Wer an Spanien denkt, hat meist die Küsten, Andalusien oder vielleicht Madrid vor Augen. Doch mitten im Land, versteckt in der Provinz Kastilien und León, liegt Soria – eine Region, die ursprünglicher kaum sein könnte. Kaum eine andere Gegend verbindet so nahtlos verwunschene Landschaften, geheimnisvolle Wälder und jahrhundertealte Bauwerke. Eine Reise hierher ist ein Ausflug in ein Spanien ohne Trubel, ohne Eile – dafür mit viel Natur, Geschichte und kleinen Wundern am Wegesrand.

Soria Ciudad – ein stiller Schatz am Duero
Soria, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, liegt ruhig am Fluss Duero. Die Stadt hat sich viel von ihrer mittelalterlichen Atmosphäre bewahrt. Enge Gassen, romanische Kirchen und kleine Plätze, auf denen sich die Einheimischen treffen, prägen das Bild. Besonders eindrucksvoll ist die Kirche San Juan de Rabanera und das gotische Kloster San Juan de Duero, dessen Kreuzgang mit seinen filigranen Bögen direkt am Flussufer liegt.

Ein Spaziergang durch Soria lohnt auch kulinarisch. Tapas-Bars und kleine Bodegas laden zum Verweilen ein, dazu ein Glas Ribera del Duero – und schon verschmilzt die Stadt mit ihrer Landschaft.
Die Schwarze Lagune – Naturmythos in den Bergen
Nordöstlich von Soria liegt die Laguna Negra, die „Schwarze Lagune“. Umrankt von Legenden über Ungeheuer und versunkene Dörfer, zieht sie Besucher mit ihrer düsteren Schönheit an. Dicht bewaldete Hänge spiegeln sich im dunklen Wasser, während steile Felswände darüber thronen.

Ein Wanderweg führt direkt um die Lagune, andere Pfade ziehen sich tiefer in die Sierra de Urbión hinein. Dort beginnt ein stilles Reich aus Kiefern, Wacholder und Felsen, in dem man stundenlang unterwegs sein kann, ohne einer Menschenseele zu begegnen.
Wacholderhaine von Calatañazor – eine Landschaft wie aus der Zeit gefallen
Westlich von Soria liegt Calatañazor, ein kleines Dorf mit uralten Steinhäusern, engen Gassen und einer Burgruine, die über den Ort wacht. In der Umgebung erstrecken sich weitläufige Wacholderhaine, die sogenannten Sabinares del Jalón, in denen knorrige Bäume wie Naturdenkmäler stehen. Manche Wacholder sind über 2000 Jahre alt und gehören zu den ältesten Europas.
Die Gegend eignet sich hervorragend für kleine Wanderungen oder Picknicks. Mit etwas Glück lässt sich hier sogar der seltene Gänsegeier beobachten.
Cañón del Río Lobos – Wandern zwischen Felstürmen und Greifvögeln
Der Naturpark Cañón del Río Lobos zählt zu den bekanntesten Highlights der Region. Eine spektakuläre Schlucht zieht sich hier kilometerlang durch den Kalkstein, flankiert von steilen Wänden und Grotten. Wanderwege führen am Flussbett entlang, vorbei an Wacholder und Eichen.
Eindrucksvoll thront inmitten der Schlucht die kleine Templerkirche San Bartolomé, ein mystischer Ort voller Symbolik und Geschichte. Im Frühjahr und Herbst kreisen hier Adler und Geier über den Köpfen der Wanderer – ein stilles Schauspiel, das den Naturpark zu einem der schönsten Ziele für Outdoor-Fans macht.
Die Burg von Gormaz – Spaniens Wacht über den Fluss
Ein weiteres Muss für Geschichts- und Architekturliebhaber ist die Burg von Gormaz, eine der größten maurischen Festungen Europas. Sie thront auf einem Bergrücken und bietet einen weiten Blick über das Tal des Duero. Die mächtigen Mauern und Türme erzählen Geschichten von Kriegen zwischen Christen und Mauren, von Eroberungen und Allianzen.
Der Sonnenuntergang hier oben ist spektakulär: Wenn das Licht die Steine rötlich färbt und der Wind durch die Ruinen streicht, wird die Geschichte lebendig.

Anreise & beste Reisezeit
Soria ist von Nordspanien (Baskenland oder Navarra) gut erreichbar, aber auch von Madrid aus in knapp 2,5 Stunden zu erreichen. Im Frühling blühen die Wacholder- und Eichenlandschaften auf, im Herbst färben sich die Wälder spektakulär. Im Sommer kann es heiß und trocken sein, doch auf den Höhen weht immer ein kühler Wind. Wer flexibel ist, plant Mai bis Juni oder September bis Oktober.
Schöne Spots für Camper – zwischen Lagunen und Wacholder
Die Region ist sehr ländlich geprägt, mit wenig Verkehr und vielen kleinen Nebenstraßen. Wildcamping wird hier oft geduldet, solange Rücksicht genommen und sauber hinterlassen wird. Einige Stellplatz- und Routentipps:
- Nahe Laguna Negra (ca. 42.0017, -2.8678)
Ein kleiner Parkplatz dient Wanderern als Ausgangspunkt. Wer spät kommt oder früh startet, kann hier oft problemlos stehen und morgens direkt zur Lagune laufen. - Bei Calatañazor (ca. 41.6745, -2.8476)
Außerhalb des Ortes auf einem Feldweg mit Blick auf die Wacholderhaine. Sehr ruhig, gelegentlich kommen Hirten vorbei. - Am Naturpark Cañón del Río Lobos (ca. 41.7311, -3.0615)
Nahe der Zufahrt zur Templerkirche San Bartolomé gibt es ausgewiesene Parkplätze. Morgens und abends besonders schön – die Vögel sind dann aktiv, tagsüber wird es voller.
Viele kleine Tankstellen, Bäckereien und Märkte in Soria Ciudad oder El Burgo de Osma sorgen dafür, dass Camper gut versorgt sind. Wer länger bleiben will, sollte Wasser und Gas in den Städten nachfüllen.


