Wer einen Camper selbst ausbauen möchte, steht ziemlich schnell vor einer Grundsatzfrage: Wie viel davon macht man wirklich selbst? Möbel bauen, Grundriss planen oder eine Küche einsetzen lässt sich mit etwas handwerklichem Geschick noch vergleichsweise gut angehen. Bei Bordelektrik und Heizung sieht die Sache anders aus – Fehler werden hier schnell teuer oder im schlimmsten Fall gefährlich.
Genau zwischen komplettem Selbstausbau und fertigem Reisemobil setzt LIONTRON auf dem Caravan Salon 2026 mit einem ungewöhnlichen Konzept an. Das Unternehmen, bisher vor allem für seine LiFePO4-Batterien bekannt, zeigt erstmals ein sogenanntes Rolling-Chassis auf Basis eines MAN TGE 4×4. Die technische Grundlage soll bereits stehen, während der eigentliche Wohnraum weitgehend freie Fläche bleibt.
Damit könnte das Fahrzeug für Selbstausbauer interessant werden, die Individualität wollen, sich aber Elektrik und Heizungsinstallation nicht selbst zutrauen. Ob das Konzept in der Praxis tatsächlich so schlüssig wirkt, wie es sich auf dem Papier anhört, schauen wir uns auf dem Caravan Salon selbst an.
Technik fertig, Möbel noch nicht
Beim ausgestellten Fahrzeug handelt es sich laut LIONTRON um einen MAN TGE 4×4 mit Seikel-Fahrwerk und Differentialsperre. Elektrik und Heizung sind bereits vorbereitet, der Innenausbau dagegen bleibt Sache des Käufers. Dämmung, Möbel, Küche und Bad können also anschließend nach eigenen Vorstellungen entstehen.
Das ist ein interessanter Mittelweg. Ein klassischer Selbstausbau bietet zwar maximale Freiheit, verlangt aber gerade bei Elektrik, Energiesystem und Heizung einiges an Know-how. Ein fertiges Reisemobil nimmt diese Arbeit ab, legt dafür jedoch Grundriss, Möbel und viele technische Entscheidungen bereits fest.
Das Semi-Custom-Konzept versucht, genau diese beiden Welten miteinander zu verbinden. LIONTRON spricht von unterschiedlichen Technik-Paketen zu festen Preisen. Welche Pakete konkret angeboten werden und was sie kosten werden, geht aus den bisherigen Informationen allerdings noch nicht hervor. Genau diese Zahlen werden entscheidend dafür sein, ob das Konzept für private Selbstausbauer tatsächlich interessant wird.
LIONTRON geht damit deutlich über Batterien hinaus
Bemerkenswert ist auch, wer hinter dem Projekt steht. LIONTRON war bislang in erster Linie als Anbieter von LiFePO4-Batterien für Reisemobile bekannt. Beim neuen Projekt arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit einem Partner aus dem Fahrzeugbau zusammen und steigt damit erstmals selbst in diesen Bereich ein.
Der Schritt kommt nicht ganz überraschend. Auch MAN selbst baut sein Angebot rund um den TGE für Camper, Selbstausbauer und Aufbauhersteller weiter aus. Auf dem Caravan Salon zeigt MAN unter anderem vorbereitete Fahrzeuglösungen und positioniert den TGE ausdrücklich als Basis für individuelle Reisemobilkonzepte.
Für Käufer entsteht dadurch ein spannender Markt zwischen nacktem Basisfahrzeug und komplettem Reisemobil. Statt jedes Kabel und jede Komponente selbst zu planen, lässt sich zunehmend auf vorbereiteten Fahrzeugen aufbauen.
Neue Energybox soll die Bordelektrik vereinfachen
Zum Rolling-Chassis gehört noch eine zweite Neuheit. LIONTRON zeigt in Düsseldorf erstmals eine professionelle Energybox für Reisemobile. Die Strombox wurde nach Unternehmensangaben gemeinsam mit einem deutschen Hersteller von Invertertechnik entwickelt und ist als Easy-Install-Lösung gedacht.
Im Messefahrzeug übernimmt diese Box die Stromversorgung. Viel mehr technische Details nennt LIONTRON bislang allerdings nicht. Interessant wären vor allem Batteriekapazität, Wechselrichterleistung, Ladeleistung über Landstrom und Lichtmaschine, Solarintegration sowie Abmessungen und Gewicht.
Auch hier gilt deshalb: Die Idee klingt interessant, beurteilen lässt sie sich mit den bislang veröffentlichten Informationen noch nicht.
Batteriedaten direkt auf Garmin, Victron und Cristec
Parallel erweitert LIONTRON die Einbindung seiner Batterien in andere Bordsysteme. Auf dem Caravan Salon soll gezeigt werden, wie sich Batteriedaten direkt über Displays und Systeme von Garmin, Cristec und Victron anzeigen lassen. Der Ladezustand kann damit beispielsweise auf einem ohnehin vorhandenen Systemmonitor erscheinen.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail, kann einen Ausbau aber übersichtlicher machen. Wenn Batteriedaten bereits auf dem zentralen Display verfügbar sind, muss nicht zwingend noch ein zusätzlicher Batteriemonitor irgendwo im Camper untergebracht werden. Welche Funktionen über die verschiedenen Systeme tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt allerdings von der jeweiligen Konfiguration ab.
Wir schauen uns den MAN TGE auf dem Caravan Salon genauer an
Der spannendste Teil der Ankündigung ist für mich deshalb nicht eine einzelne Batterie oder die neue Energybox, sondern das Gesamtkonzept. Ein professionell vorbereiteter technischer Unterbau, auf dem Selbstausbauer anschließend ihren eigenen Camper verwirklichen können, trifft einen ziemlich interessanten Punkt zwischen DIY und Komplettfahrzeug.
Noch fehlen allerdings wichtige Informationen. Neben den Preisen interessiert mich vor allem, wie sauber die Technik tatsächlich integriert ist, wie viel Platz Energybox und Heizung beanspruchen und wie frei der spätere Innenausbau wirklich bleibt.
Ich werde mir den MAN TGE deshalb auf dem Caravan Salon 2026 in Düsseldorf selbst anschauen. Danach können wir deutlich besser beurteilen, ob LIONTRON hier lediglich ein interessantes Messekonzept zeigt – oder tatsächlich eine Basis, die Selbstausbauern künftig viel Arbeit abnehmen kann.
Zu sehen ist das Fahrzeug laut LIONTRON auf dem Freigelände vor Halle 11 am Platz FG Halle 11-02. Die Energybox und weitere LIONTRON-Produkte zeigt das Unternehmen außerdem in Halle 13, Stand E11. Der Caravan Salon Düsseldorf findet vom 28. August bis 6. September 2026 statt.
