Mit der Watch S5 schickt Xiaomi die sportliche, deutlich günstigere Schwester der Watch 5 ins Rennen: Mit einem Einstiegspreis von 179,99 Euro kostet die neue Smartwatch rund 120 Euro weniger als die WearOS-Variante (UVP 299,99 Euro). Statt auf Googles Wear OS setzt der Hersteller hier auf sein eigenes HyperOS – dafür gibt’s erstmals HRV-Messung, ein deutlich helleres Display und einen eigenen Fahrradcomputer-Modus. Ob das reicht, um auch Outdoor- und Ausdauersportler zu überzeugen, klärt unser Test.
Auf einen Blick
- Display: 1,48″ AMOLED, 480 x 480 Pixel, 323 ppi, 2.500 Nits Spitzenhelligkeit
- Gehäuse: 46 mm, Edelstahl (bzw. Keramik/Carbon je nach Farbvariante),
- Gewicht: ca. 46 g ohne Armband
- GPS: Dual-Band-GNSS,
- Wasserdichtigkeit: 5 ATM (ca. 50 Meter)
- Sport: über 150 Sportprofile, Fahrradcomputer-Modus mit FTP-Messung
- Konnektivität: Bluetooth 5.4, NFC (Visa/Mastercard), WLAN, kompatibel mit Android und iOS
- Betriebssystem: Xiaomi HyperOS 3
- Preis: 179,99 Euro (Edelstahl) bzw. 190 Euro (Keramik/Carbon)
Kurzfazit Xiaomi Watch S5
Die Xiaomi Watch S5 überzeugt mit hochwertigem Edelstahlgehäuse, hellem Display und außergewöhnlich langer Akkulaufzeit. Für Lauf- und Radsport liefert sie solide Werte, dazu erstmals eine zuverlässige HRV-Messung. Wer aber Wert auf ausgefeilte Navigation oder smarte Funktionen wie App-Store und Nachrichtenantworten legt, muss Abstriche machen. Angesichts der günstigen Preise ist das Gesamtpaket trotzdem stark.
Watch S5: Design & Verarbeitung
Xiaomi bietet die Watch S5 in vier Farbvarianten an: Schwarz und Weiß aus Edelstahl mit klassischem Silikonband, Blau aus Keramik mit Lederband sowie Grün aus geschmiedetem Carbon mit Nylonband. Alle Versionen kommen bislang nur in 46 mm Gehäusegröße – eine kleinere Variante dürfte Xiaomi, wie schon beim Vorgänger, in den nächsten Monaten nachreichen.

Zum Vorgängermodell kehrt Xiaomi zum klassisch runden Gehäuse zurück und verabschiedet sich vom achteckigen Design der Watch S4. Bei einem Gehäusedurchmesser von 46 mm und einem Gewicht von rund 46 Gramm (ohne Armband) liegt die Uhr angenehm am Handgelenk. Das Edelstahlgehäuse und die insgesamt hochwertige Verarbeitung wirken deutlich hochwertiger, als es der Preis von 179 bis 190 Euro vermuten lässt – Hut ab.
Ein Wermutstropfen bleibt beim Glas: Xiaomi verbaut lediglich Mineralglas, ein kratzfestes Saphirglas gibt es auch gegen Aufpreis nicht. Wer die Uhr im felsigen Gelände oder beim Klettersteig trägt, sollte das im Hinterkopf behalten.
Display: gut für den Preis
Das 1,48 Zoll große AMOLED-Display ist eines der Highlights der Watch S5. Mit einer Auflösung von 480 x 480 Pixeln (323 ppi) und einer Spitzenhelligkeit von bis zu 2.500 Nits liegt die Uhr über dem, was in dieser Preisklasse sonst üblich ist – selbst die eigene große Schwester Watch 5 kommt nur auf 1.500 Nits.
In der Praxis heißt das: Selbst bei praller Sonne, auf dem Rad oder beim Trailrunning lässt sich das Display noch gut ablesen. Dazu trägt auch die um 40 Prozent schmalere Lünette gegenüber dem Vorgänger bei, wodurch die Anzeigefläche fast bis zum Gehäuserand reicht. Ein Always-on-Display ist ebenfalls an Bord, ein automatischer Nachtmodus fehlt jedoch weiterhin. Das ist ein Kritikpunkt, den es schon an der Watch 5 gab und den Xiaomi nicht behoben hat.
Sport & Fitness: nicht schlecht, aber mit Lücken
Mit über 150 vorinstallierten Sportprofilen ist die Watch S5 schon einmal breit aufgestellt. Innerhalb eines Sportprofils lassen sich ferner Trainingsziele nach Distanz, Dauer oder Kalorien definieren, Datenseiten individuell anpassen, Intervalltrainings direkt auf der Uhr anlegen sowie Herzfrequenz- und Tempoalarme einrichten. Nach dem Training gibt’s eine übersichtliche Zusammenfassung inklusive Trainingszustand, Trainingsbelastung, empfohlener Erholungszeit und VO2max. Letzterer fiel in unserem Test allerdings spürbar zu hoch aus und dürfte sich erst nach mehreren Wochen Nutzung realistischen Werten annähern.
Neu und praktisch: ein eigener Fahrradcomputer-Modus. Startet ihr auf der Smartwatch das Profil „Radfahren im Freien“, öffnet sich automatisch die Mi-Fitness-App auf dem gekoppelten Smartphone und zeigt Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Distanz und Höhenmeter in Echtzeit inklusive Route auf einer Straßenkarte an. Zusätzlich lässt sich ein externer Bluetooth-Leistungsmesser koppeln, was auch eine FTP-Messung ermöglicht. Kurios: Diese Sensor-Kompatibilität gilt ausschließlich für Rad-Sensoren – ein externer Brustgurt lässt sich mit der Watch S5 beispielsweise nicht verbinden.

Watch S5: Erste Xiaomi-Uhr mit HRV
Apropos Puls: Bei einem gewöhnlichen Dauerlauf mit Tempovariationen zeigte die Watch S5 im Vergleich mit einem Wahoo-Brustgurt keinerlei nennenswerte Abweichungen – hier gibt es wenig Anlass zur Kritik. Auch bei einem harten Intervalltraining blieb die Abweichung überschaubar. Trotzdem: Trotzdem: Ein Brustgurt bleibt für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler schlicht ein Muss. Optische Handgelenkssensoren wie der der Watch S5 sind grundsätzlich anfälliger für Bewegungsartefakte, lockeren Sitz oder schnelle Belastungswechsel – Faktoren, die bei entspanntem Training kaum ins Gewicht fallen, bei strukturiertem Intervall- oder Schwellentraining aber schnell zu falschen Trainingszonen führen können.
Neu ist außerdem die HRV-Messung (Herzfrequenzvariabilität). Dabei handelt es sich um eine wichtige Metrik, die es bei anderen Herstellern wie Garmin schon seit Jahren gibt , bei Xiaomi aber bislang komplett fehlte. Sie findet sich in der Schlafüberwachung und ermittelt bereits nach zwei Tagen einen persönlichen Grundwert. Im Vergleich zu einer Garmin Fenix 8 fielen die Werte dabei sehr ähnlich aus. Eine Tagesverfassungs-Einschätzung auf HRV-Basis wie Garmin Body Battery oder Amazfit BioCharge bietet Xiaomi aber nicht.
Navigation: das geht besser
Offline-Karten sind bei Smartwatches in dieser Preisklasse noch eine Seltenheit. Die Watch S5 bietet sogar echte Kartennavigation, das Kartenmaterial dafür wird kostenlos über die Mi-Fitness-App bereitgestellt und lässt sich innerhalb weniger Sekunden aufs die Smartwatch laden. Die Karten sind ferner sehr übersichtlich, konzentrieren sich aber wirklich nur auf das Nötigste: Straßennamen, Points of Interest oder Wanderwege sind etwa Mangelware.
Der größte Kritikpunkt: Eine Routenplanung direkt in der App gibt es nicht. Wer eine Tour vorausplanen will, muss auf externe Tools wie Komoot oder Strava zurückgreifen, die Route als GPX- oder TCX-Datei exportieren und manuell in die Mi-Fitness-App hochladen, ehe sie per Synchronisation auf die Uhr übertragen wird. Eine direkte Kontoverknüpfung mit Komoot oder Strava, wie sie mittlerweile bei Garmin, Amazfit oder selbst Huawei zum Standard gehört, fehlt. Für spontane Touren oder alles jenseits von „Route vorher am Rechner oder Handy planen und manuell übertragen” ist das ein echter Nachteil gegenüber der Konkurrenz.
Immerhin: Ist eine Route erst einmal auf der Watch S5, funktioniert die eigentliche Routenführung zuverlässig, inklusive Abbiegehinweisen und Richtungspfeilen. Auch eine Rückverfolgungsfunktion („Backtracking”) zum Startpunkt sowie Abweichungswarnungen bei Kursänderungen sind an Bord.
Auch in Sachen GPS-Genauigkeit punktet die Watch S5: Dank Dual-Band-GNSS mit fünf Satellitensystemen (GPS, Galileo, GLONASS, BeiDou, QZSS) zeichnete die Smartwatch im Test selbst dichte Wälder und enge Kurven präzise auf. Kompass und barometrischer Höhenmesser sind ebenfalls verbaut.

Akkulaufzeit: eine der großen Stärken
Mit einem 815-mAh-Akku (deutlich mehr als die 486 mAh des Vorgängers S4) fällt die Laufzeit sehr ordentlich aus:
- Normale Nutzung: bis zu 10 Tage
- Mit dauerhaftem Always-on-Display: bis zu 6 Tage
- Sportaufzeichnung mit aktivem GPS: rund 12 Stunden
Sprich: Selbst der konservativste gemessene Wert schlägt die meisten Wear-OS- und Apple-Watch-Konkurrenten um ein Vielfaches. Geladen wird über eine magnetische Ladeschale mit stabilem Halt dank starker Magnetpins – eine Vollladung dauert rund 1,5 Stunden. Für Outdoor-Nutzer heißt das: Im Alltag und bei mehrtägigen Touren ohne durchgehendes GPS-Tracking hält die Watch S5 locker mit reinrassigen Sportuhren mit. Bei durchgehender GPS-Aufzeichnung limitieren die rund 12,5 Stunden dagegen längere Ultra-Distanzen oder Mehrtagestouren mit dauerhafter Streckenaufzeichnung.

Smarte Funktionen: klare Kompromisse
Xiaomis HyperOS bleibt ein geschlossenes System. Es gibt keinen App-Store – Spotify, Amazon Music, Google Maps oder andere Drittanbieter-Apps lassen sich nicht installieren. Auch ein Sprachassistent (Google Assistant, Gemini, Siri oder Xiaomis eigener Xiao AI) fehlt komplett. Auch in Sachen Messaging ist die Watch S5 schlecht aufgestellt: Nachrichten von Messenger-Apps kommen zwar zuverlässig samt Emoji-Darstellung auf der Uhr an, lassen sich aber nicht beantworten – weder per Tastatur noch per Diktat noch über vorgefertigte Schnellantworten. Einen internen Musikspeicher etwa für MP3-Dateien oder Playlists von Spotify, sucht man bei der Watch S5 ebenfalls vergeblich.
NFC-Bezahlfunktion ist grundsätzlich vorhanden und unterstützt laut Xiaomi jetzt auch Visa zusätzlich zu Mastercard. In der Praxis bleibt die Bankenauswahl in Deutschland allerdings stark eingeschränkt: Es gibt kaum deutsche Banken, die mit dem Dienst zusammenarbeiten. Alternativ lassen sich immerhin Partnerkarten wie Curve oder ZEN.com nutzen.
Fazit Xiaomi Watch 5S
Gemessen am Preis von 179 bis 190 Euro ist die Xiaomi Watch S5 gut aufgestellt: Vor allem die Verarbeitung mit Edelstahlgehäuse wirkt deutlich hochwertiger, als es die Preisklasse vermuten lässt. Zudem sind meisten Grundfunktionen für Sport, Gesundheit und Alltag an Bord. Dazu gibt es ein gutes Display und eine Akkulaufzeit, von der Wear-OS- und Apple-Watch-Nutzer nur träumen können. Wer aber Wert auf ausgefeilte Sportfunktionen, verlässliche Navigation mit direkter Komoot- oder Strava-Anbindung oder eine „echte” Smartwatch mit App-Store, Sprachassistent und Musik-Streaming legt, sollte mehr Geld in die Hand nehmen.
