Dieser E-Scooter fährt über Schotter wie kaum ein anderer – nachts gibt es aber ein Problem
Der Xiaomi Electric Scooter 6 Max überzeugt im Test mit starkem Motor, viel Komfort und guter Reichweite. Nachts zeigt der Premium-Scooter jedoch eine überraschende Schwäche.
Wer täglich mit dem E-Scooter unterwegs ist, kennt die Grenzen vieler Modelle. Auf glattem Asphalt fahren sie ordentlich, doch spätestens auf Kopfsteinpflaster, schlechten Radwegen oder Schotter werden Lenkung und Fahrwerk schnell zur Geduldsprobe. Xiaomi verspricht mit dem Electric Scooter 6 Max genau hier eine Lösung: größere Reifen, doppelte Federung und ein kräftiger Motor sollen längere Strecken angenehmer machen.
Vier Wochen lang musste der Scooter deshalb genau dort zeigen, was er kann – auf dem täglichen Arbeitsweg, auf Straßen und Radwegen, über unbefestigte Wege und immer wieder auch auf Untergründen, die viele E-Scooter lieber meiden würden. Schon nach den ersten Kilometern wurde klar: Der Electric Scooter 6 Max fährt sich deutlich erwachsener als viele Modelle seiner Klasse. Gleichzeitig offenbarte der Test aber auch einen Schwachpunkt, der gerade in der dunklen Jahreszeit schwerer wiegt als jede fehlende Komfortfunktion.
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Kurzfazit
Der Xiaomi Electric Scooter 6 Max gehört zu den komfortabelsten E-Scootern, die wir bislang getestet haben. Große Reifen, die doppelte Federung und der kräftige Motor sorgen für ein souveränes Fahrgefühl auf Asphalt, Schotter und schlechten Radwegen. Auch die reale Reichweite überzeugt im Alltag. Die Bestnote verpasst der Premium-Scooter allerdings aus einem einfachen Grund: Der Frontscheinwerfer leuchtet auf dunklen Wegen nur wenige Meter weit und schränkt die Sicht deutlich ein. Wer überwiegend tagsüber unterwegs ist, erhält einen ausgezeichneten Langstrecken-Scooter. Wer regelmäßig nach Einbruch der Dunkelheit fährt, sollte diesen Punkt vor dem Kauf unbedingt berücksichtigen.
Der erste Eindruck: groß, schwer und alles andere als ein Spielzeug
Schon beim Auspacken wird klar, dass Xiaomi den Electric Scooter 6 Max nicht als besonders kompakten City-Flitzer entwickelt hat. Mit knapp 30 Kilogramm gehört er zu den schwersten E-Scootern seiner Klasse. Wer ihn regelmäßig in den Keller tragen oder in den Kofferraum heben muss, wird das Gewicht schnell zu spüren bekommen.
Auf der Straße spielt genau diese Größe allerdings ihre Stärken aus. Der Roller wirkt ausgesprochen stabil, die breite Lenkstange vermittelt sofort Vertrauen und auch die großzügige Standfläche fällt positiv auf. Statt die Füße versetzt stellen zu müssen, bleibt genügend Platz, beide Füße bequem nebeneinander zu positionieren. Das sorgt nicht nur für mehr Komfort auf längeren Strecken, sondern vermittelt auch bei höheren Geschwindigkeiten ein deutlich sichereres Fahrgefühl.
Hinzu kommen die 12-Zoll-Tubeless-Reifen und die Kombination aus einer Federgabel vorne sowie einer Doppelfederung hinten. Schon nach wenigen Metern entsteht der Eindruck, dass Xiaomi den Schwerpunkt dieses Modells klar auf Fahrkomfort gelegt hat – ein Eindruck, der sich im Alltagstest immer wieder bestätigen sollte.
Motor und Fahrgefühl: Genau hier spielt der Scooter seine größte Stärke aus
Die spannendste Frage vor dem Test war nicht die Reichweite oder die Ausstattung. Entscheidend war vielmehr, ob der Electric Scooter 6 Max den Komfortgewinn seiner aufwendigen Technik tatsächlich auf die Straße bringt. Schließlich verspricht Xiaomi mit einer Vordergabel, einer Doppelfederung hinten und 12-Zoll-Reifen deutlich mehr Fahrkomfort als bei den günstigeren Modellen der eigenen Baureihe.
Nach vier Tagen im Alltag fällt das Urteil eindeutig aus: Der Unterschied ist spürbar. Schon beim Anfahren zeigt der Heckmotor, dass der Scooter nicht für gemütliche Kurzstrecken entwickelt wurde. Die Beschleunigung erfolgt kräftig und gleichmäßig, ohne hektisch oder unkontrolliert zu wirken. Vor allem an Steigungen macht sich die hohe Spitzenleistung bemerkbar. Selbst längere Anstiege bringen den Scooter kaum aus der Ruhe. Während viele günstigere Modelle dort deutlich an Tempo verlieren, hielt unser Testgerät seine Geschwindigkeit nahezu konstant und wirkte dabei nie angestrengt.
Dabei half allerdings auch ein besonderer Umstand: Xiaomi stellte uns offenbar die internationale Version mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h zur Verfügung. In Deutschland darf im öffentlichen Straßenverkehr ausschließlich die auf 20 km/h begrenzte Version mit Allgemeiner Betriebserlaubnis (ABE) gefahren werden. Die Fahreindrücke hinsichtlich Beschleunigung, Fahrwerk und Motorleistung bleiben dennoch aussagekräftig, die erreichte Höchstgeschwindigkeit lässt sich auf das deutsche Modell allerdings nicht übertragen.
Mindestens genauso positiv fiel das Fahrwerk auf. Schlaglöcher, abgesenkte Bordsteine oder grober Asphalt verlieren einen Großteil ihres Schreckens. Selbst auf unbefestigten Wegen bleibt der Scooter angenehm ruhig und vermittelt jederzeit ein sicheres Fahrgefühl. Gerade Pendler, die täglich unterschiedliche Untergründe bewältigen müssen, werden den Unterschied gegenüber einfach gefederten E-Scootern schnell bemerken.
Ganz wegzaubern kann aber auch dieses Fahrwerk die Physik nicht. Auf längeren Passagen mit Kopfsteinpflaster gelangen weiterhin viele Vibrationen bis in den Lenker. Die Federung nimmt den harten Schlägen zwar deutlich die Spitze, die feinen, schnellen Erschütterungen übertragen sich dennoch spürbar auf Hände und Handgelenke. Wer regelmäßig über historisches Pflaster fährt, wird das nach einigen Kilometern merken. Im direkten Vergleich schneidet der Electric Scooter 6 Max dennoch besser ab als die meisten klassischen City-Scooter.
Reichweite im Alltag: Ehrlicher als jede Herstellerangabe
Hersteller werben gerne mit Reichweiten von 60 oder sogar 70 Kilometern. Solche Werte entstehen allerdings unter idealen Bedingungen: niedriges Tempo, geringes Fahrergewicht, ebene Strecke und sommerliche Temperaturen. Mit dem Alltag haben sie nur wenig zu tun.
Unser Test sah anders aus: Der Scooter wurde fast ausschließlich im Sportmodus gefahren und bewegte sich – bedingt durch das internationale Testgerät – nahezu permanent mit maximal 25 km/h. Die Strecke führte über Asphalt, Radwege, Gehwege und unbefestigte Abschnitte. Nach 16 gefahrenen Kilometern zeigte der Akku noch 41 Prozent Restkapazität an. Gleichzeitig prognostizierte das Display weitere 18 Kilometer Reichweite.
Hochgerechnet ergibt sich daraus eine realistische Gesamtreichweite von rund 34 Kilometern bei nahezu dauerhaftem Vollgas. Das liegt zwar deutlich unter der offiziellen Herstellerangabe, ist unter diesen Bedingungen aber ein überzeugender Wert. Wer überwiegend mit 20 km/h unterwegs ist, häufiger rekuperiert oder weniger Steigungen fährt, dürfte entsprechend weiter kommen.
Positiv fiel außerdem auf, dass die Leistungsentfaltung auch mit sinkendem Akkustand konstant blieb. Der Scooter wirkte während des gesamten Testzeitraums kraftvoll und zeigte keine auffälligen Einbrüche bei der Beschleunigung.
Bedienung und Ausstattung: Viele clevere Ideen, kleine Schwächen im Alltag
Optisch orientiert sich Xiaomi am bekannten Design der vergangenen Generationen, bei der Ausstattung legt der Electric Scooter 6 Max aber deutlich nach. Das neue 3-Zoll-TFT-Display ist auch bei Sonnenlicht gut ablesbar und liefert alle wichtigen Informationen auf einen Blick. Geschwindigkeit, Akkustand, Fahrmodus und Restreichweite lassen sich ohne Umwege erkennen. Die Bedienung erfolgt über wenige Tasten am Lenker und ist grundsätzlich schnell verinnerlicht.
Praktisch ist auch, dass sich der Fahrmodus direkt über den Lenker wechseln lässt. Wer spontan von einer verkehrsberuhigten Zone auf einen Radweg wechselt, muss dafür nicht erst das Smartphone aus der Tasche holen. Blinker sind ebenfalls serienmäßig an Bord und erhöhen vor allem im dichten Stadtverkehr die Sicherheit.
Die Xiaomi Home App macht vieles richtig
Wer den Scooter mit der Xiaomi-Home-App koppelt, erhält deutlich mehr Funktionen als direkt am Fahrzeug verfügbar sind. Neben Firmware-Updates lassen sich unter anderem die Rekuperation, Ladegrenzen oder verschiedene Fahrzeugeinstellungen anpassen. Besonders praktisch ist die integrierte Motorsperre, die den Roller zwar nicht vor einem Diebstahl schützt, Gelegenheitsdiebe aber zumindest ausbremst.
Einen echten Mehrwert bietet außerdem die Unterstützung für Apples „Wo ist?“-Netzwerk. Der Electric Scooter 6 Max gehört zu den wenigen Modellen seiner Klasse, die sich in Apples Find-My-Netzwerk integrieren lassen. Sollte der Roller einmal verschwinden, kann sein Standort auch außerhalb der eigenen Bluetooth-Reichweite über andere Apple-Geräte anonym aktualisiert werden. Das ersetzt zwar kein gutes Schloss, erhöht die Chancen, einen gestohlenen Scooter wiederzufinden.
Überraschend positiv fiel im Test außerdem die Bluetooth-Verbindung auf. Selbst aus rund 30 Metern Entfernung blieb die Verbindung bei freier Sicht bestehen oder baute sich nach kurzer Zeit wieder auf. Gleichzeitig lässt sich über die App eine Auffindfunktion aktivieren, bei der der Scooter mit Lichtsignal und Piepton auf sich aufmerksam macht – praktisch auf größeren Parkplätzen oder in Fahrradgaragen.
Nicht jede Entscheidung wirkt bis zum Ende durchdacht
Im Alltag zeigt sich aber auch, dass Xiaomi an einigen Stellen unnötig Potenzial verschenkt. So lassen sich Fahrdaten und viele Einstellungen nur abrufen, solange eine aktive Bluetooth-Verbindung besteht. Wer den Scooter ohne Smartphone nutzt oder das Gerät nicht dabei hat, kann beispielsweise keine vergangenen Fahrten einsehen oder Einstellungen ändern. Das ist kein gravierender Nachteil, fällt im Vergleich zu einigen Konkurrenzmodellen aber auf.
Noch deutlicher wird die Kritik bei der Bedienung in der Dunkelheit. Während das Display selbst beleuchtet ist, bleiben die Tasten für Licht, Blinker, Fahrmodus und Einschalten komplett unbeleuchtet. Tagsüber fällt das kaum auf. Nachts muss man dagegen häufig kurz nach unten schauen oder die Position der Tasten ertasten. Gerade beim Blinken vor einer Kreuzung ist das alles andere als ideal. Es wirkt wie ein kleines Detail – im Alltag nutzt man genau diese Tasten aber besonders häufig, wenn es dunkel ist.
Der größte Kritikpunkt zeigt sich erst nach Sonnenuntergang
Bis hierhin hinterlässt der Electric Scooter 6 Max einen ausgesprochen starken Eindruck. Fahrwerk, Motor, Verarbeitung und Ausstattung bewegen sich auf einem hohen Niveau.
Doch sobald die Straßenlaternen enden, kippt das Bild. Auf unbeleuchteten Wegen leuchtet der Frontscheinwerfer die Fahrbahn nur wenige Meter vor dem Roller aus. Im Test waren es ungefähr drei bis vier Meter. Das genügt in der Stadt häufig noch, weil zusätzliche Beleuchtung vorhanden ist. Auf Feldwegen, Radwegen außerhalb geschlossener Ortschaften oder dunklen Waldstücken fährt man dagegen sprichwörtlich ins Ungewisse.
Das Problem ist dabei nicht die Helligkeit des Scheinwerfers. Vielmehr endet der Lichtkegel so früh, dass Schlaglöcher, Äste oder andere Hindernisse erst sehr spät sichtbar werden. Wer mit höherem Tempo unterwegs ist, verliert dadurch wertvolle Reaktionszeit.
Gerade weil der Electric Scooter 6 Max so souverän fährt und zu längeren Touren einlädt, wiegt dieser Punkt schwer. Ein komfortabler Longrange-Scooter sollte auch dann Sicherheit vermitteln, wenn der Heimweg erst nach Einbruch der Dunkelheit endet. Hier lässt Xiaomi unnötig Punkte liegen.
Verarbeitung und Alltag: Gebaut für lange Strecken, nicht für viele Treppen
Mit knapp 30 Kilogramm gehört der Xiaomi Electric Scooter 6 Max nicht zu den Modellen, die man mal eben unter den Arm klemmt. Wer den Scooter täglich in den Keller tragen, in den Zug heben oder mehrere Stockwerke transportieren muss, sollte das Gewicht vor dem Kauf berücksichtigen. Für den klassischen Pendelverkehr von Haustür bis Büro spielt dieser Punkt dagegen kaum eine Rolle.
Im Gegenzug vermittelt genau diese massive Bauweise viel Vertrauen. Während manche günstigeren E-Scooter auf schlechten Wegen leicht unruhig wirken oder zu klappern beginnen, fährt sich der Electric Scooter 6 Max jederzeit solide. Während unseres Tests waren weder störende Geräusche noch auffällige Verwindungen des Rahmens festzustellen. Zusammen mit der hohen Zuladung von bis zu 130 Kilogramm spricht vieles dafür, dass Xiaomi den Scooter auf eine lange Lebensdauer ausgelegt hat.
Auch die großzügige Standfläche trägt dazu bei. Gerade auf längeren Strecken macht sich bemerkbar, dass beide Füße bequem Platz finden und die Körperhaltung entspannter ausfällt als bei vielen kompakteren Modellen.
Preis: Viel Geld – aber auch viel Scooter
Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von knapp 700 Euro gehört der Electric Scooter 6 Max nicht zu den Schnäppchen. Dafür tritt er allerdings auch nicht gegen Einsteigermodelle an.
Wer lediglich gelegentlich zum Supermarkt fährt oder den Scooter als Ergänzung zur Bahn nutzt, wird viele seiner Stärken vermutlich kaum ausnutzen. Anders sieht es bei Pendlern oder Vielfahrern aus. Wer täglich mehrere Kilometer zurücklegt, unterschiedliche Untergründe befährt oder bewusst Wert auf Fahrkomfort legt, bekommt hier spürbar mehr als bei vielen günstigeren Modellen.
Vor allem Fahrwerk und Motor heben den Scooter aus der Masse heraus. Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass Komfort und Stabilität ihren Preis haben – sowohl finanziell als auch beim Gewicht.
Fazit: Einer der komfortabelsten E-Scooter seiner Klasse – mit einem unnötigen Sicherheitsmakel
Der Xiaomi Electric Scooter 6 Max hinterlässt nach mehreren Tagen im Alltag einen überwiegend sehr positiven Eindruck. Kaum ein anderer Scooter in dieser Preisklasse verbindet so viel Fahrkomfort mit einem kräftigen Motor und einem souveränen Fahrgefühl. Große Reifen, die doppelte Federung und die breite Standfläche sorgen dafür, dass selbst längere Fahrten deutlich entspannter ausfallen als bei klassischen City-Scootern.
Auch die reale Reichweite überzeugt. Rund 34 Kilometer bei nahezu dauerhaftem Vollgas im Sportmodus sind ein ehrlicher und praxisnaher Wert, der vielen Nutzern im Alltag völlig ausreichen dürfte. Hinzu kommen eine hochwertige Verarbeitung, sinnvolle App-Funktionen und Extras wie Apples „Wo ist?“, die den Scooter zusätzlich aufwerten.
Seine größte Schwäche zeigt der Electric Scooter 6 Max allerdings genau dann, wenn viele Pendler noch unterwegs sind: nach Sonnenuntergang. Der kurze Lichtkegel des Frontscheinwerfers schränkt die Sicht auf unbeleuchteten Wegen deutlich ein. Zusammen mit den unbeleuchteten Bedientasten wirkt dieser Bereich nicht konsequent zu Ende gedacht und kostet den ansonsten sehr gelungenen Scooter wichtige Punkte.
Wer überwiegend tagsüber unterwegs ist und einen komfortablen E-Scooter für längere Strecken sucht, findet im Xiaomi Electric Scooter 6 Max dennoch eines der derzeit interessantesten Modelle seiner Klasse. Wer dagegen regelmäßig im Dunkeln über Feld- oder Waldwege fährt, sollte den Scheinwerfer vor dem Kauf unbedingt selbst ausprobieren.