei muss man festhalten, dass beide Drohnen bei viel Vegetation, engen Kurven und hohen Geschwindigkeiten an ihre Grenzen stoßen. Abstürze sind in solchen Situationen vorprogrammiert. Bei unproblematischem Gelände, wo es wenig Hindernisse gibt, sieht es dagegen anders aus. Sowohl die Neo 2 als auch die X1 Promax folgen einem in so einem Terrain mühelos bis knapp über 40 km/h – beindruckend.
Die Neo 2 macht aber wieder einen deutlich besseren Job, wenn es ums Filmen von vorne geht. Während die X1 Promax in dieser Position filmend schon bei rund 15 km/h die Geschwindigkeit nicht mehr halten kann, sind bei der Neo 2 bis zu 25 km/h drin. Und auch seitlich fliegend ist die Neo 2 schneller und vor allem sicherer unterwegs. Denn die X1 Promax hat zwar Sensoren vorne und hinten, aber keine an der Seite. Folglich crasht sie in alles, was da kommt. Die Neo 2 mit ihrer omnidirektionalen Hinderniserkennung ist hier besser aufgestellt.
Punkt für die DJI Neo 2
App Bedienung und Workflow
Keine große Diskussion. Die DJI Fly App hinterlässt nicht nur optisch einen deutlich professionelleren Eindruck, sieht ist auch besser. Die Verbindung zur Neo 2 funktioniert zuverlässig, Menüs sind klar strukturiert und die Übertragung über QuickTransfer geht flott. Und vor allem ist ein Videoschnitt-Tool dabei, mit dem sich schnell und einfach kleine, schicke Videoclips zusammenbasteln lassen. Die Hoverair-App der X1 Promax bietet dagegen nur das Nötigste. Nicht schlecht, aber nichts Besonderes.
Punkt für die DJI Neo 2
Geräuschentwicklung
Die Geräuschentwicklung ist bei Selfie-Drohnen ein besonders wichtiger Punkt. Schließlich fliegen die Drohnen meist in unmittelbarer Näher zum Piloten herum. Die DJI Neo 2 erzeugt im Betrieb ein deutlich hörbares Summen, liegt mit rund siebzig Dezibel aber im üblichen Bereich für diese Klasse. Auffällig ist vor allem die Toncharakteristik. Im Vergleich zum Vorgängermodell klingt die Neo 2 tiefer, weniger schrill und somit deutlich angenehmer.

Die HoverAir X1 Promax klingt ein wenig anders, bewegt sich aber vom Nervfaktor auf einem ähnlich moderaten Niveau. Kurzum: Beide Modelle sind im Freien gut erträglich, sind aber vor allem in Innenräumen oder engen Passagen akustisch deutlich präsent.
Unentschieden
Preise: Neo 2 ist ein Schnäppchen
Vergleicht man das Preis-/Leistungsverhältnis beider Drohnen, macht die DJI Neo 2 zweifellos die bessere Figur. Los geht’s mit 239 Euro nur für die Drohne – ein absoluter Schnapper und Wahnsinnspreis. Wer mehr Ausstattung inklusive Controller, zwei Zusatzakkus und Ladestation will, greift zur „Fly more Combo“, die es für 399 Euro gibt.

Die HoverAir X1 Promax liegt preislich deutlich höher. Die Standardausführung beginnt bei etwa 670 Euro und mit umfangreichem Zubehörpaket kann der Betrag schnell über 900 Euro steigen. Dazu kommen höhere Zubehörpreise. Unterm Strich ist die Neo 2 definitiv die wirtschaftlichere Wahl.

Punkt für die DJI Neo
Fazit: Die Neo 2 ist der neue Selfie-King
Beide Drohnen sind klasse und faszinierend. Wie viel smarte Technik in den kleinen Teilen steckt – Wahnsinn. Man mag sich gar nicht ausdenken, was in einigen Jahren möglich sein wird. Aber zurück zur Gegenwart. Unterm Strich muss man konstatieren, dass die DJI Neo 2 in fast jeder Beziehung der bessere Deal ist. Das verdeutlich auch unser Duell, das die Neo 2 mit 7 zu 4 Punkten klar für sich entscheidet.
Ja, in Sachen Videoqualität spielt die X1 Promax in einer höheren Liga. Aber die Aufnahmen der Neo 2 sind auch noch „gut“ und für den privaten Gebrauch mehr als ausreichend. Das Faltdesign der X1 Promax ist ebenfalls beim Transport ein Vorteil, bringt aber in der Praxis auch Nachteile mit sich. So ist die Neo 2 aufgrund ihres auf bessere Flugeigenschaften ausgelegten Designs beispielsweise deutlich wendiger und schneller.

Auch in Sachen Tracking und Hinderniserkennung merkt man deutlich, dass die Neo 2 die modernere Drohne ist. Das funktioniert bei DJI einfach besser. Dazu kommen einzigartige Funktionen wie die Gestensteuerung und die freie Winkelwahl im Follow-Modus. Und nicht zuletzt kostet die Neo 2 fast nur ein Drittel im Vergleich zur X1 Promax.
