Klein, eckig und überraschend nachhaltig: Was Qbo besser macht als Nespresso

Qbo Kapseln im großen Check: Woraus bestehen die Kaffee-Würfel, wie nachhaltig sind sie wirklich und wie schlagen sie sich gegen Nespresso? Alle Infos zu Material, Recycling, Sorten und Geschmack.

Die Tchibo Qbo Iconic Kaffee Kapselmaschine

Kapselkaffee hat es nicht leicht. Während Vollautomaten als komfortabel und Siebträger als besonders hochwertig gelten, bewegen sich Kapselsysteme seit Jahren irgendwo dazwischen. Sie gelten als praktisch, müssen sich aber regelmäßig Kritik beim Thema Nachhaltigkeit anhören. Gerade in der Camping- und Vanlife-Szene wird deshalb häufig diskutiert, ob der schnelle Kaffee auf Knopfdruck überhaupt noch zeitgemäß ist.

Dabei lohnt sich ein genauerer Blick. Denn nicht jedes Kapselsystem funktioniert nach demselben Prinzip. Tchibo verfolgt mit Qbo seit einigen Jahren einen Ansatz, der sich bewusst von vielen Wettbewerbern abgrenzt. Statt Aluminium setzt das Unternehmen auf quadratische Kapseln aus einem speziellen Kunststoff. Gleichzeitig sollen die Würfel weniger Ressourcen verbrauchen, besser recycelbar sein und trotzdem hochwertigen Kaffee liefern. Große Versprechen also.

Nach mehreren Monaten mit der Qbo ICONIC im MonsterBulli, dem Test der neuen Qbo One und deutlich mehr Espressi, als vermutlich vernünftig gewesen wären, wollten wir wissen, wie viel davon tatsächlich im Alltag ankommt.

Warum die Kapseln überhaupt eckig sind

Wer zum ersten Mal eine Qbo Packung öffnet, wundert sich meistens nicht über die Maschine, sondern über die Kapseln. Schließlich sehen sie eher wie kleine Bauklötze aus als wie klassische Kaffeekapseln.

Tatsächlich steckt hinter der ungewöhnlichen Form deutlich mehr als ein Design-Gag. Während runde Kapseln zwangsläufig Zwischenräume erzeugen, lassen sich die kleinen Würfel wesentlich effizienter verpacken und transportieren. Dadurch wird weniger Platz benötigt und gleichzeitig kann Verpackungsmaterial eingespart werden.

Die Qbo Kapseln sind eckig und können gar nicht falsch eingesetzt werden. @ OutdoorMonster

Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Wer allerdings einmal versucht hat, die Vorräte für mehrere Wochen im Camper unterzubringen, weiß, dass jede eingesparte Ecke zählt.

Genau dort spielen die Würfel ihre Stärke aus. Sie lassen sich sauber stapeln, rollen nicht durch Schubladen und nutzen den vorhandenen Stauraum überraschend effizient aus.

Viel spannender ist allerdings das Material

Die Form fällt sofort auf. Das eigentliche Thema verbirgt sich jedoch unter der Oberfläche. Denn während viele Wettbewerber weiterhin auf Aluminium setzen, bestehen die Qbo Kapseln überwiegend aus Polypropylen. Dabei handelt es sich um einen Kunststoff, der sich vergleichsweise gut recyceln lässt.

Interessant wird die Sache allerdings erst beim Blick auf die Rohstoffe. Laut Tchibo stammen rund 70 Prozent des Materials aus nachwachsenden Quellen der sogenannten zweiten Generation. Gemeint sind damit keine eigens angebauten Pflanzen, sondern Reststoffe und Nebenprodukte, die ohnehin an anderer Stelle entstehen. Dazu gehören beispielsweise Tallöle aus der Forstwirtschaft oder organische Rückstände aus der Lebensmittelproduktion.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Je weniger fossile Rohstoffe benötigt werden, desto geringer fällt die Umweltbelastung bei der Herstellung aus.

Für den Verbraucher ändert sich dadurch nichts. Die Kapseln sehen gleich aus, funktionieren identisch und beeinflussen weder Geschmack noch Haltbarkeit. Für die Ökobilanz macht dieser Schritt allerdings einen spürbaren Unterschied.

Nachhaltigkeit bleibt ein schwieriges Thema

An dieser Stelle wäre es einfach, die Qbo-Kapseln als perfekte Lösung zu feiern.

Das wäre allerdings zu kurz gedacht, denn auch eine Qbo Kapsel bleibt natürlich eine Einwegverpackung. Wer maximale Nachhaltigkeit sucht, wird weiterhin mit einer French Press, einer AeroPress oder einem klassischen Handfilter besser fahren.

Trotzdem lohnt sich der Vergleich innerhalb der Kategorie. Qbo verzichtet auf Aluminium, nutzt überwiegend nachwachsende Rohstoffe, setzt auf recycelbares Material und reduziert durch die Würfelform zusätzlich Verpackungs- und Transportaufwand. Laut einer von Tchibo angeführten Ökobilanz der TU Berlin entstehen durch das neue Material rund 35 Prozent weniger CO₂-Emissionen als beim bisherigen Kapselkunststoff.

Das macht aus einer Kapsel noch kein Umweltwunder. Es zeigt aber, dass Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig dort endet, wo Bequemlichkeit beginnt.

Wohin mit den Kapseln nach dem Kaffee?

Genau an diesem Punkt herrscht erstaunlich viel Verwirrung. Immer wieder liest man die Frage, ob die Qbo Kapseln kompostierbar seien. Die Antwort lautet klar: nein.

Obwohl ein großer Teil des Materials aus nachwachsenden Rohstoffen stammt, gehören die Würfel weder auf den Kompost noch in die Biotonne. Dort würden sie sich nicht ausreichend zersetzen. Stattdessen empfiehlt Tchibo die Entsorgung über den Gelben Sack beziehungsweise die Gelbe Tonne. Das Material kann anschließend recycelt und für neue Kunststoffprodukte verwendet werden.

Im Alltag funktioniert das erfreulich unkompliziert. Die gebrauchten Kapseln müssen weder ausgespült noch zerlegt werden. Nach dem letzten Kaffee landen sie direkt im Wertstoffmüll.

Geschmack schlägt am Ende jede Nachhaltigkeitsdebatte

So wichtig Umweltaspekte auch sind – am Ende entscheidet bei einer Kaffeekapsel immer noch die Tasse. Und genau hier überraschte uns das Qbo System stärker als erwartet.

Bereits beim Test der Qbo ICONIC fiel auf, dass die Würfel erstaunlich aromatische Ergebnisse liefern. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Jede Kapsel enthält 7,5 Gramm Kaffee und damit etwas mehr als viele vergleichbare Systeme. Zusammen mit der PressBrew-Technologie entsteht eine dichte Crema und ein insgesamt kräftigeres Geschmacksbild.

Der Kaffee sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch genauso. © OutdoorMonster

Natürlich ersetzt das keinen hochwertigen Siebträger. Muss es aber auch nicht. Gerade unterwegs zählt – zumindest für uns – etwas anderes: Der Kaffee soll schnell verfügbar sein, zuverlässig schmecken und möglichst wenig Arbeit verursachen. Genau das gelingt dem System erstaunlich gut.

Die Sortenauswahl ist größer als viele vermuten

Wer Qbo nur vom Hörensagen kennt, erwartet häufig ein überschaubares Sortiment. Tatsächlich hat sich die Auswahl in den vergangenen Jahren unglaublich vergrößert.

Aktuell umfasst das Angebot fünf Espresso-Sorten, sieben Caffè-Crema-Varianten sowie drei verschiedene Caffè Grande. Hinzu kommen entkoffeinierte Kaffees und regelmäßig wechselnde Sondereditionen. Besonders spannend sind die aktuellen Flavoured Editions Espresso Caramel und Espresso Dark Choc. Beide setzen auf natürliche Aromen und verzichten auf zusätzlichen Zucker oder Milchpulver.

Wer sich durch das Sortiment probiert, findet überraschend viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Von fruchtigen Noten über klassische Röstaromen bis hin zu schokoladigen und nussigen Nuancen ist praktisch alles vertreten.

Qbo oder Nespresso?

Früher oder später landet fast jeder Interessent bei dieser Frage. Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt stärker vom eigenen Nutzungsverhalten ab als vom Kaffee selbst.

Nespresso punktet vor allem mit seiner enormen Verbreitung. Die Auswahl an Kapseln ist riesig, dazu kommen zahlreiche Fremdanbieter und Sondereditionen.

Links die Nespresso-Kapsel mit Starbucks-Kaffee, rechts die markante Qbo. © OutdoorMonster

Qbo verfolgt einen anderen Ansatz. Hier stehen Nachhaltigkeit, Materialeinsparung und das eigene PressBrew-System stärker im Mittelpunkt. Geschmacklich bewegen sich beide Systeme auf einem sehr hohen Niveau. Die Unterschiede sind deutlich kleiner, als Marketingabteilungen beider Seiten vermutlich gerne hätten. Wer maximale Auswahl sucht, wird bei Nespresso fündig.

Wer dagegen Wert auf recycelbare Kapseln, nachwachsende Rohstoffe und ein insgesamt durchdachteres Nachhaltigkeitskonzept legt, sollte sich Qbo unbedingt ansehen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Qbo Kapseln

Sind Qbo Kapseln recyclingfähig?

Ja. Die Kapseln können nach Gebrauch über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack entsorgt werden. Das Material ist recycelbar und wird anschließend wiederverwertet.

Sind Qbo Kapseln kompostierbar?

Nein. Trotz des Anteils nachwachsender Rohstoffe gehören die Würfel nicht auf den Kompost und auch nicht in die Biotonne.

Gibt es Qbo Kapseln von Drittanbietern?

Aktuell setzt Qbo ausschließlich auf eigene Kapseln. Fremdhersteller spielen bislang keine relevante Rolle.

Welche Sorten bietet Qbo an?

Das Sortiment umfasst derzeit fünf Espresso-Sorten, sieben Caffè-Crema-Varianten, drei Caffè Grande sowie entkoffeinierte Kaffees und wechselnde Limited Editions.

Wie teuer sind Qbo Kapseln?

Je nach Sorte und Aktion bewegen sich die Preise meist zwischen 25 und 35 Cent pro Kapsel.

Sind Qbo Kapseln besser als Nespresso?

Beim Geschmack entscheidet letztlich der persönliche Geschmack. Beim Thema Nachhaltigkeit besitzt Qbo durch das Materialkonzept und die Recyclingfähigkeit jedoch einige interessante Argumente.

Die Nespresso-Kapseln gibt es von unterschiedlichen Anbietern. © OutdoorMonster

Fazit: Einer der spannendsten Ansätze im Kapselmarkt

Kapselkaffee wird auch in Zukunft nicht jeden überzeugen. Wer seinen Kaffee von Hand mahlt, exakt dosiert und mit Leidenschaft aufbrüht, wird an diesem System wenig ändern wollen. Für alle anderen lohnt sich ein Blick jedoch durchaus.

Qbo zeigt, dass Komfort und Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen. Die Kapseln bestehen überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen, lassen sich recyceln und liefern gleichzeitig einen Kaffee, der geschmacklich deutlich über vielen Vorurteilen gegenüber Kapselsystemen steht.

Gerade für Camper, Vanlifer und Reisende ergibt sich daraus eine Kombination, die im Alltag erstaunlich gut funktioniert: wenig Aufwand, wenig Platzbedarf und morgens trotzdem eine vernünftige Tasse Kaffee.

Transparenz-Hinweis: Tchibo hat uns freundlicherweise Qbo Kapseln für den Test zur Verfügung gestellt.


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