Die Cevennen sind ein Geheimtipp für alle, die Frankreich abseits der überlaufenen Mittelmeerküste erleben wollen. Zwischen dem südlichen Zentralmassiv und dem Languedoc versteckt sich eine Landschaft von wilder Schönheit, geprägt von dichten Kastanienwäldern, tief eingeschnittenen Flussschluchten, Hochebenen und charmanten Dörfern. Die Region ist Teil des UNESCO-Biosphärenreservats „Parc national des Cévennes“, einem der wenigen Nationalparks in Europa, in dem Menschen und Natur gemeinsam wirken dürfen – ideal für nachhaltigen Tourismus, kleine Landwirtschaftsbetriebe und naturverträgliches Reisen.
Historisch war das Gebiet lange Rückzugsort für Protestanten, Widerstandskämpfer und Aussteiger. Heute zieht es Wanderer, Ruhesuchende und naturverbundene Vanlifer an, die das ursprüngliche Frankreich entdecken wollen. Ideal für Frühjahr und Herbst, bietet die Region im April und Mai bereits angenehmes, oft mediterran anmutendes Klima und erste sonnige Badetage in Flüssen wie dem Tarn oder der Jonte. Perfekt für eine Woche Natur, Wandern, Entschleunigung – und für das Reisen mit Hund und Van.

Anreise und Mobilität
Die Cevennen erreicht man am besten mit dem eigenen Fahrzeug. Von Deutschland aus führt die Route meist über Lyon und weiter in Richtung Mende, Florac oder Le Vigan. Die Straßen in der Region sind schmal und kurvenreich, aber gut befahrbar. Wer mit einem Bulli unterwegs ist, wird die zahlreichen kleinen Nebenstraßen lieben, die zu abgelegenen Spots und traumhaften Aussichten führen. Tempolimits und Rücksichtnahme auf Weidetiere und Radfahrer sind selbstverständlich.
Wildcamping in den Cevennen
Offizielles Wildcamping ist in Frankreich generell verboten, wird aber in den Cevennen unter bestimmten Bedingungen toleriert:
- Nur eine Nacht am gleichen Ort
- Kein Feuer
- Keine Spuren hinterlassen
- Am besten mit Einheimischen oder Bauern abstimmen
Gerade in abgelegenen Bereichen des Parc National des Cévennes gibt es Parkbuchten oder abgelegene Waldlichtungen, wo eine Nacht im Bulli meist geduldet wird. Besonders unter der Woche und in der Nebensaison ist die Chance gut, ohne Probleme frei zu stehen. Alternativen sind “aires naturelles” oder einfache kommunale Campingplätze, die oft sehr idyllisch und günstig sind.
Hund mitnehmen: Was zu beachten ist
Die Cevennen sind ausgesprochen hundefreundlich. In Wandergebieten und auch auf vielen Campingplätzen sind Hunde erlaubt, oft ohne Aufpreis. Wichtig:
- In Naturschutzgebieten gilt Leinenpflicht – es gibt viele Wildtiere (Rehe, Wildschweine, Füchse)
- In kleinen Dörfern und auf Märkten wird entspannter Umgang gepflegt, aber Leine und Tütchen sind Pflicht
- Badestellen an Flüssen wie Tarn und Jonte sind meist auch für Hunde zugänglich – besonders an einsamen Abschnitten
Tipp: Die Cevennen sind Zeckenland. Also immer nach Spaziergängen kontrollieren und ggf. ein Spot-On oder Halsband verwenden. Trinkwasser mitnehmen, denn viele Wanderwege führen durch trockenes Gelände.
Route für eine Woche in den Cevennen
Tag 1: Ankommen bei Florac – Tor zum Nationalpark
Florac liegt am Rand des Nationalparks und eignet sich hervorragend als Einstiegspunkt. Das hübsche Städtchen mit seiner kleinen Altstadt, den Wasserläufen und dem Kastanienmarkt lädt zum Ankommen ein.
- Camping-Tipp: Camping du Pont – direkt am Tarn, viel Schatten, sehr hundefreundlich
- Wanderung: Spaziergang zur Source du Plo de la Nassette oder erste Flussrunde am Tarn
- Extra-Tipp: Käse und Brot auf dem Markt kaufen, dann Picknick am Fluss mit Blick auf die Hänge des Causse Méjean
Tag 2: Gorges du Tarn – Schluchten, Wasser und Stein
Die Tarnschlucht gehört zu den eindrucksvollsten Flusstälern Europas. Enge Kehren, steil aufragende Kalkwände und kleine Felsnester wie Saint-Chély-du-Tarn machen die Fahrt zum Erlebnis.

- Fahrt: Mit dem Bulli die D907b entlang des Tarn bis nach Les Vignes
- Wanderung: Cirque de Saint-Chély – spektakuläre Aussicht auf die Mäander des Tarn
- Baden: In einer der vielen Kiesbuchten planschen – oft menschenleer im Frühjahr
- Übernachtung: Freistehen evtl. am Point Sublime, ein paar Parkplätze mit Fernblick – ruhig, wenn keine Saison ist

Tag 3: Causse Méjean – Hochebene und Weitblick
Heute geht es hoch auf das Karstplateau des Causse Méjean. Die Landschaft ist offen, fast wüstenhaft, durchzogen von Trockenmauern, Wacholder und Schafweiden.
- Fahrt: Über kleine Straßen, z. B. via La Malène und Hures-la-Parade
- Besuch: Ökomuseum Ferme Caussenarde – ein Einblick in das harte Leben früherer Hirtenfamilien
- Camping: Naturplatz bei einer Ferme mit eigenem Käseverkauf (z. B. Ferme Caussenarde oder Mas Camargue)
- Abend: Sonnenuntergang über der Hochebene, absolute Stille
Tag 4: Jonte-Schlucht – Fliegen wie die Geier
Im benachbarten Tal der Jonte kreisen die Gänsegeier über den Felsen – mit etwas Glück direkt über dem Camper.
- Beobachtung: Am Belvédère du Truel (mit Fernglas!) oder vom Wanderweg Rocher de Capluc
- Wanderung: Kurze, aber beeindruckende Runde zum Roc de Peyre – mit Weitblick
- Übernachtung: Einfacher Picknickplatz an der D996 mit flachem Gelände – beliebt bei Wanderern
Tag 5: Le Vigan und Mont Aigoual – Markt und Berge
Le Vigan ist eine belebte Kleinstadt mit Wochenmarkt, Cafés und guten regionalen Produkten.
- Markttag: Mittwoch oder Samstag – von Käse über Oliven bis Lavendelhonig
- Fahrt: Kurvenreiche Strecke hoch auf den Mont Aigoual, über die D986 – lohnenswert für die Fernsicht bis zu den Alpen
- Wanderung: Am Observatorium starten viele einfache Wege durch Buchenwälder
- Camping: Municipal de l’Espérou – einfach, naturnah, kühl in der Höhe

Tag 6: Cirque de Navacelles – das Amphitheater des Wassers
Der Cirque de Navacelles ist ein geologisches Juwel: eine riesige Auswaschung im Kalk, die ein natürliches Amphitheater bildet.
- Fahrt: Über D713 nach Blandas, dort Aussichtspunkte
- Wanderung: Kleiner Rundweg über steinige Pfade, vorbei an wilden Iris und Ginster
- Baden: In den Gumpen der Vis – herrlich erfrischend im Frühling
- Übernachtung: Abgelegene Wiese in der Nähe von Blandas – unter Sternen
Tag 7: Rückfahrt über Anduze – Bambus und Märkte
Der letzte Tag führt zurück in sanftere Gefilde.
- Stopp in Anduze: Historische Altstadt, kleine Geschäfte, gute Bäckereien
- Tipp: Besuch der Bambouseraie – ein botanischer Garten voller Riesenbambus, Hunde an Leine erlaubt
- Letzte Übernachtung: Camping Mas de la Cam – direkt am Fluss Gardon, grün, ruhig, perfekt zum Runterkommen

Fazit
Die Cevennen sind ein Paradies für naturverbundene Reisende (mit Hund und Bulli). Im Frühjahr zeigt sich die Region von ihrer angenehmsten Seite: grün, sonnig, ruhig und voller Entdeckungen. Die Mischung aus Kultur, Natur, regionaler Küche und herzlichen Menschen macht diese Woche zu einem echten Erlebnis. Wer einfache Campmöglichkeiten, stille Wanderungen und urige Märkte liebt, wird hier garantiert glücklich. Schaut doch mal bei Instagram bei uns vorbei, wir berichten dort von unserer ersten Tour mit dem #MonsterBulli.
