Kein Landstrom, aber der E-Bike-Akku ist leer? Eine Powerstation kann das Problem lösen. Doch braucht es dafür wirklich 2.000 oder 3.000 Wh? Wir rechnen durch, wie viele E-Bike-Ladungen mit vier typischen Powerstation-Größen möglich sind – und welche davon beim Camping tatsächlich Sinn ergibt.
Eigentlich wollten wir nur herausfinden, wie weit ein günstiges E-Bike kommt. Nach 23,5 Kilometern war der Akku unseres Fiido D3 Pro allerdings leer – mitten auf unserer Tour entlang der Hamburger Alster.
Zum Glück lag eine Jackery Explorer 500 v2 im Rucksack.
Also Ladegerät anschließen, Pause machen und weiterfahren. Der Versuch brachte uns am Ende zwar nicht ohne Bus nach Hause, warf aber eine viel interessantere Frage auf: Wie groß muss eine Powerstation eigentlich sein, wenn Ihr damit beim Camping regelmäßig E-Bikes laden möchtet?
Die Antwort hängt weniger von der Leistung der Powerstation ab, als man zunächst vermuten könnte. Entscheidend ist vor allem ihre Kapazität – und die Größe Eures E-Bike-Akkus.
E-Bike an der Powerstation laden: Geht das überhaupt?
Grundsätzlich ja. Besitzt die Powerstation eine normale 230-Volt-Steckdose und liefert genügend Ausgangsleistung für das Ladegerät, funktioniert sie für das E-Bike zunächst wie eine Steckdose auf dem Campingplatz.
Das originale Ladegerät des Fahrrads wird einfach an die Powerstation angeschlossen. Einen speziellen Adapter braucht Ihr normalerweise nicht.
Dabei ist allerdings wichtig, zwei Werte auseinanderzuhalten: Watt und Wattstunden.
Die Ausgangsleistung in Watt entscheidet darüber, welche Geräte eine Powerstation betreiben kann. Für ein gewöhnliches E-Bike-Ladegerät sind dafür keine 2.000 oder gar 3.600 Watt notwendig.
Viel interessanter sind die Wattstunden, kurz Wh. Sie geben an, wie viel Energie die Powerstation speichern kann. Und genau diese Energie entscheidet darüber, wie oft sich ein Fahrradakku unterwegs wieder füllen lässt.
Eine größere Powerstation lädt das E-Bike nicht automatisch schneller
Das ist einer der wichtigsten Punkte bei der Auswahl. Eine Jackery Explorer 3000 v2 bietet 3.600 Watt Ausgangsleistung, die kleine Explorer 500 v2 dagegen 500 Watt. Trotzdem wird derselbe E-Bike-Akku an der großen Powerstation normalerweise nicht schneller voll.
Das Tempo bestimmt in erster Linie das Ladegerät des Fahrrads. Zieht dieses beispielsweise nur rund 100 Watt, liefert ihm auch eine Powerstation mit 3.600 Watt nicht plötzlich die zehn- oder zwanzigfache Leistung. Die große Powerstation kann den Akku lediglich häufiger laden und parallel erheblich mehr andere Verbraucher versorgen. Für die reine Frage „Kann ich mein E-Bike laden?“ kann deshalb bereits eine kleine Powerstation ausreichen.
Die interessantere Frage lautet: Wie oft?
So haben wir gerechnet
Eine einfache Rechnung würde lauten: Kapazität der Powerstation geteilt durch Kapazität des E-Bike-Akkus. Ganz so einfach ist es in der Praxis allerdings nicht. Beim Umwandeln der gespeicherten Energie in 230-Volt-Wechselstrom sowie im Ladegerät und während des Ladevorgangs entstehen Verluste. Außerdem lässt sich die nominelle Kapazität einer Powerstation nicht unter allen Bedingungen vollständig für den Fahrradakku nutzen.
Für unsere folgenden Beispiele rechnen wir deshalb bewusst konservativer und ziehen 15 Prozent für Umwandlungs- und Ladeverluste ab.
Das sind keine von OutdoorMonster gemessenen Wirkungsgrade der vier Jackery-Modelle. Die Rechnung soll vielmehr zeigen, mit welcher Größenordnung Ihr beim Camping vernünftig planen könnt. Temperatur, Ladegerät, Akkuzustand und weitere Faktoren können das tatsächliche Ergebnis verändern.

Wir verwenden drei typische Akku-Größen:
280 Wh: kleines und leichtes E-Bike – ungefähr die Größenordnung unseres Fiido D3 Pro mit 280,8 Wh.
500 Wh: eine verbreitete Größenordnung bei City-, Trekking- und vielen Touren-E-Bikes.
750 Wh: großer Akku für längere Touren und leistungsfähigere E-Bikes.
Damit lässt sich ziemlich gut erkennen, wie stark die Anforderungen an eine Powerstation mit der Größe des Fahrradakkus wachsen.
So oft lässt sich ein E-Bike rechnerisch laden
| Powerstation | Kapazität | nach 15 % Verlust | 280-Wh-Akku | 500-Wh-Akku | 750-Wh-Akku |
|---|---|---|---|---|---|
| Jackery Explorer 500 v2 | 512 Wh | ca. 435 Wh | ca. 1,6× | ca. 0,9× | ca. 0,6× |
| Jackery Explorer 1000 v2 | 1.070 Wh | ca. 910 Wh | ca. 3,2× | ca. 1,8× | ca. 1,2× |
| Jackery Explorer 2000 v2 | 2.042 Wh | ca. 1.736 Wh | ca. 6,2× | ca. 3,5× | ca. 2,3× |
| Jackery Explorer 3000 v2 | 3.072 Wh | ca. 2.611 Wh | ca. 9,3× | ca. 5,2× | ca. 3,5× |
Wichtig ist die Schreibweise „1,8ד oder „3,5ד. Das bedeutet nicht, dass sich der Akku zwingend genau so oft von 0 auf 100 Prozent laden lässt. Die Werte beschreiben die rechnerisch verfügbare Energiemenge unter unserer 15-Prozent-Annahme.
Und genau hier werden die Unterschiede zwischen den vier Größen interessant.
Explorer 500 v2: Die kleine Reserve fürs E-Bike
Mit 512 Wh Kapazität ist die Jackery Explorer 500 v2 das kleinste Modell in diesem Vergleich. Nach unserer konservativen Rechnung stehen davon rund 435 Wh für den eigentlichen Ladevorgang zur Verfügung.
Für einen kleinen 280-Wh-Akku ist das bereits ordentlich. Rechnerisch steckt genug Energie für etwa anderthalb Ladungen darin.

Bei einem klassischen 500-Wh-E-Bike sieht die Sache anders aus. Eine komplett leere Batterie würde unter unserer Annahme nicht mehr vollständig von 0 auf 100 Prozent kommen. Für eine kräftige Zwischenladung reicht die Energie aber durchaus.
Bei einem 750-Wh-Akku ist die 500 v2 dagegen eher Notreserve als vollwertige E-Bike-Stromversorgung.
Das passt zu ihrer eigentlichen Stärke: Sie wiegt nur 5,7 Kilogramm und lässt sich deutlich leichter mitnehmen als die größeren Modelle. Wer beim Camping lediglich eine Reserve für ein E-Bike sucht oder nach einer Tour noch Energie für den nächsten Morgen nachladen möchte, muss deshalb nicht automatisch eine riesige Powerstation einpacken.


Explorer 1000 v2: Für ein E-Bike wird es komfortabel
Mit 1.070 Wh verändert sich die Rechnung deutlich. Unter unserer Annahme bleiben rund 910 Wh nutzbare Energie. Ein 500-Wh-E-Bike könnte damit rechnerisch etwa 1,8 Akkuladungen erhalten. Selbst bei einem großen 750-Wh-Akku reicht die Energie für etwas mehr als eine vollständige Ladung.
Bei unserem kleinen 280-Wh-Beispiel wären sogar gut drei Ladungen möglich.
Damit wird die Explorer 1000 v2 für uns zur interessanten Größe für ein Camping-Wochenende mit einem E-Bike. Sie bietet deutlich mehr Reserve als das 500er-Modell, bleibt mit 10,9 Kilogramm aber noch vergleichsweise gut tragbar.
Genau diese Kombination kennen wir aus eigener Erfahrung: Eine Explorer 1000 v2 begleitet uns seit Langem im Troopy und war unter anderem auf unserer Reise durch die Westsahara im Dauereinsatz.
Wer nicht ausschließlich das E-Bike laden, sondern gleichzeitig Kühlbox, Smartphone, Kamera oder Notebook versorgen möchte, bekommt hier wesentlich mehr Spielraum.


Explorer 2000 v2: Interessant für zwei E-Bikes
Spätestens bei zwei Fahrrädern ändert sich die Rechnung. Zwei E-Bikes mit jeweils 500 Wh besitzen zusammen bereits eine Akkukapazität von 1.000 Wh. Wer beide nach einer langen Tagestour wieder vollständig laden möchte, bringt eine kleine Powerstation deshalb schnell an ihre Grenzen.
Die Explorer 2000 v2 speichert 2.042 Wh. Nach unserer 15-Prozent-Annahme bleiben rund 1.736 Wh. Das entspricht rechnerisch etwa dreieinhalb Ladungen eines 500-Wh-Akkus oder gut zwei Ladungen eines großen 750-Wh-Akkus.
Damit wird diese Klasse für Paare interessant, die mit zwei E-Bikes reisen. Beide Fahrräder können geladen werden und es bleibt – abhängig vom tatsächlichen Verbrauch – noch Energie für andere Geräte.
Mit 17,5 Kilogramm ist die 2000 v2 allerdings bereits eine andere Gewichtsklasse. Wir nutzen sie im MonsterBulli unter anderem für Küchengeräte, Licht, Kameraausrüstung und Notebooks. Wer ohnehin eine größere Energieversorgung im Camper benötigt, kann die E-Bikes hier problemlos in das Gesamtkonzept integrieren.
Nur für ein einzelnes Fahrrad würden wir eine Powerstation dieser Größe dagegen kaum anschaffen.


Explorer 3000 v2: Für ein E-Bike eigentlich zu viel
3.072 Wh klingen zunächst verlockend. Nach unserer Rechnung bleiben rund 2.611 Wh für die Verbraucher. Damit könnte die Explorer 3000 v2 rechnerisch gut fünf 500-Wh-Akkuladungen liefern. Selbst ein großer 750-Wh-Akku käme auf ungefähr dreieinhalb Ladungen.
Für einen einzelnen E-Bike-Akku ist das allerdings mit Kanonen auf Spatzen geschossen.
Die 3000 v2 wiegt rund 27 Kilogramm. Diese Powerstation nimmt man nicht mit, weil man abends noch das Fahrrad laden möchte. Sie ergibt Sinn, wenn sie ohnehin als große Energiezentrale im Wohnmobil, beim autarken Camping oder für weitere leistungsstarke Verbraucher eingesetzt wird.
Dann sieht die Rechnung wieder anders aus: Zwei große E-Bikes, Kühlbox, Kaffeemaschine, Notebook, Beleuchtung und mehrere Tage ohne Landstrom können die zusätzliche Kapazität schnell interessant machen. Das E-Bike ist in diesem Szenario aber nur noch einer von vielen Verbrauchern.


Zwei E-Bikes am Wochenende: Welche Größe würden wir nehmen?
Nehmen wir ein typisches Camping-Szenario. Zwei Personen reisen mit jeweils einem E-Bike mit 500-Wh-Akku. Nach der Tagestour sind beide Akkus weitgehend leer und sollen für den nächsten Morgen wieder geladen werden.
Dafür werden theoretisch bereits rund 1.000 Wh im Fahrrad benötigt. Mit Ladeverlusten steigt der Energiebedarf entsprechend. Die Explorer 500 v2 scheidet für eine vollständige Ladung beider Räder damit aus.
Auch die Explorer 1000 v2 wäre uns für dieses Szenario zu knapp. Ihre Kapazität liegt zwar ungefähr in der richtigen Größenordnung, unsere Rechnung berücksichtigt aber gerade, dass nicht jede gespeicherte Wattstunde im Fahrradakku landet.
Für zwei regelmäßig genutzte 500-Wh-E-Bikes würden wir deshalb eher in Richtung 2.000-Wh-Klasse schauen.
Die Explorer 2000 v2 bietet genügend Reserve, um beide Akkus zu laden, ohne dass die Powerstation anschließend zwangsläufig komplett leer ist. Das ist gerade beim Camping wichtig, weil die Energie meistens noch für andere Dinge gebraucht wird.
Wer dagegen nur ein E-Bike mitführt und zwischendurch auf Campingplätzen wieder Landstrom bekommt, ist mit rund 1.000 Wh wesentlich vernünftiger unterwegs.
Vergesst Kühlbox und Kaffeemaschine nicht
Die Rechnung mit den E-Bikes allein hat allerdings einen Haken: Auf dem Campingplatz wartet meistens noch eine ganze Reihe anderer Verbraucher.
Die Kühlbox läuft weiter. Smartphones möchten geladen werden. Abends brennt Licht. Vielleicht kommen Notebook, Kameraakkus oder Kaffeemaschine dazu.
Eine Powerstation mit rechnerisch zwei E-Bike-Ladungen besitzt deshalb nicht automatisch Energie für zwei Fahrräder plus ein komplettes Camping-Wochenende.
Das ist der Punkt, an dem Ihr Eure Powerstation nicht nach dem größten Einzelverbraucher auswählen solltet, sondern nach dem gesamten Energiebedarf.
Wer jeden Abend Zugang zu Landstrom hat, braucht kaum mehrere Kilowattstunden Reserve. Wer dagegen drei Tage frei steht, zwei E-Bikes lädt und gleichzeitig den Camper versorgt, bewegt sich schnell in einer ganz anderen Größenordnung.
Und was ist mit Solar?
Hier wird die Rechnung besonders interessant. Eine Powerstation ist zunächst nur ein Energiespeicher. Wird sie während des Tages über Solarpanels wieder geladen, muss ihre Kapazität nicht den gesamten Energiebedarf einer Reise abdecken.
Dann zählt die Energiebilanz. Verbrauchen die E-Bikes am Abend beispielsweise 800 Wh, während tagsüber ein großer Teil dieser Energie wieder über Solar in die Powerstation gelangt, kann eine kleinere Station ausreichen als bei einem System, das mehrere Tage ausschließlich von der einmal gespeicherten Energie leben muss.
Allerdings sollte auch hier nicht mit den maximalen Wattangaben eines Solarpanels gerechnet werden. Bewölkung, Sonnenstand, Temperatur und Aufstellung sorgen dafür, dass der reale Solarertrag schwankt.
Für E-Bike-Camper ist Solar deshalb vor allem eine Möglichkeit, die Autarkie zu verlängern – keine Garantie auf eine täglich vollständig gefüllte Powerstation.
Welche Powerstation-Größe passt zum E-Bike?
Aus unserer Rechnung ergibt sich eine ziemlich klare Staffelung.
Rund 500 Wh: sinnvoll als kompakte Reserve, für kleine E-Bike-Akkus oder gelegentliches Nachladen. Für einen klassischen 500-Wh-Akku sollte keine vollständige Ladung eingeplant werden.
Rund 1.000 Wh: für ein E-Bike beim Camping die interessanteste Allround-Größe. Ein typischer 500-Wh-Akku lässt sich rechnerisch deutlich mehr als einmal laden, ohne dass die Powerstation gleich in die 20-Kilogramm-Klasse wächst.
Rund 2.000 Wh: interessant für zwei E-Bikes, längere autarke Aufenthalte oder wenn gleichzeitig weitere Campingverbraucher versorgt werden sollen.
Rund 3.000 Wh: nur fürs E-Bike meist überdimensioniert. Sinnvoll wird diese Klasse, wenn die Powerstation ohnehin die zentrale Energieversorgung eines größeren Camping-Setups übernimmt.
Wer die Unterschiede zwischen den vier Jackery-Modellen genauer kennenlernen möchte, findet in unserem großen Vergleich der Explorer-v2-Serie Kapazitäten, Gewichte und unsere Erfahrungen mit den einzelnen Größen.
Fazit: Nicht die Wattzahl entscheidet
Wer ein E-Bike beim Camping laden möchte, braucht keine Powerstation mit mehreren Tausend Watt Ausgangsleistung. Ein normales Fahrradladegerät stellt deutlich geringere Anforderungen.
Entscheidend ist die gespeicherte Energie. Für ein einzelnes E-Bike halten wir die 1.000-Wh-Klasse für den interessantesten Kompromiss. Sie bietet genug Reserve für einen typischen Fahrradakku, bleibt noch vernünftig transportabel und lässt Luft für andere kleine Verbraucher.
Bei zwei E-Bikes würden wir dagegen eher Richtung 2.000 Wh gehen. Erst dort entsteht genügend Reserve, damit nicht jede abendliche Fahrradtour die komplette Stromversorgung des Campers auffrisst.
500 Wh bleiben eine gute mobile Notreserve. 3.000 Wh sind dagegen erst dann sinnvoll, wenn die Powerstation ohnehin deutlich mehr versorgen soll als Fahrräder.
Und unser Fiido?
Das hat diese ganze Rechnung überhaupt erst ausgelöst. Nach 23,5 Kilometern war sein 280,8-Wh-Akku leer und die kleine Explorer 500 v2 musste ran.
Für die letzten Kilometer hat es damals trotzdem nicht gereicht. Zum Glück fährt in Hamburg ein Bus.
